Lufthansa scheitert auch in der Berufung

Airline streicht wegen Streiks 1300 Flüge.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Dem Streik der Lufthansa-Flugbegleiter am Donnerstag und Freitag steht nichts mehr im Weg: Auch das Hessische Landesarbeitsgericht lehnte den Eilantrag des Konzerns, den Ausstand per Einstweiliger Verfügung zu stoppen, am Mittwochabend ab. Am Vormittag hatte bereits das Arbeitsgericht Frankfurt dementsprechend entschieden. 

Lufthansa drückt in einer ersten Stellungnahme Bedauern über die Entscheidung aus. "Wir werden nun prüfen, ob wir im Nachgang zum angekündigten Streik weitere rechtliche Schritte einleiten und auf Schadensersatz klagen", so eine Sprecherin. 

UFO begrüßt hingegen die Entscheidung des LAG und betont noch einmal, dass wegen des vom Konzern angestrengten Berufungsverfahrens ein zeitgleich geplantes Gespräch zwischen Lufthansa-Chef Carsten Spohr und mehreren Gewerkschaften nicht stattfinden konnte. "Herr Spohr hätte heute die Chance gehabt, mit uns zu reden, anstatt uns vor Gericht zu zerren", heißt es von UFO. 

85 Prozent des Deutschland-Angebots betroffen 

UFO will bei Lufthansa unter anderem eine Gehaltserhöhung und bessere Arbeitsbedingungen für Saisonarbeiter durchsetzen. Dafür sind die knapp 21.000 Flugbegleiter der Lufthansa für Donnerstag und Freitag zum Ausstand aufgerufen. Am Abend hat UFO bereits angekündigt, den Streik eventuell auszuweiten. 

Lufthansa hatte bereits am Mittag ihren Sonderflugplan für die beiden Streiktage vorgestellt und für Donnerstag und Freitag gut 1300 Flüge gestrichen. 180.000 Fluggäste wären betroffen, heißt es in einer Mitteilung. So sollen am Donnerstag 2300 der weltweit geplanten 3000 Verbindungen durchgeführt werden, am Freitag sollen es etwa 2400 sein.

Nach AviationNetOnline-Berechnungen sind die 1300 Streichungen gut 85 Prozent des Maximal-Angebots der Lufthansa hierzulande, das UFO bestreiken könnte. Denn eine deutsche Gewerkschaft kann nicht im Ausland zu Arbeitskämpfen ausrufen. Unter “LH”-Flugcode werden am Donnerstag 951 und am Freitag 945 Flüge ab deutschen Airports angeboten. Davon werden “nur” gut 80 Prozent auch wirklich von Lufthansa durchgeführt - zusammen gut 1500, wovon 1300 gestrichen sind. 

Fast jede fünfte Verbindung unter "LH"-Flugnummer wird von einer Lufthansa-Tochter (Cityline, Sun Express Deutschland, Air Dolomiti) oder im Wet-Lease (Air Baltic, CSA) geflogen. Aktuell prüft der Konzern laut Mitteilung, ob vereinzelt größeres Fluggerät eingesetzt werden könnte, um möglichst viele vom Streik betroffene Passagiere zu befördern.

Stabilitätskriterien ausgesetzt

Daneben trifft Lufthansa noch anders Vorsorge: Die Airline hat für den Streik die Stabilitätskriterien in der Kabine außer Kraft gesetzt. Demnach kann der Konzern ohne einen Vorlauf von 96 Stunden und ohne die Zustimmung der Mitarbeiter rigoros in die Flugpläne eingreifen. Dies betrifft freie Tage der Flugbegleiter und Schichtänderungen von mehr als vier Stunden, heißt es in einer internen Mitteilung des Konzerns.

Vordergründig bemüht sich Lufthansa um eine Klärung des Konflikts. In einem Brief bietet sie UFO Tarifverhandlungen für Mitte Februar an, sobald die Gewerkschaft einen neuen Vorstand gewählt hat. Ab sofort könnten Sondierungen beginnen, was UFO allerdings ablehnt, da der Konzern nach wie vor gerichtlich den Gewerkschaftsstatus von UFO infrage stellt.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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