#TimeToRethink: Neue Spielregeln für europäischen Luftverkehr gefordert

Der Europäische Pilotenverband ECA fordert gemeinsam mit einer Koalition aus sieben weiteren Dachverbänden europäischer Luftverkehrs-Gewerkschaften unter dem Motto #TimeToRethink tiefgreifende Änderungen und einen strukturierten Neustart für den Luftverkehr.

Acht europäische Dachverbände fordern ein Umdenken in mehreren Bereichen.

Schon vor der Corona-Krise war der europäische Luftverkehr nicht frei von kritischen Themenbereichen: Atypische Beschäftigung, soziale und ökologische Nachhaltigkeit oder Qualifikation des Personals waren in den letzten Jahren immer wieder und in zunehmendem Maße Diskussionsgegenstände. Im Zuge der Pandemie und deren massiven Folgen für die Luftfahrt sind manche dieser Bereiche wieder etwas an den Rand getreten - die Verbände wollen sie nun im Angesicht der Krise wieder stärker in den Vordergrund holen.

"Eine Rückkehr zum 'Business as usual' ist für uns keine Option. Als Berufsverbände wollen wir unseren Teil dazu beitragen, das System zu überdenken und neu zu gestalten, Prioritäten zu verschieben und eine sichere, soziale und nachhaltige Luftverkehrsinfrastruktur wiederaufzubauen - zum Nutzen aller", heißt es in einem Statement der an diesem Projekt beteiligten deutschen Vereinigung Cockpit (VC).

Man habe gemeinsam acht Themenfelder identifiziert, die die Europäische Politik zur Priorität machen und in denen Ziele und Strategien für die Zukunft der Luftfahrt umgesetzt werden sollen. "Die Krise muss genutzt werden, um die eklatanten Schwachstellen im System anzugehen, damit mehr Nachhaltigkeit und Beständigkeit für alle Beteiligten geschaffen wird", so die VC.

Das sind die acht Themenbereiche von #TimeToRethink:

  1. Gesellschaftliche Nachhaltigkeit: "Soziale Verantwortung muss Richtschnur für das Handeln aller Beteiligten sein. Der Erhalt von Arbeitsplätzen muss Priorität haben"
  2. Ökologische Nachhaltigkeit: "Wachstum und Dekarbonisierung müssen vereint werden. Nationale, regionale und EU-Mittel müssen mit privaten Investitionen kombiniert werden, um Forschung und Entwicklung sowie die industrielle Produktion von nachhaltigen Kraftstoffen voranzutreiben."
  3. Gesamtsystem: "Alle Beteiligten des Luftverkehrs müssen nun zusammenarbeiten. Natürlich muss der Luftverkehr finanziell lebensfähig sein. Es gibt allerdings keinen automatischen Vorrang von Finanzinteressen vor dem öffentlichen Interesse, vor Passagieren und vor dem Personal."
  4. Reparieren und Verändern: "Marktverzerrungen durch das Ausnutzen rechtlicher Schlupflöcher, Outsourcing und atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Scheinselbstständigkeit müssen in allen Bereichen von den zuständigen Behörden endlich konsequent bekämpft werden. Außerdem funktioniert das System der europäischen Flugsicherung nur bei wachsendem Verkehr gut. Es muss umgebaut werden, um für Krisenzeiten gewappnet zu sein."
  5. Fähigkeiten und Qualifikationen: "In der hochkomplexen Luftfahrt sind die Fähigkeiten und Qualifikationen des Personals auf allen Ebenen das A und O für einen sicheren und geregelten Betrieb. Diese Kompetenzen müssen sowohl formal als auch inhaltlich erhalten werden. Eine Abwanderung der Fachkräfte in andere Branchen muss vermieden werden."
  6. Flugsicherheit: "Der Verlust an betrieblicher Routine und Fähigkeiten gibt ebenso Anlass zur Sorge wie Operationen außerhalb etablierter Sicherheitsvorschriften und die Lufttüchtigkeit von Flugzeugen, bedingt durch Kostensenkungen und Entlassungen in Wartungsbetrieben. Die Wiederherstellung und Verbesserung von Sicherheitsstandards und -niveaus muss Priorität haben. Im Zweifelsfall muss die Sicherheit immer Vorrang vor kommerziellen Erwägungen haben."
  7. Neuer Fokus: "Neue Konzepte wie Remote Tower Operations und Reduced Crew Operations werden weiter vorangetrieben, ohne ein gleichwertiges Sicherheitsniveau sicherzustellen und ohne die sozialen Auswirkungen zu berücksichtigen. Statt solcher Maßnahmen muss die gemeinsame Rückkehr zu einem sicheren und funktionierenden System im Fokus stehen."
  8. Europa: "Für einen fairen Wettbewerb sind folgende Punkte unabdingbar: Ein gemeinsamer Regulierungsrahmen für alle Airlines und eine Verteidigung gegen subventionierte Wettbewerber aus Drittländern; die Beschränkung bestimmter Verkehrsrechte, des Wet-Leasings aus Drittstaaten und der Fragmentierung der Flugsicherung; die Aufrechterhaltung und Durchsetzung von Eigentums- und Kontrollvorschriften, anstatt diese zu lockern und den Zugang zum europäischen Markt noch weiter zu liberalisieren."
Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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