Weiterbetrieb von Tegel-Regierungsterminal kostet Millionen

Hubschrauber des Bundes können vorerst nicht am BER starten.

(Foto: www.AirTeamImages.com)

Das Hauptterminal ist zwar abgenommen, doch schon ist die BER-Posse um das nächste Kapitel reicher: Der Bund wird auch in den kommenden Jahren noch vom Flughafen Berlin-Tegel aus starten müssen – und das wird den Steuerzahler Millionen kosten. Denn: Am neuen Regierungsterminal am BER gibt es nicht genug Platz für die Hubschrauber des Verteidigungsministeriums. Laut Unterlagen, die AviationNetOnline vorliegen, fallen dafür jährlich rund fünf Millionen Euro an – geplant bis 2029.

Luftaufnahme: dl-de/by-2-0

Derzeit stehe am zukünftigen Standort der Flugbereitschaft (am neuen Airport BER) „noch keine geeignete Infrastruktur zur technisch-logistischen Sicherstellung des Flugbetriebes für die in Berlin-Tegel betriebenen Hubschrauber bereit“, heißt es in dem auf Mitte März datierte Papier. Bis zur Fertigstellung der Baumaßnahmen werde der Flugbetrieb mit drei Hubschraubern in Tegel fortgeführt. "Nach 2029 ist der Umzug der Flugbereitschaft in die Zielinfrastruktur am neuen Regierungsflughafen BER vorgesehen."

Was die Behörde unter der "geeigneten Infrastruktur zur technisch-logistischen Sicherstellung des Flugbetriebes" zu verstehen ist, erklärt ein Sprecher der Luftwaffe auf Nachfrage: Am BER sei bislang kein Platz zur Errichtung von Wartungs- und Instandsetzungshallen. Der Flughafenbetreiber FBB hatte das vorrübergehende Interimsterminal für den Regierungsverkehr bereits im Herbst 2018 an den Bund übergeben – Kostenpunkt 70 Millionen Euro.

Eigentlich sollte direkt neben dem Provisorium anschließend das künftige Haupt-Regierungsterminal entstehen. Doch weil sich die BER-Eröffnung immer wieder verzögerte, konnte mit dem Bau nicht begonnen werden. Doch das wird erst 2032 angegangen. Denn die veranschlagten Kosten waren von den ursprünglich geplanten 299 Millionen Euro auf 344 Millionen Euro gestiegen. Hinzu kommt: Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" wäre die Abfertigungskapazität am BER von 13 auf neun Millionen Passagiere pro Jahr gesunken, hätte man das Bauvorhaben ab 2021 realisiert.

Der Bund hatte zudem Alternativen zur Tegel-Offenhaltung im Auge. So wurde unter anderem eine Verlegung an den brandenburgischen Flugplatz Holzdorf (Schönewalde) geprüft. Doch dagegen sprachen "operationelle Gründe" und: "Zudem wurden durch die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH die Fertigstellungszeitpunkte für den Regierungsflughafen BER schrittweise verschoben, was eine abschließende Alternativplanung nicht ermöglichte."

Fläche geht nicht wie geplant an Berlin über
Die Entscheidung, die Flugbereitschaft in Tegel über Jahre hinweg weiterzubetreiben, hat der Bund laut der Unterlagen ohne Rücksprache mit dem Land Berlin getroffen. Beobachter erstaunt dies, denn mit dem Hauptstadtfinanzierungsvertrag 2017 war vereinbart worden, dass die Fläche des Airports Tegel mit der Schließung des Zivilflughafens an das Land verkauft werden soll. Daran hält der Bund weiter fest – doch: "Eine vorzeitige Abgabe von Liegenschaftsteilen des militärischen Bereiches Tegel Nord vor Verlegung an den BER ist aktuell nicht vorgesehen." Die Nachnutzung Tegels durch städtebauliche Projekte sei nicht beeinflusst, heißt es.

Der Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar begleitet die Tegel-Diskussion in seiner Heimatstadt seit Jahren. Er findet deutliche Worte für die neuen Entwicklungen: "Es ist vollkommen gedanken- und planlos, dass sich die Bundesregierung extra einen eigenen Übergangsterminal inklusive Vorfeld am neuen Hauptstadtflughafen BER bauen lässt, um dann zu bemerken, dass da gar kein Platz für die eigenen Hubschrauber ist", konstatiert er im Gespräch mit unserer Redaktion. Ihn mache es "sprachlos, dass die Bundesregierung scheinbar nicht weiß, wie viel Platz sie für ihre Fluggeräte braucht und den Steuerzahlern so Mehrkosten von 45 Millionen Euro bis 2029 aufbrummt".

Stefan Gelbhaar. Foto: Erik Marquardt

Der Flughafen Tegel soll Anfang November endgültig stillgelegt werden – kurz nachdem am BER beide Start- und Landebahnen in Betrieb gehen. Aktuell sieht es aber so aus, als wenn Tegel bereits zwischen Juni und August wegen des Corona-bedingten Einbruchs der Passagierzahlen schließt – sofern der Bund als Gesellschafter des Airportbetreibers nicht noch Einspruch erhebt.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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