Thomas Cook in der Insolvenz gelandet

Condor fliegt vorerst weiter.

Airbus A321 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die Zeichen für einen der ältesten und weltgrößten Tourismuskonzerne sind schon in den letzten Wochen schlecht gestanden. Am Montag wurde es nun offiziell: Die Thomas Cook Group plc hat vor dem britischen obersten Gerichtshof die Zwangsliquidation beantragt, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Diesem Schritt sind mehrere Rettungsversuche vorangegangen - letzte Verhandlungen sind aber am Wochenende gescheitert. "Ich und der Rest des Vorstands bedauern zutiefst, dass wir nicht erfolgreich waren", erklärte der Schweizer CEO des Unternehmens Peter Fankhauser. Bei der Thomas Cook Group waren zuletzt rund 20.000 Menschen beschäftigt. Ein kurzfristiger Staatskredit des Vereinigten Königreichs wurde abgelehnt. Premierminister Boris Johnson bestätigte dies gegenüber diversen britischen Medien.

Die Insolvenz im Vereinigten Königreich hat auch Auswirkungen auf die deutsche Thomas Cook GmbH, die unter anderem mit den Marken Neckermann, Bucher, Öger, Air Marin und Thomas Cook Signature auf dem Markt ist. Das Unternehmen teilte mit, dass man gebuchte Reisen mit Abflugdatum am 23. und 24. September 2019 nicht sicherstellen könne. Derzeit lote man einige letzte Möglichkeiten aus und falls diese scheitern sollten, werde man für die Thomas Cook GmbH sowie Schwester- und Tochtergesellschaften ebenfalls Insolvenz beantragen.

UK stellt den Flugbetrieb ein, Condor fliegt weiter

Der Flugbetrieb der britischen Thomas Cook Airlines musste nach der Landung von MT2643 (Orlando-Manchester) eingestellt werden. Die Zivilluftfahrtbehörde suspendierte das AOC und die Betriebsbewilligung. Ebenfalls betroffen ist Thomas Cook Scandinavia, die für 23. September 2019 sämtliche Flüge streichen musste. Condor inklusive der Schwestern Thomas Cook Aviation (vormals Air Berlin Aviation) und Thomas Cook Balearics sind weiterhin in der Luft.


Airbus A330-300 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die deutsche Ferienfluggesellschaft betont auf ihrer Homepage, dass man weiterhin planmäßig fliegen kann. Hinter den Kulissen soll allerdings über eine Notlösung verhandelt werden, denn das Handelsblatt berichtet, dass man bei der deutschen Bundesregierung einen Notkredit beantragt habe. Ob dieser gewährt wird oder nicht ist noch völlig offen.

"Matterhorn" - UK leitet größte Rückholaktion ein

Während in Deutschland die Insolvenzversicherungen eine Rückholung sicherstellen müssen und gegebenenfalls für die Kundengelder haften, ist in UK hierfür eine staatliche Stelle eingerichtet. Unter dem Projektnamen „Matterhorn“ leitete die CAA die größte Rückholaktion der Geschichte ein. Maschinen diverser Fluggesellschaften, darunter auch ein Airbus A380 von Malaysia Airlines und drei Boeing 767 von Eastern Airlines, werden nun britische Urlauber zurück ins Vereinigte Königreich holen. Weitere Airlines, die im Rahmen der Rückholaktion im Einsatz sind, sind: Atlas Air, Euro Atlantic, Hifly, Miami Air, British Airways, Easyjet, Wamos und Nile Air.


Boeing 757-200 (Foto: Thomas Ramgraber).

Ein ursprünglich bereits ausverhandelter Rettungsplan für Thomas Cook scheiterte daran, dass kurzfristig der Kapitalbedarf um weitere 200 Millionen Pfund gestiegen war. Dem Vernehmen nach konnte hierfür kein privater Kapitalgeber gefunden werden und auch der britische Staat war nicht bereit mit einem Überbrückungskredit einzuspringen. Nach einem langen Verhandlungsmarathon am Wochenende musste Thomas Cook nach 178 Jahren Insolvenz anmelden. Die nunmehrigen Finanzprobleme sind auch eine Nachwirkung der Probleme, die man im Jahr 2012 hatte. Damals wurde der Konzern mit Hilfe von Bankkrediten vor der Pleite bewahrt, jedoch erdrückte die Schuldenlast offensichtlich.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.
    Autor: Jan Gruber
    Leitender Redakteur
    Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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