Verspätungen: Out of Control?

Der Streit über die Ursache der teils massiven Flugverspätungen geht auch heute weiter. Die Austro Control hat die Zahl der Flüge neuerlich limitiert, AUA und Flughafen Wien sprechen vornehm von Unverständnis.

Flughafen Wien (Foto: Thomas Ramgraber).

18 statt 48 Flüge pro Stunde, neuerlich hat die Austro Control heute Vormittag für 3 Stunden die Anflugrate deutlich reduziert. „Austro Control konterkariert damit alle Bemühungen, die Situation nach dem katastrophalen Vorjahr zu verbessern, sagt Flughafen-Vorstand Günther Ofner. Sein Vorstandskollege Julian Jäger ergänzt: „die durch Austro Control verursachten Verspätungen haben sich heuer verdoppelt.“ Verbessert habe sich aber die Situation bei Verspätungen mit langer Dauer und bei Flugausfällen. Klar sei aber, das Gesamtsystem sei durch die Situation bei Austro Control belastet, es gebe dringenden Handlungsbedarf. 

Austro Control hat gestern beschwichtigt. „Man habe die Verspätungssituation gegenüber dem Vorjahr stabil halten können“, sagt Sprecher Markus Pohanka, „und das trotz der angespannten Gewittersituation wie auch des zusätzlichen Flugverkehrs. Die Situation bei den Lotsen komme zwar an ihre Grenzen, man versuche aber auch kurzfristig die Situation zu verbessern.“ 

AUA CEO Alexis von Hoensbroech zeigt sich jedenfalls verärgert: „Die österreichische Flugsicherung verursachte im Juni 2019 auch absolut betrachtet die meisten Verspätungsminuten in ganz Europa.“ 

Tatsächlich war die Austro Control, nach einer Statistik von Eurocontrol, im Juni die Flugsicherung mit den größten Verspätungen mit 487.000 Verspätungsminuten. Mehr als vier Mal soviel wie im Juni 2018. im ersten Halbjahr waren es 824.000 Verspätungsminuten, rund  300.000 dieser Minuten haben laut Statistik das Wetter als Ursache, 136.000 Minuten Personalgründe und 335.000 Minuten die überfüllten Lufträume. 

Im Vorjahr, 2018, hat es rund 19 Millionen Minuten oder 36 Jahre an Flugverspätungen gegeben. Zum größeren Teil durch die Fluglotsenengpässe aber auch -streiks verursacht worden sind. Da sind sich eigentlich alle einig. Damit sich das nicht wiederholt, hat der Flughafen interne Abläufe optimiert, etwa beim Handling, und 100 zusätzliche Beschäftigte eingestellt. Die AUA hat ebenfalls interne Vorkehrungen getroffen sowie zwei Ersatzflugzeuge bereitgestellt. Bei der Lufthansa sind es mehr als 30 Ersatzflugzeuge. Diese Investitionen drohen nun, wie auch die Passagiere, auf der Strecke zu bleiben. Lösung scheint keine in Sicht. Was (vorerst) bleiben wird, ist das Hick Hack über die Schuld an den Verspätungen. Da läuft das Match jeder gegen jeden, Spielteilnehmer sind AUA, Austro Control, Flughafen Wien und auch die Gewerkschaft.

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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