Wizzair-Chef Váradi: "Dass andere Verluste machen ist nicht unser Problem"

Ungarischer Billigflieger will in Wien weiter wachsen und im kommenden Jahr die Basis auf A321neo umstellen.

József Váradi ist Geschäftsführer der Billigfluggesellschaft Wizzair (Foto: Jan Gruber).

In Wien liefern sich unter anderem die Billigfluggesellschaften wie Lauda, Anisec und Wizzair einen äußerst harten Wettbewerb. Die Folge ist, dass auf zahlreichen Routen außerordentlich billige Ticketpreise in hoher Verfügbarkeit buchbar sind. Doch sind Preissteigerungen zu erwarten?

„Nein“, wenn es nach Wizzair-Chef József Váradi geht. „Wir haben in Wien den Break Even erreicht und sind zufrieden mit den Ticketerlösen, die am Markt erzielen können. Wir haben daher keinerlei Druck unsere Preise zu erhöhen und werden auch weiterhin günstige Tickets ab 9,99 Euro anbieten. Natürlich haben damit andere Airlines Probleme, weil sie nicht mithalten können und somit Geld verlieren, aber das ist deren Problem und nicht unseres.“

Angesprochen auf den sich zunehmend verschärfende Konkurrenz-Situation mit Lauda, sagte der Manager gegenüber AviatioNetOnline: „Ich begrüße Wettbewerb und sehe das ganz gelassen, weil meiner Meinung nach sind wir die bessere Airline. Ich liebe Konkurrenzsituationen, denn dann ist man gefragt auf den Mitbewerb zu reagieren, Reisende haben mehr Auswahlmöglichkeiten und die Preise für die Kunden sind niedriger. Manchmal bekommen wir einen Mitbewerber und manchmal machen wir Konkurrenz. Im Hinblick darauf, dass wir die niedrigsten Kosten der gesamten europäischen Luftfahrtbranche haben, sehe ich das sehr gelassen und freue mich über Wettbewerb.“

Dass Flugtickets um 9,99 Euro für eine Airline nicht rentabel sein können, belegt ein Blick in die Gebührenverzeichnisse der Airports. Dieser Betrag wird vollständig von den so genannten „Steuern und Gebühren“ regelrecht „aufgefressen“. Das bedeutet, dass die Anbieter bei diesen Aktionsflugscheinen draufzahlen, außer die Reisenden buchen Extraleistungen wie beispielsweise Koffer und/oder Priority-Boarding dazu, je nach Route kann dann ein positiver Deckungsbeitrag erreicht werden.

Angesprochen auf diesen Umstand sagte Váradi: „Unser Geheimnis ist simpel: Wir haben niedrigere Kosten als alle andere Airlines. Wenn man so günstig wie möglich produzieren kann, so kann man auch billig anbieten. Das ist ganz simpel, aber die Kosten muss man jeden Tag im Auge haben.“ Ab nächstem Jahr sollen fabrikneue Maschinen des Typs Airbus A321neo die Stückkosten der Basis Wien weiter reduzieren: „Wien ist eine der ersten Bases, die wir auf A321neo umstellen werden. Dieser Schritt wird im kommenden Jahr umgesetzt.“

Carrier ist „sehr zufrieden“ mit dem A321neo

Wizzair wird diese Teilflotte auf insgesamt 260 Einheiten aufstocken. Gleichzeitig gab der Carrier auf der Paris Air Show bekannt, dass 20 Langstreckenjets des Typs A321XLR angeschafft werden, die beispielsweise in Richtung Indien und Dubai eingesetzt werden können. Konkrete Pläne für Langstreckenflüge ab Wien sind allerdings nicht bekannt.


Airbus A321neo (Foto: www.AirTeamImages.com).

„Der Airbus A321neo ist ein tolles Flugzeug, das rund 16 Prozent weniger Treibstoff verbraucht und damit für uns erheblich effizienter ist. Auch die im Vergleich mit dem A320 höhere Sitzplatzkapazität ermöglicht uns durch niedrigere Stückkosten günstigere Tickets anbieten zu können“, erklärt József Váradi.

Wizzair wird heuer sechs bis sieben Prozent Marktanteil in Wien haben

„Wien ist ein äußerst wettbewerbsintensiver Markt. Dass es uns gelungen ist, dass wir bereits im ersten Jahr profitabel fliegen, zeigt auch, dass unser Geschäftsmodell funktioniert und von den Kunden angenommen wird. Wir bieten dieses Jahr 2,4 Millionen Sitze an und rechnen mit einem Marktanteil von sechs bis sieben Prozent“, so der Wizzair-Chef. „Wir werden das Wachstum in Wien fortsetzen und planen noch weitere Routen.“

Angesprochen auf die Performance der einzelnen Routen verwies der Airline-Geschäftsführer darauf, dass die Gesamtleistung der Basis relevant ist: „Wenn eine Route nicht wirtschaftlich ist, dann stellen wir diese ein. Ich kann aber nicht sagen welche Strecke besonders gut oder besonders schlecht läuft, denn diese müssen sich in einer Balance halten und wenn das nicht der Fall ist, nehmen wir Anpassungen im Streckennetz vor. Es gibt selbstverständlich – wie bei anderen Airlines auch – saisonale Schwankungen. Wir sind aber mit der Performance in Wien absolut zufrieden. Die Entscheidung für Wien war richtig.“

190 Mitarbeiter in Wien

Laut József Váradi beschäftigt Wizzair in Wien derzeit 190 Mitarbeiter. Mit der Stationierung des sechsten Flugzeugs sollen rund 50 zusätzliche Jobs geschaffen werden. Angesprochen auf den Wechsel des Ground Handling Dienstleisters sagte der Manager: „Wir waren mit den Standards unseres ehemaligen Bodenabfertigers Celebi unglücklich, aber es kommt einfach von Zeit zu Zeit vor, dass Partner gewechselt werden.“

Generell stehen die Zeichen aus der Sicht von Wizzair auch weiterhin auf Wachstum. In Wien hat der Carrier „noch viel vor“ und beabsichtigt in den nächsten Monaten weitere Routen anzukündigen. Ob und wie der Mitbewerb, den Váradi eigenen Angaben nach so sehr schätzt, dann darauf reagieren wird, ist noch offen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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