Verdi wird Lauda-Eckpunktepapier nicht unterschreiben

Deadline abgelaufen.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Im Ringen um die Zukunft der Lauda-Bases Düsseldorf und Stuttgart bahnt sich an, dass die Gewerkschaft Verdi das Eckpunktepapier für den Tarifvertrag nicht unterschreiben wird. Hintergrund ist, dass eine von den Arbeitnehmervertretern durchgeführte Befragung eine sehr deutliche Ablehnung ergeben hat. Das Unternehmen führte selbst eine Abstimmung durch und in dieser wurde das Eckpunktepapier mehrheitlich angenommen. Diese Diskrepanz gibt auch Verdi ein Rätsel auf.

Fast täglich wenden sich die Geschäftsführer David O’Brien und Andreas Gruber an die Beschäftigten in Deutschland und ersuchen diese um Zustimmung zum neuen Tarifvertrag. Dies wäre die einzige Möglichkeit um die beiden Bases offen zu halten. In den jüngsten Rundschreiben ist allerdings auch eine sehr unterschiedliche Akzeptanz in Düsseldorf und Stuttgart festzustellen. Laut vorliegenden Anschreiben der Lauda-Geschäftsleitung sollen in NRW rund 60 Prozent der Kapitäne, 66 Prozent der Co-Piloten und 70 Prozent des Kabinenpersonals ihre Zustimmung erteilt haben. Das Unternehmen will allerdings 80 Prozent in allen drei Gruppen erreichen. In Stuttgart ist die Lage anders: Dort sollen 50 Prozent der Co-Piloten, 70 Prozent der Flugbegleiter, jedoch nur 3 Kapitäne zugestimmt haben. Laut dem Schreiben werden in Baden-Württemberg insgesamt 15 Kapitäne beschäftigt.

Die Gewerkschaft Verdi präsentiert gänzlich andere Zahlen. Aus einer Mitgliederinformation geht hervor, dass 86 Prozent des Lauda-Personals, das sich an der von den Arbeitnehmervertretern organisierten Befragung beteiligte, das Eckpunktepapier abgelehnt haben soll. Dieser Wert führt nun auch dazu, dass Verdi dem Unternehmen mitteilte, dass man sich nicht im Stande sieht das Dokument zu unterschreiben. Der Widerstand der Belegschaft wäre viel zu groß. Verdi schreibt auch, dass manche Lauda-Beschäftigte gegenüber der Gewerkschaft gesagt hätten, dass sie ihre Zustimmung nur erteilt hätten, weil sie Angst gehabt haben andernfalls fristlos entlassen zu werden.

Die Gründe der Ablehnung fasst Verdi wie folgt zusammen: “1. das niedrige Gehaltsniveau - einige Kapitäne verlieren mehr als 30% ihres Einkommens und viele Kabinenbesatzungen laufen Gefahr, den Mindestlebensstandard nicht zu erreichen, 2. die Ungewissheit über die Zukunft der deutschen Stützpunkte, auch wenn eine Einigung erzielt werden sollte.” Weiters ist zu lesen: “Es wird eine große Diskrepanz zwischen unseren Ergebnissen und den Ergebnissen von Lauda geben. Denn viele Kabinenbesatzungen gaben an, dass sie unterschiedliche Antworten gegeben haben, weil sie aus Angst vor einer fristlosen Entlassung nicht ehrlich zum Unternehmen sein konnten. Dies ist ein empörender, klarer Beweis für die ungerechte Unternehmenskultur von Lauda! Auf der Pilotenseite ist auch deutlich, dass es keine überwältigende Mehrheit für diese Vereinbarung gibt: Viele Piloten finden die vorgeschlagene Vereinbarung völlig inakzeptabel, während andere um ihre Arbeitsplätze fürchten und bereit sind, Lohnkürzungen und schlechtere Bedingungen zu akzeptieren.”

Die Lauda-Geschäftsleitung teilte in mehreren Rundschreiben mit, dass es keine nochmalige Verlängerung der Deadline, die am Donnerstag um 17 Uhr 00 abgelaufen ist, geben wird. Fallen die Unterschrift von Verdi und/oder die gewünschte 80-prozentige Zustimmung der Mitarbeiter aus, soll die Schließung der Bases Düsseldorf und Stuttgart zum 31. Oktober 2020 eingeleitet werden. Firmenchef Andreas Gruber äußerste sich auf Anfrage nicht dazu, ob die deutschen Standorte nun endgültig geschlossen werden oder nicht. Verdi hingegen stellte klar, dass man an einer Fortführung interessiert ist, jedoch vom Unternehmen akzeptable Konditionen erwartet.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, mit der Lauda erst gar nicht verhandeln will, kritisierte das Verhalten der Geschäftsleitung ebenfalls. Eine klare Empfehlung zur Zustimmung oder Ablehnung gab man allerdings nicht. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er “das Spiel mitspielt oder nicht”. Das Unternehmen würde in “perfider Art und Weise” die Corona-Krise ausnützen, um “unter Aufrechterhaltung der Drohkulisse Stationsschließung eine erhebliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen abzunötigen”.

“Man hat den gleichen Weg wie in Wien versucht. Jedoch sind wir ruhig geblieben und der Aufruhr gegen die Gewerkschaft - Verdi konnte es alleine schon wegen Rechtswidrigkeiten analog zur Vida nicht unterschreiben - fand zum Argwohn der Firma nicht statt. Letztendlich haben in Stuttgart und Düsseldorf einige Kollegen trotz des hohen Kündigungsrisikos diesen Versklavungsvorschlag fernab der Rechtsnormen nicht unterschrieben. So auch ich. Wir werden im Falle von zu erwartenden Repressalien in Deutschland den Rechtsweg bestreiten. Alle anderen Sprachen wollen die nicht verstehen”, so ein deutscher Lauda-Pilot.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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