Tuifly prüft Langstrecken ab weiteren Airports

Erste Jets kommen von UK-Schwester

(Foto: www.AirTeamImages.com)

Rund acht Monate vor dem Wiedereinstieg der Tuifly ins Langstreckengeschäft wird klar, dass die Pläne für das Segment weitergehen, als bislang bekannt ist. Ein Airline-Sprecher sagte zu AviationNetOnline, dass man aktuell die Interkontinental-Operation von noch weiteren Flughäfen als Düsseldorf aus prüfe. Der Ferienflieger hatte Ende des Jahres angekündigt, ab diesem Winter wieder Langstrecken fliegen zu wollen. Jüngst gab der Carrier bekannt, mit zwei Boeing 787 "Dreamlinern" zunächst sechs Ziele ab Düsseldorf anzusteuern.

Welche weiteren deutschen Airports nun bei Tuifly genau im Gespräch sind, wollte der Sprecher nicht sagen: "Wir sind da komplett offen." Denkbar sind jedoch mehrere Optionen:

  • Zum einen liegt es laut Beobachtern nahe, ein drittes Flugzeug in Düsseldorf zu stationieren, um mehr Ziele anbieten zu können - immerhin baut Tuifly dort ohnehin schon die nötige Infrastruktur auf.
  • Denkbar ist aber auch, dass die Airline zusätzlich ab Frankfurt auf die Langstrecke geht - denn dort könnte der Carrier vom umfassenden innerdeutschen Zubringer-Netz der Lufthansa profitieren und so die eigenen Flugzeuge auch mit Passagieren von dezentralen deutschen Airports aus füllen.
  • Kenner verweisen zudem darauf, dass der Kranich erfolgreich längere Zeit einen Jet zwischen München und Düsseldorf hat pendeln lassen, um auch vom NRW-Airport aus Langstrecke zu fliegen, ohne dort entsprechend Crews und Wartungskapazitäten ansiedeln zu müssen - ebenfalls ein Modell für Tuifly. Im Kurz- und Mittelstreckenverkehr bedient die Airline vor allem mittelgroße Airports:

Kapazitäten von Tuifly (Quelle: ch-Aviation, Darstellung: AviationNetOnline)

Gleichzeitig lässt eine Ankündigung der neuen Condor-Eigentümerin LOT aufhorchen: Der deutsche Carrier soll innerhalb des neuen Konglomerats zum "Kompetenzzentrum Touristik" werden und Ferienflüge auch ab Polen und Ungarn anbieten, hieß es schon Anfang Februar bei der Vorstellung des Deals. Nun wird in der Branche gemunkelt, dass "Polen" breiter verstanden werden könnte, als zunächst gedacht. Neben Warschau könnte Condor auch eine entsprechende Operation in Kattowitz anstreben.

Doch solche Schritte benötigen vor allem Fluggerät. Condor hat bislang 16 sehr alte Langstreckenflugzeuge in der Flotte. Beobachter rechnen zwar unter der neuen Eigentümerin mit einer raschen Modernisierung des Fuhrparks, nicht aber mit einer deutlich steigenden Anzahl an Flugzeugen. LOT hatte angekündigt, auf 20 Jets aufzustocken. Sprich, durch die Markteintritte in den osteuropäischen Ländern würden unweigerlich Maschinen aus Deutschland abgezogen und die Tourismus-Nachfrage hierzulande an einigen Standorten wieder steigen. "Das hat auch Tuifly im Blick", zeigt sich ein Kenner überzeugt.

Optionen bei Boeing gezogen
Die beiden "Dreamliner", mit denen Tuifly im jetzigen Winter in Düsseldorf startet, sind zwei ältere 787-8-Jets von der britischen TUI Airways, die kürzlich zwei 787-9 neu in die Flotte aufgenommen hat. Für den Winter 2021/22 hat Tuifly nun eine Kaufoption auf zwei neue Flieger bei Boeing gezogen, berichtet "Der Spiegel". Weiteres Wachstum könnte kurzfristig über den Leasing-Markt dargestellt werden, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Dass die Airline die Rückkehr in das kostenintensive Interkontinental-Segment wagt, liegt auf der Hand. Der Konzern will die eigenen Hotels in Mexiko und die in der Karibik startenden TUI-Kreuzfahrten selbst mit deutschen Gästen füllen und nicht von Zubringern wie Condor oder Eurowings abhängig sein. Im Mittelstreckengeschäft werden schon jetzt 80 Prozent der Plätze von Reiseveranstaltern gebucht.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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