Tripreport Tromsø (und warum das Rentier Rudolf eine Dame ist)

Wussten Sie, dass Rudolf (das Rentier mit der roten Nase) in Wirklichkeit eine Dame ist? Solche interessanten Informationen erhält man von den Menschen, die es wissen müssen - jenen nämlich, die im Norden Norwegens zuhause sind. Also in einer Gegend, die dem Polarexpress perfekt als Kulisse dienen kann. Der "Arctic Hub" schlechthin - also der wohl bekannteste Ausgangspunkt für Reisen ins nördlichste Nordeuropa - ist die Stadt Tromsø.

Nächtlicher Blick in Richtung Eiskathedrale (alle Fotos: Martin Metzenbauer).

Bevor das Geheimnis um den weiblichen Rudolf gelüftet wird, stellen wir uns einmal die Frage, wie man überhaupt nach Tromsø gelangt. Das geht von Deutschland aus relativ einfach: Lufthansa fliegt von Frankfurt im Winter zweimal und im Sommer einmal wöchentlich sowie von München aus saisonal im Winter zweimal pro Woche zum Langnes Airport. Von Österreich ist man auf Umsteigeverbindungen angewiesen - dabei bieten sich neben den Deutschland-Flügen beispielsweise Kopenhagen (mit AUA und SAS) oder Oslo (mit Norwegian) an. Auch aus der Schweiz ist man (bis auf Einzelflüge von Edelweiss aus Zürich) auf Transferflüge angewiesen.

 

Zauberhafte Stimmung in Polarkreis-Nähe beim Flug in Richtung Tromsø.

Der Anflug auf den Flughafen Tromsø - über den AviationNetOnline bereits einmal ausführlich berichtet hat - ist übrigens recht spektakulär: Bevor man landet, darf man sich nämlich über einen wunderbaren Approach über die Fjordlandschaft freuen - vorausgesetzt, das Wetter passt. Die Landung vermag bei ängstlicheren Gemütern Herzklopfen auszulösen: Die Runway fängt nämlich ziemlich genau dort an, wo das Meer aufhört. Ein spezieller Tipp der Redaktion: Reservieren Sie einen Blick auf der linken Flugzeugseite - diese bietet den besseren Ausblick auf die Fjorde.

Aus dem DACH-Raum fliegt nur Lufthansa regelmäßig nach Tromsø.

Das Herzklopfen wird sich auch nicht so schnell wieder legen, wenn man sein Gepäck übernommen hat und dann mit Bus oder Taxi nach rund fünfzehn Minuten in der Innenstadt angekommen ist: Vom zentral gelegenen Hafen aus darf man sich nämlich gleich einmal über einen ersten Eindruck der größten Stadt Nordnorwegens sowie der spannenden Landschaft freuen. Direkt gegenüber - auf der anderen Seite des Fjordes - erhebt sich der Berg Fjellheisen, von dessen Ausläufern die imposante Eiskathedrale herüber winkt. Obwohl: Eine "echte" Kathedrale ist diese Kirche eigentlich nicht - sie wirkt aber jedenfalls wie eine!

Am Flughafen Langnes freuen sich auch Aviation-Freunde - beispielsweise über Dash 8-100.

Das Zentrum von Tromsø liegt auf einer Insel inmitten des Fjordes und ist mit der eindrucksvollen 1960 erbauten Tromsøbrua mit der Gegenseite verbunden. Die Stadt selbst ist einerseits mit vielen alten Häusern - viele davon übrigens aus Holz gebaut - über manche Teile hübsch anzusehen. Andererseits handelt es sich auch um ein funktionelles urbanes Zentrum mit rund 75.000 Einwohnern, einer bekannten Universität und einem großen Krankenhaus. Kurzum: Baulich ist nicht alles unbedingt harmonisch und die eine oder andere Bausünde hat sich auch dazwischengeschummelt.

Die Eiskathedrale liegt gegenüber dem Stadtzentrum von Tromsø.

Grundsätzlich ist Tromsø eine Destination, die man sowohl im Sommer als auch im Winter besuchen kann. Wobei die kalte Jahreszeit (die übrigens dank des Golfstromes so kalt gar nicht ist) hier einen großen Vorteil hat: Nur dann hat man nämlich die Chance, Polarlichter (die im Norden auch Nordlichter genannt werden) zu sehen. Das ist wohl auch eine der Hauptmotivationen vieler Touristen, in die Gegend zu kommen - allerdings gibt es keine Garantie, dass sich dieses Naturschauspiel - das sich übrigens in einer Höhe von 80 bis 800 Kilometern abspielt - auch wirklich zeigt.

Nicht jedes neue Gebäude in Tromsø ist architektonisch so spannend wie die 2005 eröffnete Bibliothek.

In Tromsø gibt es angeblich mehr als 130 Unternehmen, die Nordlichttouren anbieten - und zwar in vielen verschiedenen Varianten. Da gibt es beispielsweise Ausflüge mit kleineren oder größeren Bussen, die ihr Glück weitab der Lichtverschmutzung der Stadt suchen - teilweise fahren diese bis ins benachbarte Finnland. Andere Touren besuchen eigene Base Camps, die mit Häusern und Toilettenanlagen etwas mehr Komfort - allerdings auch weniger Flexibilität - bieten. Man kann aber auch Bootstouren unternehmen - oder sich (bei einem gut gefüllten Urlaubsspesenkonto) mit dem Auto in einer Minigruppe herumfahren lassen.

Für Nordlichter gibt es leider keine Garantie - um sie zu sehen, braucht man Geduld und Wetterglück sowie einen Ort mit möglichst wenig Lichtverschmutzung.

Apropos Geld: Dass Norwegen nicht gerade zu den günstigsten Reisezielen gehört, ist bekannt - die Touren (die übrigens schnell einmal sieben Stunden dauern können) schlagen sich aber recht intensiv aufs Budget: Rund 100 Euro aufwärts pro Person lassen so eine Angelegenheit gerade für Familien teuer werden. Damit man das Finanzielle aber halbwegs im Auge behalten kann, ist zumindest der Wechselkurs Norwegische Kronen zu Euro mit 10:1 praktisch gestaltet. Zum Thema Nordlichttouren noch ein Tipp der Redaktion: Man sollte diese erst kurzfristiger buchen, wenn sich wettertechnisch halbwegs gute Chancen ausrechnen lassen, dass es auch klappt. Denn wenn der Himmel bedeckt ist, kann auch die teuerste Tourvariante nichts ausrichten. Buchen kann man online oder direkt in den Büros der Anbieter (im Vorfeld sollte man sich beispielsweise auf www.visittromso.no einen Überblick verschaffen).

Tromsø liegt mehr als 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. Das macht sich auch bemerkbar - wobei extrem niedrige Temperaturen aufgrund des Golfstroms selten sind.

Aber Nordlichter sind bei weitem nicht alles, was Tromsø an Erlebnissen zu bieten hat: Besonders empfehlenswert sind Touren, welche die Kultur der Sami - einer indigenen Volksgruppe die von Norwegen über Finnland und Schweden bis hin nach Russland verbreitet ist - beleuchtet. Dabei erfährt man nicht nur viel über die Sami selbst - sondern auch über die Rentiere, die sie teils wild und teils in überdimensionalen Koppeln halten. Auch diese Touren sind teuer - zahlen sich aber auf jeden Fall aus, weil man eine komplett andere Welt kennenlernt, als man sie im urbanen Mitteleuropa gewohnt ist.

Im Norden Norwegens kann man auch viel über das Volk der Sami lernen. Diese wurden früher als Lappen bezeichnet, woher auch der Begriff Lappland kommt. Nur noch rund fünf Prozent der Sami betreibt heute noch die klassische Rentierwirtschaft.

Daneben gibt es Ausflüge, bei denen man die phantastische Umgebung kennenlernen kann - sowohl an Land als auch im Wasser. Bei letzteren hat man auch die Chance, Wale zu sehen, die sich auch in der Gegend blicken lassen. Wer ganz besondere Nächte verbringen will, der kann sich entweder im Ice Hotel oder in einer der Kuppeln des "Arctic Dome" einquartieren. Wer in der Stadt bleiben will, für den gibt es einen weiteren netten Trip: Mit dem Bus kann man vom Zentrum aus zur Talstation der Seilbahn auf den Fjellheisen fahren und die Stadt und Umgebung nach kurzer Seilbahnfahrt von oben betrachten. Wieder unten angekommen, kann man zu Fuß zur Eiskathedrale gehen und von dort aus den Bus zurück in die Innenstadt nehmen. Man sieht: Es gibt hier viel zu erleben und zu sehen - langweilig dürfte einem jedenfalls nicht so schnell werden! Einen sehr guten Überblick über die Aktivitäten bietet die bereits erwähnte Website www.visittromso.no.

Der Hafen von Tromsø mit dem Scandic Ishavshotel auf der rechten Seite.

Zum Thema Übernachten: Tromsø bietet eine Menge an Unterkünften jeglicher Komfortklassen - von Hotels bis hin zu Ferienwohnungen. Wohnen sollte man nach Möglichkeit halbwegs in Zentrumsnähe - wobei Tromsø fußläufig oder mit dem Bus ohnehin recht komfortabel zu erkunden ist. So bietet sich beispielsweise das "Radisson" am Hafen an - nette Appartments gibt es bei der "Enter"-Gruppe. Wichtig bei einer Reise nach Nordnorwegen ist ein anderes Thema - nämlich die Kleidung. Zum einen sollte man eine ausreichende Anzahl an "Zwiebelschalen", Schals und Hauben (mit Ohrenschutz!) einpacken - zum anderen auch auf das passende Schuhwerk achten. Die Straßen sind oft sehr glatt - Spikes zum Aufziehen unter die Stiefel sind bei entsprechender Witterung nicht übertrieben.

Norwegen: Land der Rentiere.

Wer also ein lohnendes Reiseziel mit einer spektakulären Landschaft, toller Kulinarik (die ja hier noch gar nicht erwähnt wurde) und durchwegs netten Menschen sucht und wem moderate Kälte im Winter nichts ausmacht, der sollte Tromsø auf seine "Bucket List" schreiben. Und vielleicht erfährt man von letzteren ja auch Geheimnisse wie jenes vom weiblichen Rudolf: Mit den Rentieren verhält es sich nämlich so, dass die männlichen Exemplare vor dem Winter und die weiblichen erst danach ihr Geweih verlieren. Und was trägt Rudolf abgesehen von seiner roten Nase zu Weihnachten? Richtig - ein Geweih!

Praktische Tipps:

Geld: Norwegen weist in Sachen Geld zwei Besonderheiten auf: Erstens ist so ziemlich alles teurer als in Mitteleuropa. Zweitens ist Bargeld schon weitestgehend abgeschafft - bezahlt wird fast nur noch mit der Karte. Trinkgeld ist nicht so sehr ein Thema wie beispielsweise in den USA - über einen "Tip" freuen sich Servicekräfte und dergleichen aber auf jeden Fall. Dazu muss man am Kreditkartenterminal noch einmal den Gesamtpreis (also mit dem gewünschten Trinkgeld) eingeben.

Essen: Die "Nordic Cuisine" hat nicht umsonst einen ausgezeichneten Ruf - und auch in Tromsø gibt es einige sehr gute Restaurants, die diesen noch einmal unterstreichen. Neben High End Kulinarik findet man aber auch etwas solidere und leistbarere Orte wie beispielsweise die "Pastahallen". Empfehlenswert ist auch der Asiate "East" (übrigens gilt in manchen Restaurants "Cards Only" - Bares ist hier nicht mehr Wahres). Und ein Muss für Bierliebhaber ist die Ølhallen (Bierhalle) der Brauerei Mack mit unglaublich vielen Biersorten (für Liebhaber alkoholfreien Bieres seien übrigens die zwei Sorten "Freeze" von Mack empfohlen).

Kommunikation: Norwegen gehört zwar nicht zur EU - bei manchen Telekom-Unternehmen zahlt man aber trotzdem den EU-Tarif. Vor Abflug sollte man sich diesbezüglich erkundigen. Das LTE-Netz ist übrigens auch in vielen ländlichen Gebieten gut ausgebaut.

Informationsstand: Februar 2020.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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