Das war die Inter Airport Europe 2009

Austrian Aviation Net war bei Europas führender Messe für Flughafenausstattung.

Fotos: Austrian Aviation Net, IAI, Viseon

Von 6. bis 9. Oktober 2009 fand in München die Inter Airport Europe, die weltweit größte Fachmesse für Flughafen-Ausrüstung, Technologie, Design und Service, statt. Nachdem die Veranstaltung in den letzten Jahren auf dem Münchener Flughafen abgehalten wurde, übersiedelte sie diesmal auf das Gelände der Neuen Messe München – also dorthin, wo bis zum Jahre 1992 die Flugzeuge auf dem Airport München-Riem starteten und landeten.

Dieses Jahr zeigen 550 Aussteller aus 30 Ländern ihre neuen und verbesserten Produkte und Dienstleitungen rund um den Flughafen: Von innovativen Systemen zur Erkennung von Flüssigkeiten und Sprengstoffen im Handgepäck, verbesserten Gepäcksortiersystemen, den neuesten Vogelabwehranlagen bis hin zu Großexponaten wie Schneepflügen und umweltgerechten Enteisungsanlagen.

Typische Besucher der Fachmesse sind neben Flughafenbetreibern und Fluggesellschaften unter anderem Logistik- und Frachtunternehmen, IT- und Sicherheitsspezialisten, Feuerwehr- und Rettungseinrichtungen sowie das Militär. Da die Exponate auch Flughafen- und Terminalbau sowie Inneneinrichtung abdecken, zählen auch Investoren und Architekten zu den Messebesuchern.
 
Für die Flughafenindustrie stellt diese Veranstaltung ein wichtiges Trendbarometer dar, steht die Branche doch derzeit vor großen Herausforderungen. Die globale Wirtschaftskrise hat ja bekanntermaßen auch in diesem Industriezweig, der in den vergangenen Jahren von konstantem Wachstum geprägt war, ihre Spuren hinterlassen: Verglichen mit dem Vorjahr gingen die weltweiten Passagierzahlen laut Airports Council International (ACI) in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 6% zurück, die Frachtzahlen fielen sogar um 9%. Zwar sind nicht alle Flughäfen davon betroffen, die Konkurrenzsituation unter den großen Drehkreuzen wie auch unter den kleineren Regionalflughäfen hat sich jedoch verschärft.
 
Für die Fachleute der Flughafenindustrie geht es deshalb zurzeit in erster Linie darum, intelligent zu investieren und im Bereich von Kundenservice, Sicherheitsstandards und Umweltverträglichkeit zu punkten.

Um diese Themen drehen sich denn auch viele der technischen Neuerungen, die in zwei Hallen mit über 10.000 m2 sowie auf einem 12.000m2 großen Freigelände gezeigt wurden. Austrian Aviation Net hat sich vor Ort umgesehen und möchte hier einige Highlights vorstellen:

Bucher-Schörling – Flughafen-Hochleistungs-Kehrblasgerät P21CS (was für ein Name...)

Wer schon einmal gesehen hat, wie sich eine in seitlich schräg versetzter Aufstellung fahrende Armada von motorisierten Schneeräum-Ungetümen über verschneite Flughafenflächen bewegt, war davon vermutlich genauso beeindruckt wie der Autor dieser Zeilen. In München wurde nun ein weiterentwickeltes Kraftpaket dieser Art ausgestellt, welches speziell durch einen modularen Aufbau hervorsticht und aus einer Zugmaschine, der Kehreinheit sowie einem Motor-Ventilator-Aggregat besteht.  Für Flughafenbetreiber bietet dies eine weit größere Flexibilität, um das Fahrzeug an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten und Notwendigkeiten angepasst, gestalten zu können. Am Rande wurde bemerkt, dass nicht nur Vierradlenkung, sondern auch der sogenannte "Hundegang" selbstverständlich sind...

www.bucherschoerling.com

Power Stow Easy Pendular – "Rücken", nein danke

So wie die deutsche Comedy-Fantasiefigur Horst Schlämmer "Rücken" hat, ist natürlich auch das Verladepersonal eines Flughafens nicht davor gefeit, an Wirbelsäulenproblemen zu leiden. Eine interessante Neuerung auf dem Gebiet des Be- und Entladens von Flugzeugen, die hier gravierende Erleichterung verspricht, zeigte die dänische Firma Power Stow A/S.

In Kombination mit der bereits seit einigen Jahren erhältlichen Rollertrack-Lösung für mobile Gepäck-Förderbänder bietet „Power Stow Easy Pendular„ dem Ladepersonal im Freien die Möglichkeit, Gepäcksstücke bis zu 50 kg mittels einer an einem vertikalen Gestänge montierten Vakuumansaugung mit einer simplen Handbewegung rücken- und gepäcksschonend zu bewegen und anzuheben. Das Power Stow Easy Pendular wird auf einem normalen Förderband montiert und kann für alle Arten von Taschen und Koffer verwendet werden.

Inwieweit dadurch auch Personal eingespart werden kann, bleibt allerdings wohl mit der jeweiligen Dienstnehmervertretung abzuklären...

www.powerstow.com

Viseon – ein neuer Name für schon länger bekannte Produkte

Vermutlich wird sich so Mancher im Zusammenhang mit Reise- und Vorfeldbussen noch an die Marke NEOPLAN erinnern; nachdem das 1935 gegründete Unternehmen im Jahre 2001 von MAN übernommen wurde, ist im Vorjahr durch ein klassisches Management-Buy-Out eine neue Firma entstanden, die sich mit ihren mittlerweile 220 Mitarbeitern dem ambitionierten Ziel verschrieben hat, im Premium-Bus-Segment nicht nur Fuß zu fassen, sondern eine Vorreiterrolle zu spielen. Hervorzuheben ist dabei die Besinnung auf den altbewährten Slogan "Made in Germany", der für den Kunden das Streben nach höchstmöglicher Qualität in der jeweiligen Klasse ausdrücken soll; seien dies nun Flughafen-, Reise- oder Stadtlinienbusse.

Bei der Inter Airport Europe 2009 präsentierte Viseon ein neues individuelles Klimakonzept (die stärkste Klimaanlage mit 44 kW Kälteleistung) sowie ein 24-Stunden-After Sales Service, welches durchaus mit dem in der Luftfahrt üblichen AOG-Dienst verglichen werden kann, wo dem Betreiber eines "kranken" Flugzeuges (Aircraft On Ground) vom Hersteller Unterstützung geboten wird.

www.viseon-bus.com

Contrac-Cobus Scan 3000 – mobile Sicherheitskontrolle in neuen Dimensionen

Ein weiterer Aussteller von Vorfeldbussen war die Firma Cobus; das Einsatzgebiet der bemerkenswertesten Neuheit ist aber nicht der Transport, sondern die Kontrolle von Menschen. Im Inneren befindet sich nämlich eine komplette Sicherheitskontrollstelle, die z.B. zum Screenen von Passagieren vor dem Flugzeug, von Crewmitgliedern oder aber auch von Arbeitern auf Flughafenbaustellen oder – zufahrten eingesetzt werden kann. Die ersten Einheiten wurden nach Dresden und in den Nahen Osten geliefert, in Kooperation mit der dortigen Zivilluftfahrtbehörde kommen 9 weitere Busse bei der Olympiade 2010 in Kanada zum Einsatz und werden ihren Dienst danach auf den großen kanadischen Flughäfen versehen.

www.contrac-cobus.de

Zebra Enterprise Solutions – Airport Map Replay Feature

Bereits seit einigen Jahren hat Zebra Enterprise Solutions (hieß früher übrigens proveo) bereits ein Flottenmanagement-Programm namens "Airport Visualiser" im Sortiment und stellt damit Kunden an über 20 Flughafen-Drehkreuzen - hierunter z.B. London Heathrow, Singapore Changi, München oder Dubai International - zufrieden. Anwender können damit sämtliche Prozesse des Flughafenbetriebes auf einem einzigen Bildschirm überwachen und die eingesetzten Geräte in Echtzeit orten und Status sowie Leistungsfähigkeit überprüfen.

Neu hinzugekommen ist nun die Airport Replay Map Funktion, welche einen eindeutigen Blick auf vergangene Ereignisse auf dem Flughafenvorfeld ermöglicht und so hilft, Konflikte, die zwischen Anbietern von Dienstleistungen auf dem Vorfeld entstehen können, zu klären. Dadurch kann eindeutig festgestellt werden, was tatsächlich an einem bestimmten Zeitpunkt auf dem Vorfeld geschehen ist. Wer weiß, welche Probleme sich manchmal aus Verzögerungen im Ablauf einer Flugzeugabfertigung ergeben können, wird dies sicher interessant finden.

www.zebra.com/zes

TONI – Vogelschlagprävention vom Feinsten

US Airways 1549, Hudson River, Captain C.B. Sully Sullenberger – drei Begriffe, die sich in der am 15.01.2009 in dieser Kombination Luftfahrtgeschichte geschrieben haben; viel länger schon kennen wir aber einen weiteren Begriff, der erst der Auslöser für diesen bemerkenswerten Vorfall war: Vogelschlag, oder - wie es im "Flugenglisch" heißt – Birdstrike!

Für dieses speziell in der Start- und Landephase eines Flugzeuges gefährliche Phänomen hat die Firma TONI eine breite Angebotspalette entwickelt, die von Vogelschlag-Prävention, Risikoanalysen oder Birdstrikerisiko-Management samt Vogelradar über die unterschiedlichsten Vogelabwehr Lösungen bis hin zur Einrichtung einer eigenen Birdstrike-Academy (!) reicht.

Bemerkenswert dabei ist der gezielte Einsatz von Greifvögeln; seien es nun lebende Tiere oder -meist etwas besser kontrollierbar - ferngesteuerte Robotervögel.

Der Firmenname setzt sich übrigens aus den Anfangsbuchstaben der Firmengründer zusammen und ist kein Hinweis auf einen Kosenamen für Robo-Birds o.

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Vueling Airlines / EC-NAJ
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