Topbonus erschwert Meileneinlösungen

Onlineshop abgeschaltet, Prämienflugbuchungen sollen am Telefon mit Hinweis auf den Air-Berlin-Insolvenzantrag verweigert werden - Etihad-Tochter schweigt auf Anfrage.

Inhaber von Air-Berlin-Kreditkarten müssen mit keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der Zahlungsfunktion rechnen, da die Karten von der Wirecard Bank AG (Mastercards) bzw. der Landesbank Berlin AG (Visa-Cards) ausgegeben werden (Foto: Pixabay / stevepb).

Meilensammler des Topbonus-Programms müssen derzeit verschiedene Einschränkungen in Kauf nehmen, die in indirektem Zusammenhang mit der Insolvenzanmeldung der Air Berlin stehen. Beispielsweise wurde der Prämienonline-Shop zwischenzeitlich abgeschaltet. Laut verschiedenen Betroffenenberichten soll auch das Bezahlen mit Topbonus-Meilen gelegentlich verweigert worden sein.

Das Vielfliegerprogramm Topbonus wird von der Topbonus Ltd. Zweigniederlassung Berlin betrieben. Alleiniger Eigentümer ist Etihad Airways, der dieses vor einiger Zeit erwarb, um frisches Geld in Air Berlin pumpen zu können. Rechtlich gesehen schuldet also die Topbonus Ltd. den Meilen-Inhabern entsprechende Gegenwerte, doch scheint es auch ihr im Sog der Air-Berlin-Pleite zu Unregelmäßigkeiten zu kommen.

Die Topbonus Ltd. reagierte auf eine entsprechende Anfrage warum verschiedene Fluggäste ungeachtet mehr als ausreichenden Meilenstands keine Prämientickets buchen konnten nicht. Die Betroffenen berichten gegenüber Austrian Aviation Net, dass sowohl online als auch über die Hotline eine Buchung nicht möglich gewesen wäre. Am Telefon habe man dies mit dem Insolvenzantrag der Air Berlin begründet.

Offensichtlich ist lediglich, dass der Onlineshop für Prämiengüter wie Koffer oder Amazon-Gutscheine offline genommen wurde. Dieser wurde übrigens von einem Drittanbieter im Auftrag von Topbonus Ltd. betrieben, weshalb zumindest die Vermutung besteht, dass sich dieser durch die sofortige Abschaltung der Webseite vor Zahlungsausfällen schützen möchte. Das Vertragswerk scheint hier nicht ganz eindeutig zu sein, ob nun bei Meileneinlösungen die Topbonus Ltd. oder Air Berlin das Geld für die Waren dem Händler schuldet.

Ähnlich unklar scheint die Situation hinsichtlich der Buchung von Prämienflügen zu sein. Aufgrund des Insolvenzantrags darf Air Berlin keine eigenen Gutscheine mehr als Zahlungsmittel annehmen, da diese wie berichtet, Teil der Masse sind. Juristisch gesehen schuldet die Topbonus Ltd. den Meilenkarteninhabern entsprechende Gegenwerte aus dem Kundenbindungsprogramm, jedoch ist zur Liquidität dieser Etihad-Airways-Tochter nahezu nichts bekannt. Außer, dass das Programm in eine britische Limited mit Zweigniederlassung in der Air-Berlin-Zentrale nahe dem Flughafen Berlin-Tegel ausgegliedert wurde und anschließend von Etihad für einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag gekauft wurde, änderte sich bislang für die Kunden nicht sonderlich viel. Ob die Trennungen jedoch auch im Innenverhältnis vollzogen wird, erscheint angesichts der telefonischen Auskünfte der Topbonus-Buchungshotline nun allerdings mehr als fraglich.

Wie erwähnt reagierte die Topbonus Ltd. auf ein Ersuchen um Stellungnahme nicht. 

Der Ordnung halber wird darauf hingewiesen, dass Inhaber von Topbonus-Kreditkarten mit keinerlei Einschränkungen beim Bezahlen mit den Karten zu rechnen haben, da es sich formell um normale Kreditkartenverträge mit den ausstellenden Banken Landesbank Berlin AG (Visa-Credit-Cards) bzw. Wirecard Bank AG (Mastercard-Credit-Cards) handelt. Beide Banken sind juristisch gesehen vollkommen unabhängig von Air Berlin und Topbonus Ltd. und betreiben die Ausgabe der Kreditkarten im eigenen Namen und auf eigene Rechnung.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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