„Wir sind in einer Notsituation“

Der Weltluftfahrtverband fordert die Regierungen zu umgehenden und bedingungslosen Finanzspritzen auf. Andernfalls könnten die Hälfte aller Fluglinien weltweit Pleite gehen.

Flughafen Salzburg (Foto: Peter Unmuth).

„Keine Einnahmen, aber laufende Kosten. Die Fluggesellschaften brauchen dringend Geld.“ So bringt der Chef der Weltluftfahrtorganisation IATA, Alexandre de Juniac, die momentane Situation der Airlines auf den Punkt. Die IATA spricht von der schlimmsten Krise der Geschichte und legt neue Schätzungen über die Folgen des Shut downs durch die Corona-Krise vor.

Sie geht jetzt im Vergleich zu 2019 von Umsatzeinbußen im Passagiergeschäft von 250 Milliarden US$ oder 44 % aus, Anfang März rechnete sie „nur“ mit 113 Milliarden US$. Wobei die Regionen Asien-Pazifik mit minus 88 Milliarden US$ und Europa mit minus 76 Milliarden US$ betroffen seien.

„Die Liquiditätskrise kommt mit vollem Tempo“, sagt de Juniac in einer Telefonkonferenz. Besonders gefährdet sieht die IATA die europäischen Fluglinien, denen im 2. Quartal die Kapazitäten um 90 % einbrechen. Sollten die Fluglinien nicht umgehend staatliche Finanzhilfe erhalten, könnten weltweit mehr als die Hälfte der Fluglinien Pleite gehen, warnt die IATA, und ruft die Regierungen zu raschem, bedingungslosen Handeln auf. Sei es in Form direkter Finanzspritzen, Kredite oder Garantien.

Mit einer raschen Erholung rechnet die IATA nicht. Es werde voraussichtlich „länger als ein halbes Jahr dauern, bis sich die Luftfahrtbranche von der Corona-Krise erholen wird“, sagt IATA Chefökonom Brian Pierce. Denn mit der Corona-Krise gehe eine Rezession einher, die die Erholung bremsen werde. Erst 2021 werde es deutlich besser werden.

Wenn es einen Lichtblick gibt, dann in China. Hier gehen die Zahl der Flüge und der Passagiere wieder bergauf. Von normal kann aber noch bei weitem keine Rede sein.

„Wir sind in einer Notsituation“, sagt IATA Chef de Juniac. „Dadurch ist keine Zeit für Forderungen der Geldgeber. I'm sorry for that.”

Zwar sei 2021 mit einer deutlichen Erholung zurechnen, sagte IATA-Chefökonom Brian Pearce. Aber die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 gehe mit einer Rezession einher, was die Erholung verlangsame. Deshalb sei ein Aufschwung eher in Form einer U-Kurve als einer V-Kurve zu erwarten.

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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