Wohin steuert Condor?

Airline selbst hofft auf Treuhand-Lösung - Insider sieht Zukunft gesichert.

Condor darf weiter hoffen (Foto: Condor).

Nach der Absage der polnischen LOT sondiert der deutsche Ferienflieger Condor die Zukunft: Wie geht es weiter mit dem Unternehmen und den rund 5.000 Mitarbeitern? Eine Airline-Sprecherin sagte unserer Redaktion, dass Condor auf eine Treuhand-Lösung hoffe: "Es gibt verschiedene Optionen für die zukünftigen Eigentumsverhältnisse."

Der ehemalige Chef der Flugbegleitergewerkschaft UFO, Nicoley Baublies, sieht nun vor allem die Politik in der Pflicht. "Das Wichtigste ist, dass der Staat jetzt seiner Verantwortung nachkommt und nicht eine ohnehin schon geschundene Airline, die ihre Hausaufgaben gemacht hat, gefährdet", sagt er im Gespräch mit AviationNetOnline. "Aber das tut er unseren Informationen nach auch nicht. Die Regierung ist sich ihrer Verantwortung bewusst, führt Gespräche, um eine kurzfristige Lösung zu suchen und hat ganz klar auch eine langfristige Perspektive im Blick."

Die zum polnischen Staatskonzern PGL gehörende Airline LOT hatte am Montag den Rücktritt vom Kauf der Condor erklärt.  Eigentlich wollte sie den Ferienflieger zum "Kompetenzzentrum Touristik" machen und eine Airline-Gruppe mit etwa 20 Millionen Passagieren jährlich schmieden. Zudem war eine Modernisierung und moderate Erweiterung der Condor-Flotte angedacht.

Ein denkbares Szenario
Nun muss Condor umplanen. Und so soll der Neustart aussehen: Aus dem Umfeld der Airline heißt es, dass der Staat kurzfristig Liquidität bereitstellen will, damit Condor durch die Corona-Krise kommt. Aktuell steht die komplette Flotte - bis auf Ausnahmen für Rückholflüge - am Boden, für alle Mitarbeiter ist Kurzarbeit vorgesehen.

Die Hilfen dürften sich aber in Grenzen halten: Condor benötigt wohl nicht sehr viel Geld, denn sobald das Schutzschirmverfahren offiziell beendet ist, hat die Airline wieder Zugriff auf Konten, die vor dem Verfahren fester Bestandteil der Firmenstruktur waren. "Die Chancen stehen also gut", so ein Insider. Details, ob der Staat der Airline kurzfristig finanziell unter die Arme greift, und so ermöglicht, dass das Verfahren beendet werden kann, könnten womöglich noch in dieser Woche publik werden. 

Langfristig sollen die Gespräche mit zwei unterlegenen Interessenten wieder aufgenommen werden - den Finanzinvestoren Apollo und Greybull. Beide waren mit ihren Konzepten im Gläubigerausschuss gescheitert, weil sie nicht darlegen konnten, wie Condor dauerhaft eine Airline in EU-Besitz bleiben und so wertvolle Slots behalten könnte. Doch dieser Haken könnte durch eine Treuhand-Lösung umgangen werden. Condor selbst will sich nicht dazu äußern, ob erneut Gespräche mit den Investoren forciert werden.

Für große Teile des Szenarios kann sich auch der FDP-Verkehrspolitiker Bernd Reuther erwärmen. Er ist der Meinung, dass es nun ein neues Bieterverfahren geben sollte. "Die Frage ist allerdings, ob es sich hierbei um ein komplett neues Verfahren handeln oder mit den anderen beiden Interessenten gesprochen werden sollte", so der Politiker zu AviationNetOnline.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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