Wenn sich die Branche um 180 Grad dreht

GlobeAir-CEO Bernhard Fragner stellt sich den "Fünf Fragen" von AviationNetOnline und erwartet, dass es "sowohl in der kommerziellen Luftfahrt wie auch in der Geschäftsluftfahrt zu größeren und länger anhaltenden Verwerfungen kommen wird".

Bernhard Fragner leitet das 2008 gegründete Unternehmen (Foto: GlobeAir).

In der zweiten Episode unserer fünfteiligen "Fünf Fragen"-Serie haben wir uns virtuell mit Bernhard Fragner, dem CEO des österreichischen Business-Jet-Unternehmens GlobeAir unterhalten. Wir stellen bei diesem Format fünf Fragen und geben den Gesprächspartnern die Möglichkeit, ausführlich und schriftlich darauf zu antworten - also ein Mittelding zwischen E-Mail-Interview, Analyse und Kommentar sozusagen.

Neben der Passagierluftfahrt - dazu haben wir unsere ersten "Fünf Fragen" an AUA-CEO Alexis von Hoensbroech gestellt - betrifft die Corona-Krise natürlich auch die Business-Jet-Branche. Zwar sieht man beim Blick auf beispielsweise Flightradar24.com noch vereinzelte Privatjets am Himmel - der Rückgang im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit ist allerdings enorm, wie auch Bernhard Fragner im Gespräch erklärt.

AviationNetOnline: Wie geht es GlobeAir während der Corona-Krise? Profitiert ihr davon, dass es kaum mehr Linienflüge gibt? Oder lässt der Lockdown in weiten Teilen Europas auch die Privatjets am Boden?

Bernhard Fragner: Persönlich bin ich froh, dass mein gesamtes DreamTeam gesund ist und wir auch bis dato noch keinen Infektionsfall bei unseren Office und Maintenance Mitarbeitern sowie innerhalb der Crew hatten. Am Folgetag der Bekanntgabe des bevorstehenden Lockdowns durch unsere österreichische Bundesregierung haben wir eine permanentes COVID-19 Krisenbewältigungsteam ins Leben gerufen, sowie einen Actionplan für unser Unternehmen entwickelt, wie wir für die nächsten Wochen und Monate weiter vorgehen. Das war am 11. März 2020, wird mir wohl ewig in Erinnerung bleiben.

Safety First hat bereits seit Gründung von GlobeAir oberste Priorität und mit diesem Leitsatz schützen wir nicht nur unser gesamtes DreamTeam sondern auch unsere geschätzten Kunden und Partner. Wir haben in diesem Zug ein sehr umfangreiches Maßnahmenpaket eingeführt und umgesetzt welches zum Schutz der Mitarbeiter, Kunden sowie Partner gelten und den Betrieb sehr stabil halten soll.  

Aktuell befindet sich der Großteil des Office und Maintenance Teams sowie unserer Crew in Kurzarbeit. Ein kleines Kernteam zusammen mit unserem Krisenbewältigungsteam sind im Headquarter und halten den Betrieb auf Sparflamme. Mitarbeiter in anderen Bereichen wie Marketing, Einkauf oder Buchhaltung sind zu Hause und arbeiten mittels Home Office die Agenda unter Kurzarbeit ab. Uns ist es wichtig, Marketing und die Kommunikation in voller Stärke nach innen und nach außen weiter aufrecht zu halten. Ebenso haben wir unser Team im Bereich Lufttüchtigkeit und Instandhaltung voll im Einsatz, da wir die Flotte momentan ´hot´ halten. Zur Zeit haben wir 13 Flugzeuge in Linz-Hörsching geparkt und unser Maintenance Team kümmert sich um die Lufttüchtigkeit. Hier bekommen wir von unserem Partner Austrian Aircraft Corporation unter der Leitung von Kurt Traunfellner am Flughafen Linz großartige Unterstützung. Norbert Draskovits vom Linz Airport und sein Team bemühen sich auch sehr uns zu unterstützen. Den Linzer Apron füllt ja aktuell unsere Flotte.

Wir haben mit 17. März 2020 mehr als 80 Prozent des geplanten Umsatzes verloren. Zu Beginn der Ausbreitung des Coronavirus in Europa konnten wir einen auffallenden Aufschwung mit 27 Prozent mehr Buchungen als im Vorjahr verzeichnen, doch nachdem die Reisebeschränkungen und die Epidemie mehr und mehr zunahm, wurden auch die Buchungen signifikant weniger und wir gaben uns große Mühe den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Ab Mitte März haben wir viele Corona-Rückholflüge durchgeführt. Nach und nach wurden die Reisebeschränkungen umfangreicher und somit kam der Flugbetrieb beinahe zum Stillstand. Aktuell führen wir ein bis zwei Flüge pro Tag durch. Diese bestehen großteils aus Sonderflügen, zum Teil mit Regierungsmitgliedern oder diplomatisches Personal sowie noch immer den einen oder anderen Repatriierungsflug. Unser Floating-Base-Model haben wir eingefroren und wir operieren nur mehr aus fünf fixen Stationen raus, welche aktuell Linz-Hörsching (AT), Augsburg (DE), London Biggin Hill (GB), Nizza und Le Bourget (FR) sind. Nach jedem Einsatz kehren wir wieder zum ursprünglichen Start-Flugplatz zurück. Dies vor allem deswegen, um das Infektionsrisiko einzudämmen und damit unsere Crew zu Hause im gewohnten Umfeld übernachten kann.

GlobeAir ist einer der führenden Anbieter für Geschäftsreiseflüge in Europa und setzt dabei auf eine einheitliche Flotte von derzeit 20 Very Light Jets der Marke Cessna Citation Mustang (Foto: GlobeAir).

Richard Koe und Christoph Kohler vom Hamburger Unternehmen WingX, welche Daten und Dashboards über die Luftfahrt bereitstellen, meldeten einen Einbruch der Flugbewegungen von Privatjets jenseits der 70 Prozent für den gesamten April im Vergleichszeitraum zum Vorjahr. Interessanterweise sind die Zahlen über die Flugbewegungen in Europa und USA beinahe ident. Derzeit profitieren wir nicht vom Wegfall der Linienflüge, da die Reisefreiheit quasi nicht mehr existiert. Wir erwarten hier auch keine wesentlichen Änderungen bis Mitte Mai.

Sobald die Restriktionen für den Luftverkehr und grenzüberschreitenden Personentransport schrittweise gelockert werden, erwarten wir eine erhöhte Nachfrage. Diese begründen wir mit der Notwendigkeit, dass Führungskräfte zum Feuerlöschen und Aufräumen zu wichtigen persönlichen Meetings müssen, ebenso die Zweitwohnsitze in den populären Destinationen wie Kroatien, Cote d´Azur oder Sardinien besucht werden wollen. Ergänzend erwarten wir, dass die Airlines einige Strecken spät oder heuer gar nicht mehr operieren werden. Hier sehen wir unsere Chance zumal unser Produkt nicht weit weg vom Business-Class Ticket ist jedoch viele weitere Vorteile wie Flexibilität, Privatsphäre sowie Sicherheit in der Nach-COVID-19-Phase bietet. Mit der staatlichen Unterstützung des Programms für Kurzarbeit und der vorhandenen Liquidität sowie der Unterstützung einiger Geschäftspartner können wir den Betrieb einige Monate auf der aktuellen Sparflamme halten. Mein Team und ich bereiten uns aktuell darauf vor, dass es mit Mitte Mai wieder schrittweise losgeht und wir eine überlebensfähige Geschäftsaktivität im Sommer haben werden.

AviationNetOnline: Gibt es während der Corona-Pandemie im Geschäftsreisebereich besondere Procedures? Werden beispielsweise die Flugzeuge öfter oder anders gereinigt?

Bernhard Fragner: Auf jeden Fall! Wie bereits erwähnt gilt: Safety First! Die Gesundheit unserer Passagiere und Crew haben hier weiterhin höchste Priorität. Ich bin überzeugt, hier gibt es keine Kompromisse. GlobeAir ist rund-um-die-Uhr über den aktuellsten Stand des Coronavirus informiert und kontinuierlichen Maßnahmen zum Thema Hygiene und Desinfektion ausgestattet. Darüber hinaus garantieren wir, dass das Cockpit sowie Kabine nach jedem Flug gereinigt und desinfiziert werden.

Ende März war es etwas schwierig und mit großem Aufwand sowie Kosten verbunden, entsprechende Desinfektionsmittel in ausreichender Menge zu besorgen. Mittlerweile haben sich die Lieferketten wieder stabilisiert und der Nachschub läuft normal. Die EASA und AustroControl haben Richtlinien und Verfahren veröffentlicht, wie der Flugbetrieb in der aktuellen Phase von CoViD-19 funktionieren soll. Diese Verfahren haben wir bei uns im Flugbetrieb implementiert. Seit der Umstellung von unserem Floating-Base-Model auf das Semi-Fix-Base-Model haben wir auf diesen Stationen auch zuverlässige und kompetente Partner, welche die Desinfektionsmaßnahmen am Flugzeug nach dem Flug durchführen.

Wir haben auch spezielle Richtlinien hinsichtlich Crew-Pairing und Übernachtungen der Piloten eingeführt, um das Risiko von Ansteckungen soweit wie möglich zu reduzieren. Es wurde auch sehr schwierig bis unmöglich, Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten für Piloten zu finden. Wir fliegen daher fast immer nach einem Job wieder nach Hause uns bleiben nicht mehr über Nacht bei der Destination des Kunden. Dies erhöht den Logistikaufwand immens. Positiv ist, dass die Kunden volles Verständnis für die erhöhten Kosten und Aufwand haben, da es um das Thema Sicherheit geht.

Der interne Bearbeitungsaufwand der Logistikkette ist auch erheblich gestiegen. Die unterschiedlichen Reisebeschränkungen in ganz Europa verlangen auch wesentlich mehr Papieraufwand und Datenaustausch zu lokalen Behörden, Flughäfen, Botschaften und Polizeidirektionen um das reibungslose Einreisen von Passagieren und Crew zu ermöglichen. Mein Compliance Team leistet hier großartige Arbeit und verfolgt die sich laufend ändernden Auflagen täglich aufmerksam und stellt diese für das gesamte DreamTeam tagesaktuell in einem Briefing zusammen.

AviationNetOnline: Wie sieht es eigentlich mit dem erst vor kurzem neu gelaunchten Ferienflug-Produkt von GlobeAir aus? Steht das in der Warteschleife?

Bernhard Fragner: Jonathan Berdoz, unser verantwortlicher Manager im Bereich Sales und Marketing, und ich sind sehr froh, dass wir Dieter Pammer überzeugen konnten, unser Team zu ergänzen und das Premium Leisure Segment weiter zu entwickeln. Nach den ersten Wochen konnten wir bereits die umfassende Expertise von Herrn Pammer erkennen und er war von Tag eins an der Front aktiv und hat umgehend begonnen, diese neuen möglichen Märkte zu entwickeln.

Die ersten Rückmeldungen waren großartig und vielversprechend. Wir konnten sofort erkennen, dass die Tour Operators ebenso unser Kundensegment bedienen und eine sehr gute Kundenbeziehung pflegen, zu dem unser Angebot rund um deren Reiseplanung eine ideale Ergänzung zum Gesamtbild der Planung ist. Wir werden weiter mit vollem Einsatz diesen für uns neuen Markt erforschen, entwickeln und Schritt für Schritt unser Kundensegment weiter ausbauen. Wir erwarten, dass die Airlines aufgrund der Krise noch länger die klassischen Ferienziele nicht bedienen werden, vor allem auch durch die bleibenden Restriktionen in diesem Bereich.

Im Zuge der Corona-Krise werden auch besondere Reinigungsmaßnahmen durchgeführt (Foto: GlobeAir).

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass zusätzliche Maßnahmen hinsichtlich Abstandhalten und Maskenpflicht in der Kabine kommen, welche wenig motivierend für Airlines und Passagiere sind. Hier ist unser Serviceangebot ideal für jenes Kundensegment, die dennoch die Reisefreiheit und Ferienzeit genießen möchten. Der Kostenvergleich von Privatflug und Business Class zeigt sich mit einer Ersparnis auf Seiten der Gesundheit des Menschen sowie mit Flexibilität und Komfort vielversprechend. Somit kann man bei GlobeAir einen Privatjet Flug für vier Personen von Wien nach Siena (Toskana) bereits ab 5.600 Euro erwerben und bezahlt nur einen minimalen Unterschied zur Business Class. Gemeinsam mit den Experten der Tour Operators stimmen wir uns derzeit intensiv ab und bereiten eine Produktpalette vor, welche wir nach der Aufhebung der Restriktionen aktiv in diesem speziellen Kundensegment anbieten werden. Wir sind überzeugt, dass dieser Bereich ein fester Bestandteil unseres Produktportfolios werden wird und großartiges Potenzial hat. Persönlich bin ich auch überzeugt, dass in Zeiten von Krisen antizyklisch in Marketing und Kommunikation investiert werden soll um diese Kunden aktiv zu erreichen.

AviationNetOnline: Wie lange wird die Luftfahrtbranche (nicht nur die Geschäftsfliegerei) brauchen, bis sie sich wieder auf Vorkrisenniveau befindet? Oder wird es vielleicht überhaupt zu einschneidenden Änderungen in dieser Industrie kommen?

Bernhard Fragner: Ich bin überzeugt, dass die Luftfahrtbranche einer der jenen Bereichen der Wirtschaft ist, die diese Krise am härtesten trifft. Die Prognosen der Branchenorganisationen wie IATA oder NBAA/EBAA sind ziemlich ernüchternd und glaubt man den Prognosen, so sieht es weniger positiv aus und es zeichnet sich die größte globale Krise in der Luftfahrt ab. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass wir Flugbewegungen auf Vorkrisenniveau wohl lange nicht sehen werden. Der Datenbranchendienst WingX prognostiziert basierend auf historischen Daten ein sehr ähnliches und düsteres Bild. Ich habe meine Zweifel, ob diese überhaupt wieder retour kommen werden.

Die Restriktionen sowie die Vorsichtsmaßnahmen bis zum Erreichen einer Herdenimmunität oder der Verfügbarkeit einer flächendeckenden Impfung werden wesentlich die künftige Luftfahrt beeinflussen. Ich kann mir auch vorstellen, dass diese zeitgleichen und wochenlangen Ausgangsbeschränkungen quasi in ganz Europa zu einem Umdenken auf breiter Basis führen werden. Ist es wirklich von persönlichem Mehrwert, um 27 Euro von Wien nach Ibiza für zwei Tage zu fliegen, um dort die Nächte in Clubs zu verbringen?

Weiters denke ich, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht eliminiert ist, sondern maximal durch diese Krise pausiert. Ich habe eine Tochter im Alter von 17 Jahren und in Gesprächen mit ihr und ihren FreundInnen erkenne ich, dass sich diese Generation Y intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und durch die Ausgangsbeschränkung jetzt noch viel mehr Zeit dafür investiert.

Ich vermute, den gesamten Kollateralschaden innerhalb der Luftfahrt werden wir erst in den nächsten Monaten erkennen und dies wird die gesamte Wertschöpfungskette betreffen. Da geht es um den kleinen Zulieferer von Ersatzteilen für den Flugzeugbau bis hin zu den Flugschulen von Piloten. Vermutlich werden wir in wenigen Monaten eine eine große Anzahl an qualifizierte Piloten auf dem Arbeitsmarkt haben. Eine unglaubliche Wendung, vor wenigen Wochen habe ich noch geglaubt, wir werden einen absoluten Pilotenmangel über Jahre sehen. Dies ist auch für mich eine wesentliche Erkenntnis, dass sich innerhalb von Wochen eine gesamte Branche um 180° drehen kann.

Und wir alle wissen heute nicht, ob in Kürze nicht wieder ein neues Virus mit ähnlichem Verhalten auf uns zukommt. In den letzten Monaten haben die Medien und Experten, unter anderem auch AviationNetOnline, laufend von Überkapazitäten und Preisdumping berichtet. Dies gab es nicht nur in der kommerziellen Luftfahrt sondern auch sehr ausgeprägt in der Geschäftsfliegerei. Luftfahrt ist nun mal einfach eine sehr attraktive Branche (sexy), daher akzeptieren wir viele lange Durststrecken und beträchtliche Verluste in der Hoffnung, dass es irgendwann den anderen schon früher erwischen wird und dann wird alles besser. Leider hat sich das noch nie bewahrheitet und auf Hoffnung aufbauend ist somit noch nie ein Geschäftsmodell erfolgreicher geworden.

Daher bin ich überzeugt, dass es nun in der Aufräum- und Comeback Phase eine beschleunigte Konsolidierung geben wird, welche vermutlich gesund ist für die gesamte Branche. Meine Hoffnung ist, dass mehr und mehr Führungskräfte sowie Investoren ihren Fokus auf Zahlenmaterial und Finanzen legen und vertrauen, als nur die Attraktivität der Luftfahrt im Visier haben.

In der Geschäftsfliegerei erwarte ich ähnliche bis gleiche Phänomene wie wir es in der Lehman-Finanzkrise Ende 2008 gesehen haben, allerdings nur viel ausgeprägter. Genau zum Ausbruch dieser Krise haben wir als GlobeAir begonnen und es war eine sehr herausfordernde Zeit. Wir haben aber viel durch diese schwierige Situation lernen können, was uns in Zeiten wie diesen sehr helfen wird. Damals haben wir ein irres Kostenbewusstsein entwickelt und waren von Effizienz getrieben. Dies ist uns bis heute über weite Strecken geblieben. Wir waren getrieben uns ganz genau mit den Zahlen auseinander zu setzen und es gab nur einen Gedanken, jenen zu überleben. Ich bin felsenfest davon überzeugt, zur Zeit genau die gleichen Entwicklungen und Auswirkungen wie in der Finanzkrise zu erkennen, und kann guten Gewissens sagen: “Die Erkenntnisse von damals, werden uns in den kommenden Wochen und Monaten von großem Nutzen sein.”

Unternehmen, vor allem die Mittelständer, werden die eigenen Flugzeuge aus optischen und finanziellen Gründen verkaufen und auf Ad hoc Charter Anbieter wie uns zurückgreifen. Wir werden erneut sehen, dass Kunden der Bedarfsluftfahrt von Mid-Size Flugzeugen auf Entry-Jet umsteigen werden. Wir erwarten auch wieder einen erbitterten Preiskampf. Viele Betreiber von Geschäftsreiseflugzeugen werden Preise anbieten, die nahe an den Grenzkosten der variablen Kosten sind. Dies ist sehr gefährlich und führt mittelfristig direkt in die Insolvenz. Auch Insolvenzen und Konsolidierungen werden wir quer durch Europa wieder verstärkt sehen.

Mein #DreamTeam und unser All-Round-Paket ist genau in diesem Umfeld perfekt aufgestellt. Unser Service ist sehr kosteneffizient, die Flotten und Kostenstruktur erlaubt es uns sehr wettbewerbsfähig zu sein und spricht somit den kostenbewussten Kunden an, der weiterhin die Vorteile der Geschäftsfliegerei nutzen will. Nach fast 20 Jahren in der Luftfahrt traue ich mich zu behaupten, dass es sowohl in der kommerziellen Luftfahrt wie auch in der Geschäftsluftfahrt zu größeren und länger anhaltenden Verwerfungen kommen wird, die neue Herausforderungen an alle in der gesamten Branche, egal welcher Teilbereich, stellen wird.

AviationNetOnline: Wie wird es mit GlobeAir weitergehen? Bleibt es vorerst einmal bei den 20 Flugzeugen oder wird die Expansion weiter betrieben? In welche Richtung könnte sich GlobeAir generell weiterentwickeln?

Bernhard Fragner: Derzeit ist es sehr schwierig einzuschätzen, wie es mit der Bedarfsluftfahrt und mit uns weiter geht. Seit einigen Wochen arbeiten mein Führungsteam und ich an möglichen Szenarien für die Zukunft. Diese Pläne passen wir quasi wöchentlich an. Wir passen diese auf die Verordnungen der einzelnen Europäischen Regierungen über die hoffentlich bald kommenden Lockerungen an. Persönlich finde ich es sehr schade, dass hier kein gemeinsames Vorgehen auf Ebene der Europäischen Union möglich ist. Die Luftfahrt ist nun mal ein internationales Geschäftsmodell und hat mit rein nationalen Beschränkungen sehr stark zu kämpfen. Ich fürchte, diese Intransparenz und Asymmetrien der Restriktionen werden uns für den Rest des Jahres begleiten. Wie bereits erwähnt, werden wir viele Parallelen zu der Finanzkrise 2008 sehen, allerdings viel ausgeprägter.

Unser Service, ad hoc Charter im Entry-Jet Bereich, wird wieder sehr gefragt sein und es uns ermöglichen, weiter zu wachsen. Ebenso erwarten wir erste positive Auswirkungen der Aktivitäten im Premium Leisure Segment von Dieter Pammer in diesem Sommer. Jedenfalls werden wir unserem Flottenkonzept von Very Light Jets treu bleiben. Eine harmonisierte Flotte hat viele Vorteile, die sich in der Kosteneffizienz niederschlagen, welche wir eins zu eins an unsere Kunden weitergeben. Wir haben die letzten Jahre laufend in das Interior und die Außenlackierung investiert. Der Kunde nimmt quasi stets in einer modernen Kabine Platz.

Ein Teil der GlobeAir-Flotte ist derzeit am Flughafen Linz geparkt (Foto: GlobeAir).

GlobeAir hat eine solide Eigentümerstruktur und kein einziges Fremdkapital im Unternehmen. Dies hilft uns auch maßgeblich diese Krise zu meistern. Je nachdem wie der Markt in unserem Segment nach der Krise wächst, wollen wir behutsam auch mit dem Markt mitwachsen. Mit steigender Flottengröße, sofern diese aus einem einzigen Flugzeugtyp besteht, wird die Fixkostendegression stets besser. Der überwiegende Teil der Flotte kommt aus dem Sekundärmarkt. Die Flottenerweiterung passierte immer mit Flugzeugen die eine geringe Flugstundenzahl aufweisen konnten, welche aus einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld herausgekauft wurden. Wir erwarten diese Situation nun auch wieder, dass es dort und da Flugzeuge am Markt geben wird, welche zu einem attraktiven Preis erworben werden können. Wir sind da global sehr gut vernetzt und können somit schnell reagieren.

Die letzten 10 Jahre haben wir unser Geschäftsmodell perfektioniert und uns zum Marktführer in Europa in unserer Nische gemacht. Diese Position sowie unsere Erfahrung aus 2008 erlauben uns, weiter wachsen zu können, auch in Krisenzeiten, wie wir diese nun erwarten. Da wir unsere Prozesslandschaft und Organisationsstruktur eben auf unser spezielles Geschäftsmodell optimiert haben, wollen wir auch keine Experimente in andere Bereiche wagen. Dies sehe ich als zu riskant und bei derartigen Versuchen kann ganz schnell sehr viel Geld falsch investiert werden. Ich habe das nur zu oft in den vergangenen Jahren am Markt gesehen. Mein Team und ich haben auch genau herausgefunden, wo wir unser Angebot und unsere Prozesse noch verbessern können. Daher wollen wir uns weiterhin auf unseren Kernbereich fokussieren. Weiters wissen wir, dass wir noch viel Potenzial und neue Kunden finden können. Aus diesem Grund investieren wir auch weiterhin in unser Marketing und Sales Team. Mein gesamtes Team und ich sehen die Zukunft sehr positiv und sind absolut motiviert das Beste daraus zu machen. Wir sind überzeugt, dass wir stärker aus dieser Krise kommen und viele neue Möglichkeiten wahrnehmen werden.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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