VKI startet Aktion gegen AUA- und Lauda-Zwangsgutscheine

Carrier versuchen Passagieren das Recht auf Rückzahlung des Ticketpreises zu verwehren.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Können Fluggesellschaften gebuchte Flüge nicht durchführen, so haben Passagiere in jedem Fall das Recht auf eine vollständige Rückzahlung des Ticketpreises inklusive Steuern und Gebühren. Die Rechtslage ist in Österreich eigentlich ganz klar, wird jedoch derzeit von den Airlines regelrecht mit Füßen getreten, da diese versuchen ihre Kunden mit Gutscheinen und/oder Umbuchungen abzuspeisen. Wer dennoch auf die Erstattung seines Geldes pocht, ist einem regelrechten Spießroutenlauf ausgesetzt und selbst die Zusage einer Auszahlung führt nicht zwangsläufig dazu, dass das Geld auch tatsächlich fließt.

Wie frech selbst der Geschäftsführer von Austrian Airlines, Alexis von Hoensbroech, in der Öffentlichkeit mit dem Rückzahlungsanspruch umgeht, zeigte eine Äußerung in einem Fernsehinterview mit dem österreichischen Rundfunk. Man könne Flugtickets für den Sommer buchen und falls man nicht fliegen könne, würde es halt einen Gutschein geben, so der Manager. Doch auch die Mitbewerber Lauda, Level, Eurowings und Wizzair versuchen derzeit ihre Kunden mit Vouchers zu vertrösten. Wer auf sein gesetzliches Recht pocht, ist einem regelrechten Spießroutenlauf ausgesetzt.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hält die Praxis, die insbesondere Austrian Airlines und Lauda derzeit an den Tag legen, für untragbar und rechtswidrig. „Grundsätzlich ist die Rechtslage klar: Findet der Flug nicht statt, haben betroffene Kunden laut EU-Recht einen Anspruch auf Rückerstattung des vollen Ticketpreises. Die von den Fluglinien derzeit gerne angebotenen Gutscheine und Möglichkeiten zur Umbuchung auf ein späteres Flugdatum müssen nicht akzeptiert werden. Der VKI unterstützt ab sofort Konsumentinnen und Konsumenten kostenlos bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche bezüglich der Rückzahlung des Ticketpreises bei den Fluggesellschaften Austrian Airlines (AUA) und Laudamotion. Betroffene können sich unter www.verbraucherrecht.at/flugstorno2020 beim VKI melden. Die Aktion ist vorerst bis 31. Mai 2020 befristet“, so der VKI in einer Aussendung. „Seit Mitte März 2020 ist der Flugverkehr eingestellt. In derartigen Fällen entfällt die Zahlungsverpflichtung der betroffenen Konsumentinnen und Konsumenten. Sie haben das Recht, für stornierte Flüge den vollen Ticketpreis zurückzubekommen und müssen daher weder einen Gutschein akzeptieren, noch einer Umbuchung des Fluges zustimmen.“

Auf eine Anfrage einer Konsumentin schreibt Austrian Airlines laut VKI etwa: „Ihre Tickets, […], können nun bis 31. August 2020 ruhend gestellt werden. Der aktuelle Ticketwert bleibt dabei bestehen. Bis zu diesem Datum haben Sie Zeit, ein neues Abflugdatum bekannt zu geben. Die neue Reise muss bis 31. Dezember 2020 gestartet werden, auch die Destination kann im Rahmen dieser Kulanzregelung gebührenfrei geändert werden.“ Weiters: „Bei Lauda wird nach Schilderungen von Betroffenen zwar die Rückerstattung des stornierten Fluges angeboten. Folgen sie dann den Anweisungen auf der Homepage, werden sie im Kreis geführt und landen schließlich bei der Telefonhotline, die aufgrund der Vielzahl an Anfragen total überlastet ist.“

„Es steht betroffenen Konsumentinnen und Konsumenten natürlich frei, einen Gutschein oder eine Umbuchung des Fluges zu akzeptieren“, betont Ulrike Wolf, Leiterin der Abteilung Aktionen des VKI. „Bestehen Kunden allerdings auf die Rückerstattung des Ticketpreises, sind Fluglinien nach Artikel 8 der europäischen Fluggastrechte-Verordnung dazu verpflichtet, binnen 7 Tagen den vollständigen Ticketpreis zurückzuzahlen. Die derzeitige Vorgehensweise der genannten Fluglinien ist folglich inakzeptabel. Deshalb bietet der VKI ab sofort allen Betroffenen, die einen Flug bei AUA oder Lauda gebucht haben und das Geld für den Ticketpreis zurückverlangen, eine kostenlose Unterstützung zur Durchsetzung ihrer Ansprüche an.“ Betroffene können sich unter www.verbraucherrecht.at/flugstorno2020 melden. Die Aktion ist vorerst bis 31.05.2020 befristet.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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