Zwischen Realismus und Optimismus

Die Vereinigung Airlines for Europe (A4E) hält heute in Brüssel ihr jährliches Gipfeltreffen ab. Eigentlich waren die Folgen von Covid-19 offiziell kein Thema – vorbeigekommen sind die Airline-Chefs daran aber nicht.

Von links: Michael O'Leary (Ryanair), Johan Lundgren (Easyjet), Carsten Spohr (Lufthansa), Willie Walsh (IAG), Ben Smith (Air France/KLM) und Thomas Reynaer (A4E). (Foto: Michael Csoklich)

Hoffnung, das ist das Wort, das die wichtigsten Player der europäischen Luftfahrt in Zusammenhang mit der Corona-Krise am häufigsten in den Mund nehmen. Denn: "Noch sei es viel zu früh zu sagen, wie sich die Lage der Fluglinien weiter entwickeln werde", so IAG-CEO Willie Walsh. Er erwartet, dass sich die Lage in Asien in einigen Wochen stabilisieren wird. Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht von einer Situation, die sich jeden Tag ändere und in der man sehr flexibel reagieren müsse. Benjamin Smith, Chef von Air France/KLM betont, dass die europäische Luftfahrt sehr eng mit allen Behörden, den Regierungen und der EU-Kommission zusammenarbeite.

Wichtig ist allen hier in Brüssel, dass es so schnell wie möglich krisenbedingte Ausnahmen von den Slot-Regelungen auf Flughäfen gibt. Unter normalen Umständen müssen die Fluglinien 80% der Slots nutzen, sonst verfallen sie. Diese Regelung müsse umgehend ausgesetzt werden, so die Forderung. Unterstützt werden sie dabei auch von China, das auch eine temporäre Aussetzung dieser Regel fordere und da Druck macht.

Ryanair-Chef versprüht Optimismus
Einig sind sich die Airline-Chefs, dass es für angeschlagene Fluglinien keine Staatshilfe geben dürfe. Niemand, der schon in den vergangenen Jahren schlecht gewirtschaftet habe, dürfe die Krise als Ausrede dafür benutzen.

Am zuversichtlichsten zeigt sich in Brüssel übrigens der CEO der Ryanair Holding, Michael O‘Leary. Die Buchungen würden die nächsten zwei, drei Wochen noch niedrig bleiben, dann aber sollte es wegen Ostern besser werden, da gebe es ja auch schon viele Buchungen. Und nach Ostern sollte der Fokus dann schon auf den Sommerferien liegen. Die Hoffnung lebt, doch die Airline-Chefs schwanken zwischen Realismus und Optimismus.

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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