"Wer nicht für uns arbeiten will, kann gehen"

Es war der ebenso gewohnte wie erwartete Auftritt von Ryanair Boss Michael O’Leary am Donnerstag in Wien. Er kündigte mit Lauda CEO Andreas Gruber die weitere Expansion von Lauda an, wetterte gegen die Konkurrenz und stellte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Rute ins Fenster.

Michael O'Leary (mit Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber, Mitte) zeigt der Gewerkschaft die lange Nase (Foto: Thomas Ramgraber).

Mit Dumpingpreisen und insgesamt 33 Flugzeugen, die auf den vier Basen Palma, Stuttgart, Düsseldorf und Wien stationiert sind, will Lauda im Sommer 2020 die Konkurrenz schwindlig fliegen - alleine 16 davon sollen von Schwechat aus starten. Zu den derzeit acht Flugzeugen kommen für den Winterflugplan vier weitere sowie 22 Destinationen dazu. Im Sommer will Lauda die Zahl der Destinationen ab Wien um weitere 17 auf dann 67 Ziele erhöhen - AviationNetOnline berichtete. Neu im Programm ab Sommer 2020 werden auch ein täglicher Flug von Palma nach Salzburg sowie zwei wöchentliche Flüge nach Klagenfurt sein. Die Crews werden übrigens ab Ende Oktober einheitlich mit den neuen Uniformen in den Farben Rot und Blau unterwegs sein.

Um das Programm bewältigen zu können, werden von Ryanair vier Boeing 737 im Wetlease betrieben. Ob das die der Gewerkschaft und dem Betriebsrat angedrohte Stationierung von Ryanair-Flugzeugen in Wien ist? Auf diese Frage sind weder Lauda-CEO Andreas Gruber noch Ryanair-Boss Michael O’Leary eingegangen - sie nannten den Pilotenmangel als Grund. Man wolle die Boeings so bald wie möglich durch Lauda-Airbusse sowie Lauda Crews ersetzen. Arbeitslosen Piloten der gestrandeten Airlines von Thomas Cook sowie Adria Airways machte O’Leary deutliche Jobangebote. Neben Piloten sei Ryanair auch an Slots dieser Fluglinien interessiert, eine Fluglinien kaufen wolle man aber nicht, schon gar nicht eine marode.

O’Leary und Gruber sind überzeugt davon, den Verlust heuer auf 50 Millionen Euro senken zu können und im kommenden Geschäftsjahr den Break-Even zu erreichen. Mit dieser Expansion sei Lauda die am schnellsten wachsenden Fluglinie in Wien. Heuer sollen 6,5 Millionen Passagiere befördert werden, 2020 neun Millionen. Damit, so Gruber, sei man in Wien die Nummer Zwei mit 10 Prozent Marktanteil hinter der AUA mit 41 Prozent. Michael O’Leary will sich damit allerdings noch nicht zufriedengeben: In fünf Jahren werde Lauda die Lufthansa-Tochter AUA überholt haben. Eine Kampfansage, die mit den durchschnittlichen Ticketpreisen untermauert wird. Diese liegen bei Lauda bei 37 Euro, bei Wizz Air bei 47 Euro, bei EasyJet bei 61 Euro, bei Air France/KLM, British Airways oder Lufthansa/AUA ein vielfaches darüber.

Airbus A320 von Lauda - dahinter eine Boeing 737 von Mutter Ryanair (Foto: Thomas Ramgraber).

Nach den Querelen mit dem Betriebsrat im Sommer wegen des Spardrucks und der Einigung auf neue Dienstpläne mit mehr Produktivität im August sei das Verhältnis jetzt gut, so O’Leary. Er kritisierte aber scharf, dass es zu viele und zu lange Krankenstände in Wien gebe, die deutlich über dem Schnitt anderer Basen liegen. Das erfordere Ersatzcrews, das sei teuer und das könne und wolle man sich nicht leisten. "Wir wollen Geld verdienen", sagte O’Leary, "wer nicht für uns arbeiten will, kann gehen". Einen Branchen-Kollektivvertrag lehnt O’Leary ab, der Gewerkschaft Vida empfiehlt er, sich doch um Wizz Air zu kümmern, die die Gewerkschaft nicht anerkenne und keinen Betriebsrat habe.

Die Gewerkschaft reagierte auf die Aussagen O’Learys prompt. Vor allem die Stationierung der vier 737 ist Gewerkschafter Daniel Liebhart ein Dorn im Auge. Das sei ein Umgehungsversuch des Kollektivvertrags, weil das fliegende Personal dieser vier Flugzeuge nicht vom Lauda-Kollektivvertrag erfasst werde. Und es sei ein weiterer Versuch, die Löhne zu drücken und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, so Liebhart. Er fordert weiter einen Branchen-Kollektivvertrag.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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