UFO verurteilt Germanwings-Appell als "Finte"

"Man will uns Regelungen der Lufthansa aufs Auge drücken"

(Foto: Andy Graf)

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat einen öffentlich gewordenen Vorschlag der Germanwings-Spitze zur Einigung im laufenden Tarifkonflikt als "Finte" zurückgewiesen. Am Kurs des Managements ändere sich nichts, "wie in den vergangenen Monaten auch", heißt es in dem Schreiben der Tarifkommission, das AviationNetOnline vorliegt. UFO will ab Montag drei Tage lang Germanwings bestreiken - hunderte Flüge unter Eurowings-Code sind in Gefahr.

Mit “wohlfeilen Formulierungen und Spielchen" werde der Öffentlichkeit suggeriert, man erfülle die Forderungen der Kabine, so UFO. Aber: "Wer genau liest, sieht, dass man uns nicht den von uns verhandelten Tarifvertrag, sondern die Regelungen der Lufthansa aufs Auge drücken will." Und dieser hat deutliche Nachteile: "Lufthansa hat weniger Teilzeitmöglichkeiten wie Ihr, die dortige Saisonalität wird über Teilzeit abgebildet und einige Modelle sind nur befristet, andere lassen sich nicht kombinieren, was bereits für großen Unmut gesorgt hat." Dies sei nicht das, wofür man kämpfe.

Die Pressemitteilung von Germanwings betrachte man daher als "Finte". Ein neues Teilzeitmodell war bereits Gegenstand von Streiks bei Germanwings vor drei Jahren - und einer anschliessenden Schlichtung, in der zwar ein Kompromiss gefunden worden war, welcher aber nicht final ausgearbeitet werden konnte, weil die Lufthansa-Airline die Gespräche abbrach.

Unsichere Perspektive für Germanwings
Nach Erhalt des Schreibens habe man Germanwings auf Nachfrage "noch einmal mitgeteilt, was es braucht, um den Streik noch abzusagen. Wir haben klare Forderungen gestellt." Man wolle notfalls auch morgen verhandeln, "aber dazu kam leider keine Antwort außer dieser polemischen Pressemitteilung". Daher habe man beschlossen, dass "weder rechtlich, noch faktisch, noch aus sonst irgendeinem Grund der Streik abgesagt werden kann".

Das Schreiben von Germanwings-Chef Francesco Sciortino bezeichnet UFO als "polemisch". Der Airline-Boss verspricht darin, dass Germanwings "alles unternimmt, um Fluggästen ein normales Flugprogramm zwischen den Jahren anbieten zu können". Man wolle den Mitarbeitern "schnellstmöglich klare Perspektiven für das Jahr 2020 und darüber hinaus geben".

Dabei ist genau das schwierig. Germanwings betreibt aktuell zwar 33 Mittelstreckenjets für Markennachfolgerin Eurowings, aber die Zukunft der Airline ist wohl nur bis 2021 gesichert, heißt es aus Konzernkreisen. Eine ursprünglich mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) geschlossene Vereinbarung, den Germanwings-Betrieb bis 2023 aufrecht zu erhalten, soll laut Aussage eines Insiders verändert worden sein.

Zuletzt war davon die Rede, Germanwings werde im kommenden Jahr den Eurowings-Wet-Lease reduzieren und auch für die Mutter Lufthansa fliegen - gleichzeitig wird die Flotte nach AviationNetOnline-Informationen mehr als halbiert. Zudem war Germanwings als ausführender Betrieb der neuen Kranich-Langstrecke mit dem Projektnamen "Ocean" in der Diskussion. Mit Jahresende geht die finanzielle Verantwortung der Germanwings von der Eurowings GmbH auf die Lufthansa AG über. 

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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