Unaufschiebbare Auslandsaufenthalte: Vieles zu beachten bei der Wiedereinreise

Sofern beispielsweise die Teilnahme an einem Begräbnis im engsten Familienkreis im Nachbarland überhaupt gestattet wird, muss man einiges beachten, um in Österreich eine 14-tägige Quarantäne vermeiden zu können.

Foto: Pixabay / Reinhard Thrainer.

Die Corona-Pandemie brachte eine in Europa schon seit Jahrzehnten nicht mehr bekannte Situation und zwar geschlossene Grenzen und äußerst strenge Einreisebestimmungen. Das Abkommen von Schengen machte es möglich, dass ohne jegliche Kontrollen fast ganz Europa ohne polizeiliche Pass- und Zollkontrollen bereist werden konnte. Fällt man nicht unter eine der wenigen Ausnahmen, so ist derzeit nicht einmal ein kurzer Einkaufsbesuch in den Nachbarländern Österreichs möglich.

Jeder Staat hat derzeit seine eigenen COVID-19-bedingten Einreisebestimmungen, die eklatant voneinander abweichen und den Reiseverkehr zum nahezu vollständigen Erliegen gebracht haben. Sofern eine Einreise in Nachbarländer überhaupt möglich ist, ist umgekehrt auch im Auge zu behalten, dass bei der Rückkehr nach Österreich eine 14-tägige Quarantäne „blühen“ könnte. Sofern man nicht unter eine der wenigen Ausnahmen fällt, kann diese nur durch die Vorlage eines Gesundheitszeugnis, in dem ein berechtigter Arzt bescheinigt, dass keine COVID-19-Erkrankung vorliegend ist, ohne Quarantäne einreisen.

Österreich ist damit im direkten Vergleich mit den Nachbarstaaten sehr locker, denn eine von AviationNetOnline durchgeführte Nachfrage bei den Botschaften ergab, dass ein solches Gesundheitszeugnis bei der Einreise in die Nachbarländer derzeit rein gar nichts wert ist, lediglich bei der Rückkehr nach Österreich. Über die derzeitigen Vorschriften der direkt angrenzenden Staaten wird auf Grundlage der von den Botschaften zur Verfügung gestellten Informationen separat berichtet.

Manche Staaten, darunter beispielsweise die Schweiz und Slowenien gestatten zusätzlich zu anderen Ausnahmen die Einreise mit einem besonders wichtigen Grund. Es muss sich dabei um ein äußerst bedeutsames und unaufschiebbares Ereignis handeln. Beispielsweise kommt hierfür ein Begräbnis eines nahen Angehörigen in Frage, wobei entsprechende Nachweise zu erbringen sind. Allerdings sind nicht alle Nachbarstaaten so verständnisvoll, denn beispielsweise Ungarn gestattet nach Angaben der Botschaft die Einreise nicht, ausgenommen eine ungarische Staatsbürgerschaft besteht.

Das österreichische Außenministerium teilte gegenüber AviationNetOnline mit, dass auch weiterhin generell von Auslandsreisen abgeraten wird. Sollte es sich um einen unaufschiebbaren wichtigen Reisegrund handeln, so wird dringend empfohlen rechtzeitig vorher mit der Botschaft des Ziellandes in Kontakt zu treten und dort die Einreisebestimmungen zu erfragen. Selbige Empfehlung sprachen auch die Botschafter der Österreich umgebenden Ländern in Gesprächen mit AviationNetOnline aus.

Unaufschiebbare Reisen ins Ausland sollten daher wie folgt evaluiert werden:

-          Zunächst ist zu prüfen, ob der Grund der Reise nicht doch verschiebbar ist, denn dies ist angesichts der momentanen Situation jene Variante, die vom österreichischen Außenministerium und den Botschaften der Nachbarländer dringend empfohlen wird.

-          Ist dies nicht möglich, da beispielsweise ein Todesfall im engsten Familienkreis vorliegt und somit die Teilnahme am Begräbnis eine persönliche Herzensangelegenheit ist, sollte unverzüglich die Botschaft des Ziellandes kontaktiert werden. Nur diese ist dazu befugt Auskünfte zu erteilen, ob eine Einreise aus einem solch wichtigen Grund möglich ist, welche Auflagen und beachten sind und insbesondere welche Dokumente bei der Grenzkontrolle vorgelegt werden müssen. Zu beachten ist auch folgender Umstand: Müssen weitere Länder durchfahren werden, so sind die Transitbestimmungen ebenfalls bei den jeweiligen Botschaften vorab zu erfragen, denn einige Staaten lassen überhaupt keine privaten Transitfahrten zu. Diese sind in vielen Ländern dem internationalen Warenverkehr, sprich LKW-Fahrern, Lokführern und ggfs. Bediensteten in der Luftfahrt vorbehalten.

-          Wenn alle notwenigen Informationen bei den diplomatischen Vertretungen eingeholt sind, gilt es zu beachten, dass die Rückkehr nach Österreich ebenfalls an einige Bedingungen geknüpft ist. Ist man in der Lage eine 14-tägie Heimquarantäne zu absolvieren, so ist die Beschaffung eines COVID-19-Gesundheitszeugnisses entbehrlich. Kann man diese – beispielsweise aus beruflichen Gründen – nicht einhalten, so ist dringend zu empfehlen, dass ein solches vor der Abreise in Österreich oder im Zielland besorgt wird. Achtung: Dieses darf bei der Wiedereinreise keinesfalls älter als vier Tage sein, ansonsten ist das Dokument faktisch wertlos.

-          Generell empfehlen die Botschaften der Nachbarländer, dass die im jeweiligen Land bestehenden COVID-19-Schutzmaßnahmen unbedingt beachtet werden müssen. Um eventuelle Strafen oder gar Quarantäne-Maßnahmen vermeiden zu können, empfiehlt es sich dringend sich gleich im Zuge der Kontaktaufnahme mit der diplomatischen Vertretung auch über diese zu informieren. Die Botschaften sind in diesem Zusammenhang die einzige wirklich verlässliche Informationsquelle. Daher im Zweifelsfall immer vorab die jeweilige Botschaft telefonisch oder per E-Mail kontaktieren. Die Botschafter und Gesandten können auch verbindliche Auskünfte darüber erteilen, ob unter besonders wichtigen Umständen eine Sondergenehmigung beantragt werden kann oder nicht.

-          Es ist auch in emotionalen Ausnahmesituationen dringend davon abzuraten, dass ein illegaler Grenzübertritt, beispielsweise über einen Feldweg, versucht wird. Dies wäre eine Straftat, die in manchen Nachbarländern mit mehrjährigen Haftstrafen enden kann. Auch in Österreich würde dies zu massiven Unannehmlichkeiten führen. Bevor ein solcher Schritt überhaupt angedacht wird, sollte daher unbedingt mit der Botschaft gesprochen werden, denn in absoluten sozialen Härtefällen wie dem Tod eines nahen Angehörigen, wird keine Botschaft schroff abweisen, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen, sei es auch nur die Anfrage weiterzuleiten. Im Zweifel: Die Botschaft fragen was möglich ist. 

Für die Wiedereinreise nach Österreich ist – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – ein COVID-19-Gesundheitszeugnis, aus dem hervorgeht, dass man nicht erkrankt ist, notwendig. Andernfalls muss man 14 Tage in Heimquarantäne. Doch die Informationen, die auf den Homepages der österreichischen Bundesregierung zu diesem Dokument zu finden sind, sind äußerst spärlich und werfen zum Teil sehr viele Fragen auf. Im Zuge der Recherchen ergab sich auch, dass die Zuständigkeiten von Gesundheits-, Außen- und Innenministerium teilweise überlappend sind und so war es nicht verwunderlich, dass die Behörden wiederholt auf die jeweils andere Zuständigkeit verwiesen haben.

Besonders die Formulierung „berechtigter Arzt“ wirft durchaus die Frage auf welche Mediziner zur Ausstellung eines COVID-19-Gesundheitszeugnis befugt sind. Das Gesundheitsministerium stellte gegenüber AviationNetOnline klar: „Es kann sich um jedweden zur selbstständigen Berufsausübung berechtigten Arzt handeln.“ Dabei spielt es auch keine Rolle, ob dieser in Österreich oder im Ausland approbiert ist.

Eine weitere wichtige Fragestellung, die dieser Tage immer wieder aufkommt: Verfällt dieses Dokument nach der Ausreise aus Österreich und muss dann im Nachbarland erneut erlangt werden? Nein, sofern das Attest bei der Wiedereinreise nicht älter als vier Tage ist, kann es verwendet werden. Das Gesundheitsministerium stellt hierzu klar: „Das Gesundheitszeugnis muss bei Wiedereinreise vorgelegt werden, kann aber schon vor Ausreise oder erst im Ausland ausgestellt worden sein.“

Zusätzlich empfiehlt es sich auch den Laborbefund mitzuführen, denn das Gesundheitsministerium weist eindringlich darauf hin, dass das Zeugnis nur aufgrund einer validen Testung ausgestellt werden darf. Besonders, wenn das Dokument im Ausland erlangt wird, kann die Beilage des Laborbefunds in jedem Fall hilfreich sein. Achtung: Auch auf die Sprache des Gesundheitszeugnisses ist zu achten. Derzeit werden unter anderem Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch anerkannt. Sollte dies nicht möglich sein, so ist eine Übersetzung einzuholen und diese muss beglaubigt werden. Zu den Testungen generell sagt das Geundheitsministerium: „Hierzu kann nur gesagt werden, dass es sich um entsprechend valide Tests handeln muss und das Ergebnis bei Einreise vorzuliegen hat.“

Es empfiehlt sich auch einen aktuellen Meldezettel mitzuführen, denn wenn keine österreichische Staatsbürgerschaft besteht, jedoch ein österreichischer Hauptwohnsitz, so kann dieses Dokument die Abläufe bei der Grenzkontrolle für die Wiedereinreise beschleunigen. Alles, das die Angaben glaubhaft machen kann, ist von Vorteil, wenn auch nicht zwingend vorgeschrieben. Alles, das nicht an Ort und Stelle in behördlichen Registern mühsam gesucht werden muss, beschleunigt die Abläufe und reduziert sowohl für die Exekutive als auch für die Reisenden den Aufwand massiv. 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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