Wollen wir wirklich darauf verzichten?

Das Jahr 2019 war durch Umwelt-Bashing der Luftfahrt geprägt. Im neuen Jahr 2020 fokussiert man sich hoffentlich auch auf die positiven Seiten der Aviation-Branche. Ein Kommentar von AviationNetOnline-Herausgeber Martin Metzenbauer.

Andere Gegenden der Welt zu entdecken und zu verstehen - auch dazu braucht man den Flugverkehr (Foto: Pixabay).

Im vergangenen Jahr ist die Luftfahrt imagemäßig schlecht weggekommen - insbesondere dank des oft populistischen Umwelt-Bashings von allen möglichen Seiten. Inlandsflüge verbieten, Steuern erhöhen und überhaupt am besten nur noch mit der Bahn fahren oder zu Fuß gehen - das war in etwa die Prämisse der abgelaufenen zwölf Monate. Und vielleicht wird es auch im neuen Jahr 2020 in ähnlicher Diktion weitergehen.

Bei aller Liebe zum und Verständnis für den Umweltschutz: Die Luftfahrt stellt einfach ein plakativ passendes Ziel dar. Dessen unreflektierter „Beschuss“ führt als Nebeneffekt dazu, von anderen eminenten Problemen in Sachen Environment Protection abzulenken und sich nur auf einen Teilaspekt des CO2-Themas zu beschränken (der Prozentsatz der Verkehrsluftfahrt ist ja daran bekanntermaßen ohnehin gering). Wer hat dabei noch geistige Kapazität, neben den Luftschadstoffen beispielsweise über Mikroplastik nachzudenken, das immer stärker im Kreislauf der Natur zu finden ist und unsere Nachkommen wohl noch über Jahrhunderte beschäftigen wird? Möglicherweise einmal ein viel wichtigeres Thema als die aktuelle Klimadebatte...

Wie auch immer: Was angesichts unreflektierter Klimahysterie und des Hasses auf alles, was CO2 produziert oft verleugnet wird, sind die positiven Effekte der Luftfahrt. Und diese darf man nicht unter den Tisch kehren. Man denke beispielsweise an die vielen Beschäftigungsverhältnisse, die durch diese Branche geschaffen werden - in Österreich sind es fast 95.000 Menschen, die dem Luftverkehr direkt oder indirekt ihre Anstellungen verdanken! Was dabei besonders wichtig ist: Es handelt sich hier um Jobs über die gesamte Qualifikations-Bandbreite - in Zeiten zunehmender Automatisierung fallen ja anderswo ganze Berufsfelder weg.

Flugzeuge sind Umweltsünder - aber bei weitem nicht die einzigen und auch nicht die wichtigsten (Foto: Pixabay).

Für den Standort Österreich sind freilich neben den geschaffenen Jobs auch die unkomplizierten Verbindungen in die große weite Welt wichtig. Sei es für Österreich-Reisende (die Tourismus- und Freizeitwirtschaft hat rund 15 Prozent Anteil am Brutto-Inlands-Produkt) oder sei es für Unternehmen, die ein attraktives Flugangebot schätzen. Besonders gespannt darf man in dieser Hinsicht auf die Einstellung der neuen österreichischen Bundesregierung mit einer Infrastrukturministerin der Grünen zum Thema Luftfahrt sein.

Neben diesen unmittelbaren und greifbaren Einflüssen der Branche auf den Wirtschaftsstandort gibt es aber noch einen weiteren ganz wichtigen positiven Aspekt der Luftfahrt, der viel zu wenig Beachtung findet. Dieser kann mit zwei Worten ausgedrückt werden: „Fliegen verbindet“. Wenn man die Welt heute mit jener vor 20 oder 30 Jahren vergleicht, so gibt es einen ganz großen Unterschied: Wir sind im Jahr 2020 auf eine andere Art und Weise mit dem Rest der Erde verbunden - vor allem natürlich über das Internet samt seinen Social-Media- und Connectivity-Beiwerken.

Die Luftfahrt schafft Jobs - in Österreich sind es mehr als 90.000 (Foto: Austrian Airlines / Pauty).

Aber auch die Luftfahrt anno 2020 - und die damit verbundene Möglichkeiten, einfach und relativ kostengünstig andere Teile der Welt kennenzulernen und zu erleben - ist Teil dieser quasi globalen Verknüpfung, die so richtig erst in den letzten Dekaden entstanden ist. Wenn man die Möglichkeit hat, von anderen Erdteilen nicht nur zu lesen oder auf vorgefertigte Meinungen in der eigenen Twitter-Bubble angewiesen zu sein - so trägt das nicht unerheblich zum verbindenden Völkerverständnis bei.

Und wenn man die Chance ergreifen kann, den eigenen Horizont von Gramatneusiedl auf Tel Aviv, Shanghai und Kapstadt zu erweitern, so ist das wohl unbestritten positiv. Und gerade dieses "über den Tellerrand schauen“ und mehr Verständnis für die Welt zu entwickeln (auch für die Umweltthemen, die zum Großteil aus einer globalen Perspektive heraus betrachtet werden müssen), ist nur möglich, wenn ein entsprechendes (und vor allem für viele leistbares) Flug-Angebot zur Verfügung steht. Wollen wir darauf wirklich verzichten?

Freilich ist das Thema, wie wir unseren (einzigen!) Planeten und das Leben darauf fürsorglich behandeln, die wichtigste Aufgabe unserer Zeit. Die Bedeutung des Umweltschutzes kann gar nicht oft genug erwähnt werden - auch wenn diese Causa unbequem ist. Aber die Luftfahrt stellt bei weitem nicht das Grundübel dar - aber natürlich muss auch sie ihren Beitrag leisten. Aber dies darf nicht zu Aviation-Bashing führen, das insofern sogar negativ ist, weil es eben von anderen viel wichtigeren Bereichen ablenkt.

Fliegen verbindet - und Reisen schafft mehr Bewusstsein für globale Themen (Foto: Pixabay).

Zwei Dinge, die hinsichtlich verantwortungsvollen Fliegens aber zur Selbstverständlichkeit werden müssen, sind (abgesehen von der Frage ob ein Flug auf einer bestimmten Strecke wirklich die ökologisch/ökonomisch/praktikabel beste Wahl ist) erstens die CO2-Kompensation (beispielsweise über die Boku) und zweitens (nach Möglichkeit) die Wahl der Airline nach Umwelt-Gesichtspunkten. Eine Airline, die beispielsweise mit modernerem Fluggerät umweltschonender fliegt, sollte vorgezogen werden (recht interessante Einblicke in dieses Thema bietet die Website Alternative Airlines).

Um zusammenzufassen: Die Luftfahrt muss weiterhin ihren Anteil am Umweltschutz leisten und vor allem ausbauen - das ist ganz unbestritten. Aber: Man darf angesichts des zuletzt schlechten Images die wichtigen positiven Auswirkungen des Fliegens nicht außer acht lassen. Die Jobs und die Freiheit zu reisen stehen hier an vorderster Stelle. Es ist zu hoffen, dass die Relationen im neuen Jahr 2020 diesbezüglich etwas zurechtgerückt werden.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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