Austro Control testet Platten gegen Wirbelschleppen

Projekt am Flughafen Wien gemeinsam mit dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt).

Gerade große Flugzeuge wie der Airbus A380 erzeugen die gefürchteten Wirbelschleppen (Foto: Frank Holzäpfel / DLR).

Rund zehn Kilometer Sicherheitsabstand müssen kleine und mittlere Flugzeuge derzeit zu vorausfliegenden schwereren Maschinen einhalten. Der Grund sind Wirbelschleppen, die insbesondere kurz vor dem Aufsetzen eines nachfolgenden Flugzeugs eine kraftvolle Wirkung entfalten können. Austro Control und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeiten am Flughafen Wien gemeinsam mit weiteren Partnern daran, Wirbelschleppen im Anflugbereich zu entschärfen und damit die Sicherheit weiter zu erhöhen.

Im Rahmen dieses Projektes wurden im Anflugbereich Platten ("Plate Lines") installiert, die diese Wirbelschleppen reduzieren sollen. Nach dem Durchflug eines Flugzeugs dauert es je nach Typ und Gewicht eine gewisse Zeit, bis sich Wirbelschleppen abschwächen. Dieser Zeitraum soll durch diese Platten deutlich verkürzt werden: An den etwa 9 Meter langen und 4,5 Meter hohen Platten bilden sich Sekundärwirbel, die die eigentlichen Wirbelschleppen deutlich schneller zerfallen lassen. Potentiell können dann auch kleinere Flugzeuge hinter größeren Maschinen mit geringeren Abständen anfliegen, was sich auch auf die Kapazität positiv auswirkt.

"Das Projektteam hat Großes geleistet, um die Erprobung dieses bislang einzigartigen Systems bei Vollbetrieb auf einem stark frequentierten Flughafen zu ermöglichen. Die ersten Ergebnisse sind sehr erfreulich. Sollte sich die Wirksamkeit der Plate-Lines wie angenommen bestätigen, können diese in Zukunft an allen Flughäfen für gesteigerte Sicherheit und mehr Kapazität sorgen", sagte Christian Kern, Leiter Air Traffic Management bei Austro Control.

Die Plate Lines wurden vor dem nördlichen Landebahnende der Runway 16/34 aufgebaut (Foto: Frank Holzäpfel / DLR).

Ziel dieses von der EU geförderten Projekts ist es, die Wirksamkeit der Platten an einem großen Flughafen nachzuweisen. In Strömungssimulationen und bei einzelnen Flugversuchen konnte dieser Nachweis bereits erbracht werden. "Allererste Auswertungen der neuen Messungen in Wien zeigen, dass auch dort die Wirbelschleppen in der Nähe der Platten tatsächlich deutlich schneller zerfallen", erklärte DLR-Wirbelschleppenforscher Frank Holzäpfel.  Es ist geplant, in den nächsten zwei Jahren an der Spezifikation und Herstellung einer permanenten Einrichtung dieser Platten zu arbeiten.

Austro Control und Flughafen Wien AG haben den Aufbau der Platten ermöglicht. Im Vorfeld wurde von Austro Control ein entsprechendes Safety Assessment durchgeführt. Ebenso wird die Datenauswertung unterstützt, außerdem werden Radar- und Flugplandaten beigesteuert. Das Projekt entspringt einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen Austro Control und dem DLR zum Thema "Wake Turbulence". Das DLR hat die Plate Lines entwickelt und führt die Messungen der Wirbelschleppen vor Ort durch. Weiteres umfangreiches meteorologisches Messequipment wird von den Firmen Leonardo Germany GmbH und Radiometer Physics GmbH zur Verfügung gestellt. Austro Control testet gemeinsam mit den Partnern die Wirksamkeit der Platten im Live-Betrieb.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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