Übung macht den Meister

Im Emirates Aviation College in Dubai durchlaufen jedes Jahr 38.000 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sowie Pilotinnen und Piloten ihre Aus- und Weiterbildung sowie die Sicherheitschecks. Unterrichtet wird Theorie und Praxis, und das seit 2007. Michael Csoklich hat sich in Dubai die diversen Ausbildungsstationen angesehen.

Notrutsche beim 1:1-Modell eines Airbus A380 (alle Fotos: Michael Csoklich),.

Es sind die jungen Damen und Herren in ihren leuchtend roten Poloshirts aus aller Herren Länder, die aus dem Einheitsbild der Emirates Uniformen im Emirates Aviation College herausstechen. Als solche sind sie als angehende Flugbegleiterinnen in der Grundausbildung erkennbar - und sie tragen ihre Poloshirts mit Stolz. Acht Wochen dauert diese Grundausbildung für alle Typen der Emirates-Flotte, derzeit A380 und Boeing 777.

Hier beginnen die Emirates-Karrieren: Emirates Training College in Dubai.

90.000 Bewerberinnen und Bewerber gibt es Jahr für Jahr für den Job als FlugbegleiterIn. Grundvoraussetzung für eine Aufnahme ist fließendes Englisch. Denn bei Emirates arbeiten Menschen aus 135 Ländern, die insgesamt mehr als 60 Sprachen sprechen. In der Ausbildung gilt es daher, auch die vielen unterschiedlichen Kulturen auf einen gemeinsamen Level zu bringen. Und alle werden mit Grundzügen der arabischen Kultur vertraut gemacht: Schließlich ist Emirates eine arabische Fluggesellschaft mit vielen arabischen Passagieren. 

Rund 90.000 Bewerberinnen und Bewerber gibt es pro Jahr für die Ausbildung als Cabin Crew. Nur wenige Prozent werden genommen.

Daneben umfasst das Ausbildungsprogramm fünf Eckpunkte. Für das Notfall- und Evakuierungstraining geht es in eine große Halle. Hier stehen nachgebaute Rumpfteile einer A380 und einer Boeing 777-300 auf Stelzen. Computerprogramme können die unterschiedlichsten Notfallsituationen simulieren, und die Crewmitglieder haben so die Möglichkeit, solche Ereignisse möglichst realistisch trainieren zu können. Auf der Vorderseite sind die Notfallrutschen montiert, die zum Boden führen. Beim A380 sind das fast 10 Meter Höhenunterschied. Auf der Rückseite führen die Rutschen in ein großes Wasserbecken, so können Evakuierungen nach Notwasserungen simuliert werden. Trainiert wird auch, wie die Türen richtig und rasch geöffnet werden, wie die Schwimmwesten funktionieren oder die Notfallraketen. 

Wie rutscht man richtig? Auch das wird hier gelernt.

Nächste Station: ein medizinisches Training. Hier geht es um Notfälle, um Wiederbelebung und um den Umgang mit Passagieren, die spezielle Bedürfnisse haben. Im Sicherheitstraining stehen dann Sicherheitschecks, der Umgang mit Sabotageakten, mögliche Entführungsszenarien und die Frage, wie man mit widerspenstigen Passagieren umgeht, auf dem Programm. Da geht es darum, mit ruhiger, aber bestimmter Konversation Konflikte an Bord möglichst friedlich zu bereinigen.

Ein Flugzeug führt allerlei Emergency-Equipment mit - das hier ist ein Teil davon.

Der täglichen Arbeit näher kommen die angehenden Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter beim Servicetraining in der Kabine. Dazu kommen sie in ein weiteres Mock Up Center mit 1:1 eingerichteten Kabinen. Unter Aufsicht und Anweisung der Trainerinnen und Trainer lernen sie alles über die Kabine und ihre Funktionen. Und sie lernen, wie man das Essen richtig zubereitet, Drinks gekonnt mixt und wie man Essen und Trinken so serviert, dass nichts verschüttet wird.

Was macht man nach einer Notwasserung? Auch das wird hier gelehrt.

Sichtlich Spaß machen allen jene Trainingseinheiten, wo es um die Uniform und das äußere Erscheinungsbild der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter geht. Sitzt die neue Uniform richtig? Wie setze ich den Hut richtig auf? Wie binde ich den Schal? Fachkundige Beratung steht Rede und Antwort. Haare dürfen getragen werden, wie man mag - sie dürfen aber nicht den Kragen der Uniform berühren. Schautafeln wie Style-Beraterinnen zeigen, wie es richtig geht. Weitere Themen: Hautpflege, richtiges Rasieren, Schminktips, Ernährungsberatung. Viele sind in dieser Trainingseinheit ganz offensichtlich in ihrem Element.

Rauch an Bord - hier glücklicherweise nur im Mock-Up zu Trainingszwecken.

In der letzten Einheit geht es um das Thema Duty Free Verkauf an Bord. Welche Produkte gibt es, wie verkaufe ich am effektivsten? Wichtig, weil die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter 10 Prozent Provision von allem bekommen, was sie verkaufen.

Service-Trainer im Emirates Aviation College.

Acht Wochen dauert das alles - dann wird stolz die Uniform getragen. Und vor allem: endlich geflogen. Economy Class, Training on the Job. Nach vier Monaten geht es noch einmal zurück ins Trainingszentrum, hier bekommen alle den letzten Schliff. Danach kommen alle einmal jährlich zur Auffrischung ins Trainingszentrum. Oder wenn es um die Weiterbildung für Business Class, First Class oder die Position des Pursers geht.

Auch wie eine Türe ordnunsgemäß geöffnet und geschlossen wird, lernen die angehenden Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter - am Door Trainer.

 

Anmerkung im Sinne der Medientransparenz: Emirates hat die Reise nach Dubai organisiert und die Kosten übernommen.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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