Wien: Wizzair adaptierte "Start-Flugplan" bereits

Passagiere erhalten Gutschein zugeschickt und werden gar nicht erst nach anderen Wünschen gefragt.

Airbus A321 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Am Freitag kündige die ungarische Billigfluggesellschaft Wizzair an, dass ab 1. Mai 2020 der Flugbetrieb der Basis Wien wiederaufgenommen wird. Doch bereits am Wochenende wurden erste Buchungen seitens des Carriers wieder verschoben und mit Oslo, Dortmund, Lissabon und Eindhoven sind nur noch vier Ziele für Abflüge ab Samstag im Verkauf.

Nach AviationNetOnline vorliegenden Informationen soll das Notam A0899/20, das vorerst bis zum 30. April 2020 befristet ist, verlängert werden. Das Gesundheitsministerium bestätigte gegenüber der Austria Presse Agentur, dass der Bann für ankommende Passagierflüge aus insgesamt elf Ländern verlängert wird. Im zitierten Notam sind folgende Staaten genannt: Volksrepublik China, Südkorea, Iran, Italien, Schweiz, Frankreich, Spanien, Vereinigtes Königreich, Niederlande, Ukraine und Russland.

Konkret bedeutet das, dass Passagierflüge von Österreich in die genannten Länder zulässig sind, jedoch nicht auf dem umgekehrten Weg. Allerdings bannen verschiedene Staaten, darunter die Ukraine, auch ankommende Flüge aus Österreich. Die Ukraine verlängerte das Flugverbot übrigens nur einen Tag vor der Wizzair-Ankündigung bis vorerst 11. Mai 2020. Nur einen Tag später will der Carrier zwei Routen wiederaufnehmen.

Passagiere haben das Recht auf eine Erstattung

Wird ein Flug gestrichen, so haben Passagiere in jedem Fall das Recht auf eine Ersatzbeförderung bzw. Rückerstattung des Flugpreises. Dies auch dann, wenn die Mitteilung außerhalb der 14-Tage-Frist erfolgt. Neu ist allerdings auch, dass Umbuchungen von Wizzair gar nicht mehr angeboten werden, sondern der bezahlte Flugpreis zuzüglich einer „Prämie“ von 20 Prozent dem Kundenkonto gutgeschrieben wird. Dabei wird der Fluggast überhaupt nicht gefragt, ob er mit der „Gutscheinlösung“ einverstanden ist oder nicht. Eine Auszahlung ist zwar möglich, jedoch gestaltet diese sich kompliziert und insbesondere langwierig.

Wizzair ist in diesem Zusammenhang allerdings kein Einzelfall, denn auch andere Fluggesellschaften, darunter Austrian Airlines, Eurowings, Vueling, Ryanair und Lauda machen es ihren Kunden besonders schwer an ihre Rückerstattung zu kommen. Eurowings verteilt Gutscheine und so man damit nicht einverstanden ist verweist das Callcenter darauf, dass man ein E-Mail schicken solle, das wochenlang nicht bearbeitet wird. Austrian Airlines macht es Kunden ebenfalls nicht gerade einfach, denn auch wenn Zusagen zur Rückerstattung vorliegen, warten in vorliegenden Fällen Passagiere bereits seit fast zwei Monaten auf die Auszahlung. Ryanair und Lauda haben anfangs rasch und unkompliziert zurückbezahlt, doch nun werden „Vorschläge“ für Gutscheine verschickt, die man per Mausklick akzeptieren kann. Wer dies jedoch nicht wünscht, muss sich an den Kundenservice wenden, der nur nach mehrstündiger Wartezeit per Chat erreichbar ist. Dies sind jedoch nur einige wenige Beispiele wie kundenfeindlich sich die Branche verhält. Allerdings gibt es auch positive Ausnahmen, denn beispielsweise erstatten U.S.-Carrier erheblich schneller und im Regelfall auch ganz ohne Barrieren in der Abwicklung.

Insbesondere in Deutschland drängt die Luftfahrtbranche auf eine „Gutscheinlösung“, doch nach derzeitiger Rechtslage sind Passagiere weder in Österreich noch in Deutschland verpflichtet solche „Vouchers“ anzunehmen. Es besteht ein gesetzliches Recht auf Rückzahlung, denn die Leistung wurde nicht erbracht. Damit nehmen es manche Carrier – wie beschrieben – aber nicht sonderlich genau. Beispielsweise bei Austrian Airlines sollen rund 300 Millionen Euro an Erstattungsansprüchen gegenüber Kunden im Raum stehen. Die Auszahlung geht zu Lasten der Liquidität, doch ist es in gewisser Weise auch untragbar, dass Reisende bei Nicht-Auszahlung oder der Zwangsannahme von Gutscheinen das Insolvenzrisiko der Carrier tragen sollen. Viele Fluggesellschaften in ganz Europa befinden sich derzeit in akuter Not.

Doch zurück zu Wizzair: Der am Freitag verkündete Flugplan gestaltet sich im Verkauf mit Stand 26. April 2020 ein wenig anders. So wurden beispielsweise die Spanien-Ziele auf einen späteren Zeitpunkt im Mai 2020 verschoben und Tickets, die ab 1. Mai 2020 verkauft wurden, ohne die Kunden zu Fragen in Gutschriften umgewandelt. Dies lässt böse Zungen durchaus behaupten, dass der einzige Zweck das Einsammeln von Geldern gewesen sein könnte, doch realistisch ist dem gegenüberzustellen, dass anzunehmen ist, dass ohnehin nicht viele Buchungen getätigt wurden.

Der „adaptierte“ Wizzair-Startplan im Überblick:

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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