Vida: Ryanair- und Eurowings-Wetlease "nicht vergleichbar"

Lauda lässt vier Boeing 737-800 von der Muttergesellschaft betreiben, Austrian Airlines vier Airbusse von Eurowings Europe.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Im Nachgang der Präsentation des Lauda-Sommerflugplans 2020 bezeichnete die Gewerkschaft Vida die Stationierung von vier Ryanair-Boeing 737-800 am Flughafen Wien als „Lohndrückerei“ und „Sozialdumping“. Unmittelbar danach wurde auch bekannt, dass Eurowings Europe vier Flugzeuge im Auftrag von Austrian Airlines betreiben wird.

Da die Löhne bei Eurowings Europe niedriger sind als jene bei der AUA war es durchaus verwunderlich, dass sowohl der Betriebsrat als auch die Gewerkschaft Vida dazu schwiegen. Auch waren bei Austrian Airlines bis zuletzt zwei Bombardier CRJ-900, betrieben von Adria Airways im Einsatz. Der insolvente Carrier bezahlte dem Personal, das unter anderem auch auf im Auftrag der AUA durchgeführten Flüge im Einsatz war, die Gehälter für August und September nicht mehr. Auch dazu gab es keine wortgewaltige Aussendung der Vida.

Damit konfrontiert sagte Daniel Liebhart: „Im Unterschied dazu nutzte Ryanair bereits das Wettlease-Konstrukt um den Mitarbeitern damit zu drohen: Wenn der Betriebsrat nicht eine rechtlich fragwürdige Vereinbarung unterzeichnet, würde eine gewisse Anzahl an Piloten gekündigt werden und durch Boeing 737 betrieben von Buzz ersetzt werden. Gespräche mit dem Betriebsrat über den jetzigen Wettlease gab es auch keine. Das Gesamtbild unter welchen Rahmenbedingungen und Mitgestaltungsmöglichkeiten so ein Wettleasing eingesetzt wird, macht den Unterschied. Dazu kommt, dass selbst wenn es stimmt, dass Lauda keine Piloten findet, man sich fragen muss, warum eigentlich nicht? Zusätzlich muss man auch die Frage stellen, warum derzeit so viele Lauda-Piloten gerne den Dienstgeber wechseln würden. Lauda hat durch seine Personalpolitik der letzten Wochen jegliche Attraktivität als Arbeitgeber eingebüßt, so dass ein eventueller Personalmangel hausgemacht wäre.“

Der Gewerkschafter räumte auch ein, dass es Gehaltsunterschiede zwischen Eurowings Europe und Austrian Airlines gibt. Das bedeutet, dass das Personal der Schwestergesellschaft weniger bezahlt bekommt als ihre Kollegen bei der AUA und das obwohl in Zukunft auch auf OS-Flügen geflogen wird. Doch auch innerhalb der Eurowings-Gruppe soll es bei der Bezahlung Unterschiede geben, wie Liebhart erklärt: „Die Einstiegsgehälter sind z.T. nicht so weit auseinander. In den ersten acht Jahren gibt es einen größeren Gap lediglich bei den Kapitänen. Nachdem die Eurowings noch ein junges Unternehmen ist, sind die Arbeitnehmer noch eher in den unteren Gehaltsgruppen angesiedelt. Aber damit vergleicht man teilweise auch Äpfel mit Birnen. Natürlich haben Sie Recht, dass die Arbeitsbedingungen bei der AUA die besseren sind, obwohl z.B. die Gehälter noch immer unter jenen von Eurowings Deutschland liegen. Dementsprechend kritisch wird natürlich auch von uns dieser Wettlease beurteilt. Hierzu befinden wir uns derzeit in einem sehr regen Austausch mit dem Management von AUA und Eurowings Unternehmen. Diese Gespräche laufen gerade und daher gibt es von uns auch derzeit keinen Grund, dieses Vorgehen öffentlich zu kritisieren.“

Allerdings wäre es der Gewerkschaft Vida am liebsten, wenn es im Regelfall keine Wetlease-Konstruktionen geben würde. Daniel Liebhart dazu: „Generell sind wir nur sehr bedingt Sympathisanten von Wettlease-Modellen (in Ausnahmefällen kann es auch gute Gründe dafür geben). Als Sozialpartner ebenso wie die Betriebsräte, sind wir aber immer bemüht, gute Lösungen für die ArbeitnehmerInnen und Unternehmen zu finden. Die Vorgehensweisen zwischen Ryanair und Lufthansa sind aus unserer Sicht nicht vergleichbar, was auch der Grund dafür ist, dass wir zu dem einen Unternehmen uns öffentlich gemeldet haben. Bei dem anderen Unternehmen stehen wir nach wie vor in Gesprächen mit der Geschäftsführung zu diesem Thema.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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