Wien: Wizzair will am 1. Mai 2020 starten

20 Destinationen sollen schrittweise aufgenommen werden.

Airbus A321neo (Foto: Thomas Ramgraber).

Ab 1. Mai 2020 wird die ungarische Billigfluggesellschaft den Betrieb der Basis Wien schrittweise wieder aufnehmen. Nach und nach sollen insgesamt 20 Destinationen, darunter auch italienische Ziele sowie Tel Aviv, niederfrequent angeflogen werden. Allerdings hat dieser Plan einen entscheidenden Haken, denn die Republik Österreich lässt bis 30. April 2020 die Landung von kommerziellen Passagierflügen, die aus Ländern wie Italien, der Ukraine, Frankreich oder der Schweiz kommen, nicht zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Einschränkung verlängert wird, ist sehr hoch.

Ab Mai soll der Flugplan zu folgenden Destinationen wieder aufgenommen werden: Athen (Griechenland), Charkiw (Ukraine), Dortmund (Deutschland), Eindhoven (Niederlande), Kiew (Ukraine), Köln (Deutschland), Kutaissi (Georgien), Larnaka (Zypern), Lissabon (Portugal), Mailand (Italien), Ohrid (Nordmazedonien), Oslo (Norwegen), Reykjavik (Island), Rom (Italien), Tel Aviv (Israel), Teneriffa (Spanien), Thessaloniki (Griechenland), Valencia (Spanien), Varna (Bulgarien), Warschau (Polen).

Wizzair-Hungary-CEO Stephen Jones sagte dazu, dass man sie via NOTAM veröffentlichten Anordnungen der Behörden voll und ganz erfüllen wird und eine Verlängerung der Landeverbote die gesamte Planung verändern würde. Einen „Plan B“ nannte er allerdings nicht. Der Billigflieger will Passagiere insbesondere mit besonders niedrigen Preisen an Bord locken, rechnet aber gleichzeitig auch damit, dass die Nachfrage in der Anfangsphase sehr gering sein wird. Demnach lasse sich so genanntes Social-Distancing an Bord aufgrund zu erwartender niedriger Load-Factors einfach umsetzen.

Allerdings spricht sich Jones gegen das verpflichtende Freihalten der Mittelsitze aus. Dies würde den Verlust von rund einem Drittel der Kapazität bedeuten, was insbesondere für Lowcost-Airlines finanziell schwierig wäre. An Bord wird Wizzair unabhängig von eventuellen gesetzlichen Regelungen das Tragen von MNS-Masken sowohl für die Crew als auch für die Passagiere verpflichtend vorschreiben. Auch sollen die Desinfektionsmaßnahmen drastisch verstärkt werden und an Bord auch entsprechende Desinfektionstücher für die Passagiere ausgegeben werden.

Beim Boarding will der Carrier besonders genau darauf achten, dass die Abstände zwischen den Fluggästen eingehalten werden. Auch sollen die Kontakte zum Personal reduziert werden, so dass je nach Verfügbarkeit Self-Boarding-Gates und SB-Gepäckaufgabeschalter genutzt werden sollen. Die Basis Wien verfügt derzeit über sieben Flugzeuge und zwei weitere sind bereits angekündigt. Stephen Jones verwies aber auch darauf, dass es streckennetzweit zu Anpassungen hinsichtlich der Anzahl der stationierten Flugzeuge kommen wird. Neben Wien werden auch die Bases Timişoaras und London-Luton ab 1. Mai 2020 schrittweise wieder ihren Betrieb aufnahmen.

„Wien ist ein wichtiger Standort für Wizz Air und wir glauben an den Wirtschaftsstandort Österreich. Der heutige Tag ist eine positive Nachricht für Österreich und für Wizz Air, denn wir starten mit der Wiederaufnahme von knapp 20 Destinationen. Wir haben in Abstimmung mit den Auflagen der Behörden eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Passagiere und der Crew an Bord eingeführt, damit wir auch weiterhin ein sorgenfreies und sicheres Reisen ermöglichen können“, so Stephen Jones, Deputy CEO Wizzair.

Angesprochen auf die Nachfrage aufgrund der derzeit harten Einreisebedingungen, meinte Jones, dass insbesondere Staatsbürger der jeweiligen Länder durchaus nach Hause reisen wollen. Insbesondere im Fall von Tel Aviv sieht man dabei Potential. Generell habe man die Destinationen sehr sorgfältig ausgewählt, behält sich allerdings vor, dass man nochmals Anpassungen vornimmt, falls Nachfrage und Reiseeinschränkungen nicht den Erwartungen entsprechen sollten.


Wizzair Group Deputy CEO Stephen Jones bei der virtuellen Pressekonferenz.

Stephen Jones betonte auch, dass Wizzair keine Staatshilfen oder Kurzarbeit in Anspruch nehmen will. Heftige Kritik übte er an den aktuellen Forderungen der Lufthansa Group nach milliardenschweren Staatshilfen für sich selbst und ihre Tochtergesellschaften aus. Die Staaten würden dadurch gutes Geld schlechtem Geld hinterherwerfen, da der Mitbewerber ineffizient arbeiten würde und dadurch bereits vor der Krise Probleme gehabt haben könnte.

Bei Wizzair selbst ist es bereits zu Lohnkürzungen gekommen. Das fliegende Personal soll derzeit nur das Grundgehalt erhalten und auch hier soll es zu Abstrichen gekommen sein. Gleichzeitig habe man den Personalstand generell anpassen müssen. Damit spielte der Manager wohl auch auf die rund 1.000 Kündigungen an, die vor einigen Tagen öffentlich bekannt wurden. Derzeit sind lediglich drei Bases in Rumänen, die Homebase in Budapest sowie Sofia in Betrieb. 95 Prozent der Kapazität sind derzeit am Boden. Auch in der Verwaltung habe man die Gehälter gekürzt, so Jones betonte, dass das gesamte Management derzeit überhaupt auf seine Löhne verzichtet. Die Auslieferungen von Flugzeugen werden man ungeachtet der Corona-Krise weiterhin übernehmen.

Ob der Aufbau der Basis Abu Dhabi bedingt durch die Entwicklungen in Europa beschleunigt wird oder nicht wollte der Manager nicht klar beantworten. Es bestehe grundsätzlich die Möglichkeit dazu, mehr wollte er dazu jedoch nicht sagen. Die für Abu Dhabi geplanten Flugzeuge wären im Rahmen der Neuübernahmen bereits reserviert. Der Mitbewerber Air Arabia Abu Dhabi erhielt in diesen Tagen übrigens das AOC und die OL erteilt. Der Twoletter-Code lautet 3L. Vormals wurde dieser von der österreichischen Regionalfluggesellschaft InterSky genutzt.

Die ab 1. Mai 2020 geplanten Wizzair-Destinationen ab Wien auf einen Blick:


Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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