Wolfram Simon: “Wir würden gern für Austrian fliegen”

Zeitfracht-Chef im Interview.

Wolfram Simon-Schröter (Foto: Zeitfracht).

Zeitfracht-Chef Wolfram Simon-Schröter spricht im Interview über die neue Dachmarke German Airways, die Einflottung der Embraers und potenzielle Kunden im Wet-Lease-Geschäft.

AviationNetOnline: Herr Simon-Schröter, Luftfahrt wird bei Zeitfracht nie langweilig: Erst investieren Sie in Blue Air, dann haben Sie Interesse an der deutschen Small Planet und schlussendlich kaufen Sie LGW. Ist Condor der nächste Kandidat auf der Liste? 

Wolfram Simon: Das Verfahren von Condor ist ein sehr strukturiertes. Zeitfracht guckt sich auf dem Markt immer wieder interessante Ziele an - seien es einzelne Teile oder ganze Pakete. Mehr will ich dazu nicht sagen.

Kommen wir zu den Teilen, die bereits bei Zeitfracht sind - Beispiel LGW. Warum hat Zeitfracht die gekauft?

Zeitfracht hat seinerseits die LGW übernommen, weil es eine ganz klare Zeitfracht-Strategie ist, für andere und nicht gegen andere zu fliegen. Natürlich wollen wir unsere Position im Wet-Lease- und Charterbereich ausbauen, aber nur mit Regionalmaschinen. 

LGW ist unter dem Zeitfracht-Dach eingebettet in die German Airways. Was ist das?

Die German Airways ist eine gemeinsame Vermarktungsplattform für LGW und WDL. Beide AOCs bleiben getrennt, aber in Zukunft werden wir einige Overhead-Positionen zusammenlegen, dort wo Schnittmengen bestehen. Da geht’s neben dem Vertrieb beispielsweise auch um die Buchhaltung und Controlling.

German Airways fliegt für Eurowings, LOT und ....

… alle Major-Carrier in Europa - als da wären unter anderen, HOP! von Air France/KLM, Easyjet, Finnair oder Skyexpress und natürlich als Partnercarrier für die Bundesligamannschaft des 1. FC Union Berlin.

Und bald auch Austrian Airlines?

Es gibt keine unterschriebenen Verträge. 

Aber es gibt Verhandlungen?

Wir sprechen gerne mit jedem, der an unserer Dienstleistung interessiert ist. Austrian ist ein potenzieller Kunde für uns, den wir selbstverständlich versuchen, von unseren Leistungen zu überzeugen. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir im nächsten oder übernächsten Jahr ein paar Strecken für Austrian betreiben dürften. Ob mit den Embraers oder den Dash-Maschinen machen wir davon abhängig, was gewünscht ist.

Ich dachte, die Dashs sollen raus?

Ja, das ist richtig. Aber das ist ja ein Prozess, der sich über die nächsten zwei Jahre zieht. Die Maschinen werden sukzessive ausgeflottet und die Flotte ab Ende kommenden Jahres mit E190-Jets aufgestockt. Wir hätten also neben Eurowings auch noch durchaus Potenzial, für anderen Auftraggeber mit der Dash zu fliegen. Da können wir flexibel auf Kundenwünsche reagieren.

DHC Dash8-400 (Foto: www.airteamimages.com).

Und für Eurowings fliegt LGW dann auch Embraers?

Dazu werde ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Aber wenn es nach uns geht, würden wir natürlich sehr gern die Eurowings-Gruppe auch von dem Flugzeugtyp überzeugen. Das müsste diese dann allerdings in ihren Planungen berücksichtigen.

Rückt Zeitfracht durch den Erwerb der LGW und dem damit verbundenen Ausbau des ACMI-Geschäfts von der bisherigen Strategie im Cargo-Bereich ab?

Die Geschäftsstrategie muss immer an die Marktgegebenheit angepasst werden. Nichtsdestotrotz haben wir unsere Strategie nicht geändert, denn wir waren und sind in der Passagierluftfahrt tätig. Das Thema Cargo ist letztlich durch die drei Frachtmaschinen aufgekommen, die wir betrieben haben und die jetzt zum Ende des Jahres verkauft sind. Insofern stellt sich die Frage nach Fracht für uns nicht mehr. Wir wollen uns ganz auf das Thema Passagierluftfahrt im Regionalbereich für andere Airlines konzentrieren.

Klingt aber doch nach einem Strategieschwenk?

Nein. Für die ganze Zeitfracht heißt das, dass wir unverändert auf vier Säulen stehen: Immobilien, Trucking, Luftfahrt und Shipping.

Embraer 190 (Foto: www.airteamimages.com).

Bleiben wir bei der Luftfahrt-Säule. Ist die Entwicklung zufriedenstellend?

Ja. Für die Umstände im sich doch sehr grundlegend verändernden Marktgefüge sind wir mit der Entwicklung von LGW und WDL zufrieden. Gerade auch von neuen Kunden bekommen wir sehr gutes Feedback. Zudem ist die Einflottung der ersten Embraers sehr gut gelaufen. Wir müssen nicht darüber reden, dass gerade dieser Prozess einen Einfluss auf unser Geschäftsergebnis hat. Aber das haben wir vorher einkalkuliert. Wir liegen im Plan.

Das sind LGW und WDL - aber die Säule Luftfahrt bestand ja bei Zeitfracht auch aus Blue Air. Wo ist die jetzt hin?

Für Zeitfracht ist Blue Air schon immer eine sehr kleine finanzielle Beteiligung gewesen. Wir sind mit dem Restrukturierungsprozess, der im letzten Jahr eingeleitet wurde, sehr zufrieden Es ist derzeit nicht geplant, dieses Investment auszubauen.

Und dann ist Zeitfracht auch immer mit der Air Berlin Technik in Verbindung gebracht worden. Wie kam das?

Nach der Insolvenz der Air Berlin haben wir uns lediglich in einer Bietergemeinschaft zusammen mit Nayak um die verschiedenen Teile der Technik-Tochter bemüht. Aber die Anteile liegen alle bei Nayak.

 Herr Simon-Schröter, vielen Dank für das Gespräch.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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