Teures "Corona-Parken" am Flughafen Wien in der Kritik

Rund 36.000 Euro muss allein die AUA für ihre Boeing 777-Flotte pro Monat an den Airport fürs Parken bezahlen.

Auf dem Flughafen Wien abgestellte Airbus A320 der Fluggesellschaft Lauda (Fotos: Thomas Ramgraber).

Die österreichische Fluggesellschaft Lauda kritisiert die die Gebühren, die für das Abstellen von Flugzeugen derzeit auf dem Airport Wien-Schwechat anfallen. Nach Angaben des Carriers gibt es keine vergünstigten „Corona-Tarife“, sondern es wird laut Preisliste abgerechnet. Hierfür sind Lauda, Austrian Airlines, Level, Wizzair und allen anderen „Parkenden“ mittlerweile hohe Kosten entstanden. Die Lauda-Geschäftsleitung wandte sich nun auch an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), wie AviationNetOnline berichtete.


A320 von Lauda und Boeing 737-800 der Konzernmutter Ryanair stehen sich in Wien sprichwörtlich die Räder platt.

Die Airline fordert nun, die österreichische Bundesregierung dazu auf, dass es der Flughafen Wien AG untersagt werden soll aus der schwierigen Situation Profit zu schlagen. Man verweist darauf, dass die temporäre Stilllegung der Flotten dazu führte, dass zahlreiche Airlines zum Parken zu hohen Preisen gezwungen sind. Gleichzeitig profitiere der Flughafenbetreiber davon, dass die Belegschaft in Kurzarbeit geschickt wurde. „Diese Gebühren sollten jedoch für die Dauer der COVID-19- Ein- und Ausreisebeschränkungen erlassen werden, sowie es bereits bei zahlreichen anderen EU – Flughäfen praktiziert wird.  Sollte der Flughafen Wien die Forderung auf den Verzicht der überhöhten Parkgebühren verweigern, muss sich die österreichische Regierung unter Sebastian Kurz hierfür einsetzten und eine entsprechende Verordnung erlassen“, fordert die Fluggesellschaft Lauda in einer Presseerklärung.

"Es sollte einem Monopolisten wie dem Wiener Flughafen nicht gestattet sein, aus der derzeitig schwierigen Situation Profit zu schlagen.  Wir fordern die österreichische Regierung daher auf, die ungerechtfertigten Parkgebühren für die Dauer der COVID-19- Reisebeschränkungen am Standort Wien für alle Airlines zu erlassen“, so Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber.


Auch Level-Maschinen sind am Flughafen Wien "eingelagert".

AUA muss für das Parken der Boeing-777-Flotte etwa 36.000 Euro pro Monat bezahlen

Laut öffentlich zugänglichem Tarifverzeichnis des Flughafens Wien betragen die Parkkosten für Maschinen des Typs Airbus A320 grob gerundet etwa 500 Euro pro Woche. Für etwa 20 Flugzeuge würden wöchentlich etwa 5.000 Euro an Kosten anfallen. Pro Monat wären dies grob gerundet 20.000 Euro.

Wesentlich teurer ist das Parken von Langstreckenmaschinen des Typs Boeing 777, die beispielsweise bei Austrian Airlines im Einsatz sind. Hierfür sind pro Maschine und Woche in etwa 1.500 Euro fällig. Für die sechs Tripple Seven der AUA können wöchentlich daher Parkgebühren in der Höhe von rund 9.000 Euro anfallen. Pro Monat sind des etwa 36.000 Euro.


Die AUA-Flotte ist ebenfalls weitgehend auf dem Flughafen Wien abgestellt.

Ein wenig günstiger kommt der Langstreckentyp Boeing 767, für den wöchentlich in etwa 1.100 Euro an Parkgebühren fällig werden. Austrian Airlines verfügt derzeit über sechs Einheiten dieses Typs. Das Parken am Flughafen Wien verursacht daher wöchentliche Kosten von etwa 6.600 Euro. Pro Monat sind dies ungefähr 26.400 Euro.

Regelrecht „günstig“ sind hingegen die Turbopropflugzeuge des Typs DHC Dash 8-400. Diese schlagen mit rund 219 Euro pro Woche und Maschine zu Buche. Laut Firmenhomepage verfügt die AUA derzeit über 15 Einheiten, die somit wöchentlich mit etwa 3.285 Euro fürs Parken zu Buche schlagen. Monatlich sind dies rund 13.140 Euro.

Die Höhe der Parkentgelte richtet sich prinzipiell nach dem Höchstabfluggewicht, dem so genannten MTOW, der jeweiligen Maschine. Wie aus den zuvor beispielhaft dargestellten Preisunterschieden der häufig am Airport Wien eingesetzten Muster ersichtlich, ist daher das „Parken wegen Corona“ für die DHC Dash 8-400 wesentlich billiger als das Abstellen der Airbus A320 oder gar der Langstreckenmaschinen der Typen Boeing 777/767. Der Airport würde selbstverständlich bei laufendem Flugbetrieb bedeutend mehr verdienen, jedoch kritisiert unter anderem die Fluggesellschaft Lauda, dass das Parken nicht freiwillig erfolgt und daher eine Lösung zur Entlastung der Nutzer des Airports gefunden werden muss.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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