Tuifly will Langstrecke fliegen

Airline soll von Cook-Pleite profitieren. 

Boeing 737-800 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Der weltgrößte Tourismuskonzern TUI will die Pleite seines Konkurrenten Thomas Cook offenbar nutzen, um seine deutsche Tochter strategisch neu auszurichten. So soll Tuifly in das Geschäft mit touristischen Langstrecken einsteigen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf ein Schreiben der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Ein Sprecher von Tuifly sagte zu AviationNetOnline: "Man ist im Tuifly Aufsichtsrat übereingekommen alle Szenarien für Wachstum im Ferienflugmarkt und bei Tuifly wirtschaftlich und strategisch zu bewerten. Dazu gehört auch die Möglichkeit einer Langstrecke bei Tuifly in Deutschland, sollte diese wirtschaftlich in der Gesamtoperation der Tuifly darstellbar sein.” 

"Wir möchten Euch erfreut darüber berichten, dass der Tui-Konzern unserer Tuifly eine Expansion ermöglichen und finanzieren möchte“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Dies beinhaltet auch einen umfangreichen Markteintritt im Langstreckenverkehr mit modernen Flugzeugen Boeing 787.“ Bislang werden die 17 Langstreckenjets vom Typ Boeing 787 "Dreamliner" von den TUI-Airlines in den Niederlanden und Großbritannien betrieben.

"Das Aus von Thomas Cook sowie die Digitalisierung sorgen für einen nie dagewesenen Marktumbruch, der ganz neue Antworten erfordert, auch auf Mitarbeiterseite“, zitiert das "Handelsblatt" eine Führungskraft des Unternehmens.

Personal signalisiert Rückendeckung

Arbeitnehmervertreter stehen den Plänen offen gegenüber, heißt es in dem Bericht. Die Aussicht, auf die Langstrecke gehen zu können, sei gerade für Piloten sehr attraktiv. Vor allem junge Flugzeugführer seien an einer Weiterentwicklung der Airline interessiert. 

Auch die Arbeitnehmervertreter räumen laut Bericht in einem Schreiben ein: „Wir dürfen an dieser Stelle nicht die Augen davor verschließen, dass unsere Tuifly seit Jahren bei Marktpreisen defizitär ist.“ Einige Zeilen weiter folgt mit Verweis auf die jüngsten Airline-Insolvenzen ein mahnender Satz: „Langfristig prosperierende Tarifverträge sind nur in einem prosperierenden Unternehmen garantiert.“

Wie wichtig der Rückhalt der Arbeitnehmer bei solch einem Unterfangen ist, zeigte sich vor knapp drei Jahren. Damals wollte Air-Berlin-Aktionär Etihad Tuifly mit Niki verheiraten. Nicht zuletzt wegen eines wilden Streiks wurden die Pläne verworfen. 

Veranstalter sorgen sich um Eurowings-Dominanz

Auch die Reiseveranstalter scheinen erfreut über die Pläne. So hat Eurowings bereits begonnen, Condor-Langstrecken zu bedienen. Zwar fliegt Condor noch, braucht aber einen Investor - sodass die Zukunft des Interkontinental-Geschäfts unklar ist. 

Die Veranstalter sorgen sich, dass am Ende nur Eurowings übrig bleibt und diese dann die Preise diktiert. Eine breit aufgestellte Tuifly könnte der Sorge entscheidend gegenüber treten. 

Gleichzeitig verfolgen sie aber einen eigenen Plan, Eurowings die Stirn zu bieten. DER Touristik und Schauinsland wollen notfalls bei Condor miteinsteigen

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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