Vida: Lauda und WKO zu keinem Kompromiss bereit

Gewerkschaft in moralische Zwickmühle getrieben: "Schäbigen KV" unterschreiben oder alle Jobs gehen verloren?

Foto: Jan Gruber.

Die Gewerkschaft Vida versucht derzeit mit der Wirtschaftskammer Österreich einen Kompromiss, der zum Erhalt der Lauda-Basis Wien führen soll, zu verhandeln. Doch in einem Anschreiben an die Mitglieder dämpfen Fachgruppenchef Daniel Liebhart und sein Kollege Philip Gastinger die Hoffnungen, denn die WKO und das Lauda-Management sollen gar nicht zu bereit sein einen Kompromiss zu finden. Zusammenfassend stellt sich die Situation offenbar so dar, dass nur die Wahl zwischen dem Unterschreiben des von der Ryanair-Tochter geforderten Dokuments und der Schließung der Base samt Kündigungen steht. Einen Kompromiss wollen demnach weder WKO noch Lauda-Management eingehen.

„Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hat uns gestern Abend mitgeteilt, dass es ihrerseits keinerlei Verhandlungsspielraum mehr wegen des vom Management verlangten neuen KV mit deutlich schlechteren Bedingungen für euch gibt. Es ging von Anfang an weder dem Laudamotion-Management noch der WKÖ darum, ernsthafte Verhandlungen wegen KV-Verbesserungen mit uns zu führen. Ganz im Gegenteil, wie die mehrfachen erpresserischen Ultimaten an euch und uns gezeigt haben: Es sollte lediglich Druck ausgeübt werden, um deutlich schlechtere Gehalts- und Arbeitsbedingungen zu akzeptieren“, schreiben Gastinger und Liebhart an ihre Mitglieder. Der Brief beginnt übrigens mit den Worten „wir haben leider eine traurige Nachricht“.

Die Gewerkschaft Vida befindet sich nun in einer moralischen Zwickmühle, wie aus nachstehendem Absatz des Briefs sehr deutlich wird: „Nehmen wir das schäbige Dumping-Angebot der WKÖ und eures Managements an, würden wir in Österreich alle sozialen Fortschritte (u. a. 13. und 14. Monatsgehalt, bezahlte Überstunden), wofür Generationen an ArbeitnehmerInnen gekämpft haben, über Bord werfen müssen. Nehmen wir das „Angebot“ nicht an, wird der Lauda-Standort in Wien geschlossen. Dass es keinen dritten Weg eines Kompromisses geben wird, das wurde uns eindeutig und unmissverständlich von der WKÖ kommuniziert.“ Eine Entscheidung wie es nun weitergehen wird ist nicht gefallen. Die neue „Dealine“ des Lauda-Managements endet am Donnerstagabend.

Gegen die Wirtschaftskammer werden ebenfalls harte Vorwürfe erhoben: „Unsere Bundesregierung hat am Beginn der Covidkrise versprochen, dass niemand zurückgelassen wird. Wie jeder weiß, gehört der Präsident der WKÖ zum Kreis der engsten Vertrauten von Bundeskanzler Kurz, der uns allen dieses Versprechen gab. Wir haben WKÖ-Präsident Harald Mahrer immer in die Mail-Verteiler während der Verhandlungen mit der WKÖ aufgenommen. Nachdem er diesem unwürdigen Schauspiel kein Wort entgegengehalten hat, müssen wir davon ausgehen, dass er die Verschlechterungen für euch ebenso befürwortet. Es geht der WKÖ und dem Management ganz offensichtlich darum, die Covidkrise dazu zu nutzen, die arbeitenden Menschen zu brechen und Working-Poor-Niveaus, wie wir sie aus den USA kennen, auch in Österreich einzuführen.“

Die Negativ-Punkte des von Lauda gewünschten Kollektivvertrags werden wie folgt ausführlich erklärt: „Es ist empörend und erbärmlich zugleich, wie die Wirtschaftskammer und Laudamotion mit einem Taschenspielertrick das Gehalt der FlugbegleiterInnen über die Höhe der Mindestsicherung zu heben versuchen, um so uns alle und die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen. Der vorgelegte Vertrag sieht klar 14.000 Euro brutto 14 Mal im Jahr vor. Darin ist festgehalten, dass dies 1.000 Euro brutto pro Monat ergibt. Nun spielen sie aber 1.020 Euro netto pro Monat vor, jedoch nur 12 Mal im Jahr. Brutto sind dies 1.200 Euro und ergeben jährlich wiederum nur 14.400 Euro brutto. Management und WKÖ haben somit nichts anderes gemacht, als den ArbeitnehmerInnen das Weihnachts- und Urlaubsgeld zu rauben, um 12 Mal im Jahr ein Gehaltsniveau über der Mindestsicherung vortäuschen zu können! Die garantierten Gehälter liegen selbst mit diesem Trick unter der Armutsschwelle und wenn es ohne Rechentricks betrachtet wird, auch unter der Mindestsicherung. Auf die rechtswidrigen Klausen und Bestimmungen, die im Widerspruch zu einem sicheren Flugbetrieb stehen, wird von der WKÖ erst gar nicht eingegangen. Unsere klare Botschaft lautete dazu stets, es darf keine Mindestlöhne unter der Armutsgrenze in Österreich geben. Auch für eine Abschaffung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind wir nicht zu haben. Im Unterschied zur WKÖ und eurer Geschäftsführung werden wir auch keine widerrechtlichen Regelungen in einem Kollektivvertrag akzeptieren.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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