UFO bestreikt Germanwings über Silvester

Dreitägiger Ausstand ab Montag trifft Eurowings-Plan hart.

A321neo von Lufthansa: Langatmiger Konflikt mit UFO. (Foto: Lufthansa)

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO ruft ihre Mitglieder bei Germanwings dazu auf, ab Montagnacht für volle drei Tage ihre Arbeit niederzulegen. Dies kündigte UFO-Vize Daniel Flohr am Freitagabend an. Weitere Streiktermine sollten am 2. Januar 2020 genannt werden. 

Dass UFO den Ausstand auf Germanwings beschränkt, begründet Flohr mit der "höchst unterschiedlichen Lage bei den Airlines". Während man bei Cityline und SunExpress Deutschland in Gesprächen mit der Geschäftsführung sei, wäre bei Germanwings seit 2016 nicht auf Forderungen der UFO eingegangen und es fehle den Mitarbeitern an einer langfristigen Perspektive.

Lufthansa würde zudem Falschmeldungen über beispielsweise weitere Schlichtungstermine im neuen Jahr verbreiten. "Bleibt hier ein Einlenken aus, werden wir vor dem 2. Januar weitere Streiks verkünden", so Flohr. Die Airline könne die Streiks jederzeit abwenden, so Flohr.

Der Konzern verurteilt den Streikaufruf scharf. „Hier wird offensichtlich ein Arbeitskampf missbraucht, um persönliche und finanzielle Interessen des Vorstandsbeauftragten der Gewerkschaft durchzusetzen“, so Kranich-Vorstand Detlef Kayser. „Der Konflikt ist für uns kaum lösbar, da Ufo sich seit Wochen weigert, schriftlich mitzuteilen, was die konkreten Inhalte der Forderungen ihres Beauftragten sind."

Eurowings-Flüge betroffen
Die dreitägigen Streiks bei Germanwings treffen nach AviationNetOnline-Berechnungen rund 30 Prozent des Flugprogramms der Markennachfolgerin Eurowings ab Deutschland. Denn: Eine deutsche Gewerkschaft kann nur in Deutschland zu Streiks aufrufen. Und Germanwings fliegt mit ihren 33 Jets bislang ausschließlich im Wet-Lease für die Markennachfolgerin. Allerdings ist die Zukunft der Airline nur bis 2021 gesichert, heißt es aus Konzernkreisen. Eine ursprünglich mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) geschlossene Vereinbarung, den Germanwings-Betrieb bis 2023 aufrecht zu erhalten, soll laut Aussage eines Insiders verändert worden sein.

Zuletzt war davon die Rede, Germanwings werde im kommenden Jahr den Eurowings-Wet-Lease reduzieren und auch für die Mutter Lufthansa fliegen - gleichzeitig wird die Flotte nach AviationNetOnline-Informationen mehr als halbiert. Zudem war Germanwings als ausführender Betrieb der neuen Kranich-Langstrecke mit dem Projektnamen "Ocean" in der Diskussion. Mit Jahresende geht die finanzielle Verantwortung der Germanwings von der Eurowings GmbH auf die Lufthansa AG über. 

  • Montag, 30. Dezember: 314 Flüge unter Eurowings-Flugnummer ab Deutschland, davon werden 85 von Germanwings durchgeführt (27,1 Prozent);
  • Dienstag, 31. Dezember: 235 Flüge unter Eurowings-Flugnummer ab Deutschland, davon werden 72 von Germanwings durchgeführt (30,6 Prozent);
  • Mittwoch, 1. Januar 2020: 246 Flüge unter Eurowings-Flugnummer ab Deutschland, davon werden 72 von Germanwings durchgeführt (29,3 Prozent);

Dass Streiks zwischen den Jahren nicht auch bei Lufthansa stattfinden, erklärt ein Konzerninsider mit der Sorge der UFO, Mitglieder zu verlieren. Denn die Flüge an Weihnachten und Silvester seien die attraktivsten für Kabinencrews. "Da geht's nicht nur um Zulagen, sondern vor allem darum, dass wir Angehörige mitnehmen dürfen und mit denen dann die Feiertage verbringen." Da würde sich UFO nur ins eigene Fleisch schneiden, sollten sie die Flüge bestreiken.

Konflikt mit dem Lufthansa-Konzern seit über einem Jahr
Es ist die zweite ordentliche Streikrunde in dem seit über einem Jahr schwelenden Konflikt zwischen Konzern und Gewerkschaft. Bei den ersten Ausständen Anfang November sagte Lufthansa rund 1500 Flüge ab und arbeitete einen Notfallflugplan aus. 

Dies hatte der Konzern beim vorausgegangenen Warnstreik verweigert - nach AviationNetOnline-Berechnungen blieben bei dem 19-stündigen Ausstand bei den Konzerntöchtern Cityline, Euro- sowie Germanwings und SunExpress über 150 Flieger am Boden. Danach holte sich UFO von den Mitgliedern Mandate für unbefristete Streiks bei den Kranich-Airlines.

Nach dem Ausstand Anfang November lenkte Lufthansa ein und bat UFO um Gespräche, die der Konzern offiziell nicht Verhandlungen nennen wollte. Es folgte der Sündenfall des Kranichs: Lufthansa machte eine komplette Kehrtwende, rückte vom Gesprächsembargo ab, zog die Statusklage gegen die Gewerkschaft zurück und stimmte einer Schlichtung unter dem jetzigen UFO-Vorstand zu - was lange vom Konzern kategorisch ausgeschlossen wurde.

Wenige Tage später kassierte Lufthansa die Zusage, weil UFO keiner konzernübergreifenden Friedenspflicht zustimmen wollte. Diese lehnte UFO ab, weil sich Lufthansa geweigert hätte, schriftliche Vereinbarungen bei Cityline, Euro- sowie Germanwings und Sunexpress Deutschland zu schließen. Es war von „Willkür des Managements“ die Rede.

Personalchefin geopfert
Lufthansa lenkte nach intensiven Gesprächen erneut ein, opferte aber Personalchefin Bettina Volkens, die einen moderaten Kurs gegenüber UFO vertrat. Gespräche zur Vorbereitung der Mediation - unter Teilnahme der designierten Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise - kurz vor Weihnachten scheiterten. UFO verkündete, nach den Feiertagen streiken zu wollen; die Schlichter versuchten weiter zu vermitteln - ohne Erfolg.

Im Kern geht es nicht um die bei der Mutter-Airline Lufthansa geforderte Erhöhung von Spesen oder andere UFO-Forderungen. Die Gründe liegen wohl viel tiefer: UFO und Lufthansa sind in einem Konflikt, indem der Konzern die Gewerkschaft seit über einem Jahr mit immer Klagen sowie Kündigungen gegen das Spitzenpersonal überzieht und so Tarifverhandlungen unmöglich macht. Dabei wären diese dringend notwendig, weil unter anderem der Tarifvertrag Neueinstellungen seit Februar offen ist.

Und auch bei anderen Konzern-Airlines brodelt es: Bei unter anderem Eurowings steht die genaue Ausformulierung des in einer Schlichtung vor zwei Jahren gefundenen Kompromisses aus (übrigens auch unter Platzeck). Zudem müssen die Arbeitsbedingungen der mit der neuen Leisure-Langstrecke betrauten Crews definiert werden.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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