Wien: Ryanair beerdigt die Marke Lauda

Kommende Woche läuft der kurzarbeitsbedingte Kündigungsschutz ab.

Ryanair-Chef Michael O'Leary lässt Lauda nicht mehr unter eigener Marke fliegen (Foto: Michael Csoklich).

Die Ryanair Group begräbt die Linienflüge auf Rechnung der Tochtergesellschaft Lauda und damit auch die Marke des Ablegers nach Stuttgart und Düsseldorf auch in Wien. Sämtliche Verbindungen ab der österreichischen Hauptstadt werden nun unter dem FR-Code angeboten.

Jene, die im Rahmen einer Wetlease-Vereinbarung weiterhin von Lauda durchgeführt werden, sind mit dem Hinweis „operated by Lauda“ gekennzeichnet. Davon ausgenommen sind derzeit einige Non-Schengen-Ziele, für die Ryanair selbst eine Genehmigung einholen muss. Ein Beispiel hierfür ist Kiew-Boryspil. Destinationen wie Beirut sind ab Winterflugplan buchbar. Aus luftfahrtrechtlichen Gründen ist die Nutzung des OE-Codes erforderlich, wobei die Aufnahme äußerst fraglich erscheint. Die Türkei-Strecken, für die ebenfalls unter Lauda-Flugnummern geflogen werden müsste, wurden zwischenzeitlich ersatzlos gestrichen.

Die Marke Lauda, die von Ryanair mit hohem Finanzaufwand insbesondere in Österreich, Deutschland und Mallorca als „Zweitmarke“ gepusht wurde, wird damit aufgegeben. Ryanair setzt künftig offensichtlich wieder auf die Single-Brand-Strategie. Lauda ist in Zukunft nur noch ein Wetlease-Operator, der nach dem Vorbild von Buzz und Malta Air im Auftrag von Ryanair fliegen wird. Dies hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Zentrale in Schwechat.

Derzeit sind sämtliche österreichischen Lauda-Mitarbeiter beim Arbeitsmarktservice Niederösterreich zur Kündigung angemeldet. Die Mitteilung, die man im Ringen um den Kollektivvertrag übermittelt hatte, wurde bislang nicht zurückgezogen. Bislang wurde noch keinem Mitarbeiter tatsächlich die Kündigung ausgesprochen, jedoch befinden diese sich aufgrund der beendeten Kurzarbeit noch in der so genannten Behaltepflicht, die kommende Woche abläuft. Aus internen Rundschreiben geht hervor, dass möglicherweise nicht alle Mitarbeiter gehalten werden können. Insbesondere jene, die ihre Zustimmung zum neuen Kollektivvertrag nicht erteilt haben, wurden in persönlichen Anschreiben der Personalabteilung darauf aufmerksam gemacht. Formelle Kündigungen wurden noch nicht verteilt.

Auch zur Aufgabe der Marke Lauda will sich das Unternehmen nicht äußern und verweist darauf, dass die finale Entscheidung erst nächste Woche in Dublin getroffen wird. Angesichts dessen, dass das Lauda-Brand in Stuttgart und Düsseldorf bereits eingestampft wurde und Ryanair durch die Umstellung der Flugnummern zwischenzeitlich auch in Wien Fakten geschaffen hat, dürften die Kündigungen in den nächsten Tagen verteilt werden. Wie viele Lauda-Mitarbeiter betroffen sind, ist derzeit nicht bekannt.

Offiziell werden künftig sämtliche Flüge ab Wien als Ryanair-Verbindungen vermarktet. Jene, die im Rahmen des Wetlease-Auftrags von Lauda durchgeführt werden, sind im Reservierungssystem mit „operated by Lauda“ gekennzeichnet. Die A320-Flotte, die noch auf 30 Maschinen aufgestockt werden soll, wird nicht in die Farben von Ryanair umlackiert. Auch wird das fliegende Personal weiterhin Lauda-Uniformen und jene der Konzernmutter tragen.

In Renton stehen bereits Boeing 737-Max-200, die in den Farben von Buzz und Malta Air lackiert sind, jedoch wird es nach aktuellem Informationsstand keine echte Nutzung der beiden Marken geben. Lediglich einige Flugzeuge werden diese Livery tragen und damit sprichwörtlich „Sonderlackierungen“ innerhalb der FR-Konzernflotte darstellen. Michael O’Leary kündigte vor einigen Wochen an, dass Lauda ebenfalls auf Boeing 737 umgestellt werden soll. Dies ist laut Lauda-Geschäftsleitung allerdings kein kurzfristiges Thema, sondern wenn überhaupt in fünf bis sechs Jahren, wenn die Leasingverträge auslaufen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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