SZG-Direktor Roland Hermann im Interview

Der Direktor des zweitgrößten heimischen Flughafens, Roland Hermann, spricht im Austrian-Aviation-Net-Gespräch mit Redakteur Jan Gruber über den neuen Tower, den “Schifahrer-Flughafen”, neue Strecken ab Salzburg, Regionalfluggesellschaften, Flughafengebühren, Wettbewerb im Bereich des Ground Handlings und Stiere, die ab Salzburg in die weite Welt fliegen wollten.

Roland Hermann ist Direktor des Salzburger Flughafens. (Foto: Salzburger Flughafen GmbH)

Salzburg ist weltweit für Wolfgang Amadeus Mozart, die Salzburger Festspiele und zahlreiche Wintersportmöglichkeiten bekannt. Der Flughafen Salzburg trägt den Namen des Komponisten und ist auch als “Schifahrerflughafen” mit einem eigenen “Schiterminal” im Winter für den internationalen Tourismus bedeutend. Austrian-Aviation-Net sprach mit Roland Hermann, der seit 30 Jahren bei der Flughafengesellschaft tätig ist und seit längerem als Direktor des Airports dessen Geschicke leitet.


Flughafen Salzburg aus der Vogelperspektive. (Foto: Salzburger Flughafen GmbH)

Austrian Aviation Net: Was gibt es in puncto Baumaßnahmen bei Ihnen in Salzburg an Neuigkeiten?
Roland Hermann: Unseren Tower. Wir werden den modernsten Tower Österreichs in Kürze in Betrieb nehmen. Dieser verfügt über vollelektronische Arbeitsplätze und ist seit Herbst 2012 im Probebetrieb. Im Frühjahr wird er dann “scharf”. Nebenbei haben wir unser neues Bürogebäude fertiggestellt. 

AANet: Salzburg ist auch als “Schifahrer-Flughafen” bekannt. Wie läuft die aktuelle Wintersaison?
Hermann: Wir sind momentan voll im Plan, jedoch Steigerungen werden wir heuer aufgrund der schwierigen Marktlage wahrscheinlich nicht haben. Es ist aber davon auszugehen, dass wir die Passagierzahlen der vorherigen Wintersaison konstant halten können.

AANet: Sie sprechen von einer schwierigen Marktlage...
Hermann: Bedingt durch das Ausscheiden der Air Berlin auf den Strecken Hamburg und Hannover ist einiges an Angebot nicht mehr vorhanden. Wesentlich problematischer ist allerdings der traditionell wichtige englische Markt, denn die wirtschaftlichen Probleme sind nicht gelöst und viele britische Schifahrer entscheiden sich dafür, dass sie erst gar nicht zum Schifahren fliegen. Manche Buchungen kommen bei den Fluggesellschaften dann sehr kurzfristig und das macht die Planbarkeit für den Operating Carrier natürlich nicht unbedingt gerade einfacher.

AANet: Während der warmen Jahreszeit sind die Schi im Keller eingelagert. Welche Passagiergruppen reisen dann von/nach Salzburg?
Hermann: Im Sommer ist die Passagiersituation besonders im Charterbereich genau umgekehrt. Während der Schisaison profitieren wir vom starken Incoming-Verkehr und während der warmen Jahreszeit sind es die Salzburger, die in den Urlaub reisen wollen. Aus diesem Grund haben wir auf unserem Flughafen auch ein sehr umfangreiches Linien- und Charterprogramm. Ein Magnet im Incoming-Verkehr sind in jedem Fall auch die Salzburger Festspiele, zu denen Besucher aus aller Welt anreisen. Salzburg ist eine Stadt, die man auf der ganzen Welt kennt und mit Österreich, den Festspielen und Wolfgang Amadeus Mozart verbindet. Während der Festspielzeit haben wir einen vermehrten Anstieg von Flugbewegungen durch Privatjets zu verzeichnen.

AANet: Und im Linienfluggeschäft...
Hermann: Wir sind an die Hubs Berlin-Tegel zwei mal täglich, Düsseldorf ab Mai drei mal täglich, Frankfurt am Main und Wien jeweils  4x täglich angebunden. Air Berlin stockt die Düsseldorf-Anbindung auf, was für Passagiere aus der Region eine optimale Nutzung der Transatlantik-Angebote ab Düsseldorf ermöglicht. Der Hub-Zubringer nach Frankfurt läuft regelrecht am Anschlag der Kapazität und hier ist es zu erwarten, dass Lufthansa manche Frequenzen mittelfristig mit größerem Fluggerät anbieten könnte.

AANet: Die innerösterreichische Anbindung nach Wien würde durch einen eventuellen Ausbau der Frankfurt-Anbindung oder einer Zürich-Alternative regelrecht ad absurdum geführt werden. Wie sehen Sie das?
Hermann: Wien hat auf jeden Fall noch Potential. Die AUA bietet ein sehr gutes Produkt, jedoch wurde sie meiner Meinung nach in den letzten Jahren in ihrer Weiterentwicklung auf der Mittel- und Langstrecke etwas ausgebremst, so dass viele Passagierströme über Frankfurt gebucht wurden oder gleich ab München. Man wird sehen wie schnell sich Austrian Airlines als wirklich gute Alternative positionieren kann. Point-to-Point geht auf der Strecke Salzburg-Wien nur sehr wenig, denn im Gegensatz zu Innsbruck mit einem sehr hohen Anteil an Point-to-Point-Passagieren fliegen ab Salzburg hauptsächlich Umsteigepassagiere. Ich sehe hier die Wettbewerbssituation auf der Schiene nicht als Konkurrenz, denn davon profitieren Point-to-Point-Reisende. Viel mehr das Flugangebot ab München stellt für uns in Salzburg einen Wettbewerber dar.


Flugbetrieb in Salzburg. (Foto: Martin Metzenbauer)

AANet: In Kürze wird Salzburg wieder eine Point-to-Point-Verbindung nach Zürich im Flugplan haben. Warum ist die Strecke für die Region sehr wichtig?
Hermann: Als Hubanbindung wäre das Angebot sehr relevant, jedoch mit reinem Geschäftsreiseverkehr und reinem Point-to-Point-Verkehr wird es eine große Herausforderung Ein Swiss Codeshare auf der Strecke wäre wünschenswert, dann würde Swiss die Destination Salzburg im gesamten Streckennetz bewerben und sicherlich so auch zusätzliche Passagiere zu uns hereinbringen. Wünschenswert ist eine Situation wie bei der Lufthansa die nach Frankfurt Durchgangstarife anbietet. Dieses Modell wäre auch für die Intersky Verbindung anch Zürich eine anstrebenswerte Sache und für jedes Flugsegment werden Meilen gutgeschrieben. Analog verhält es sich, bei Flügen mit Austrian Airlines über Wien oder Air Berlin über Berlin-Tegel und Düsseldorf. 

AANet: Welcher Unterschied besteht denn zwischen Graz und Salzburg im Bezug auf die Zürich-Strecke?
Hermann: Aus heutiger Sicht ist es so, dass die Verbindung zwischen Graz und Zürich ein sehr starkes Point-to-Point-Aufkommen durch Geschäftsreisende hat. In Salzburg ist die Situation aber anders. Rund 50 Prozent der Reisenden sind Geschäftsreisende im Point-to-Point-Verkehr nach Zürich. Die restlichen Passagiere wurden in der Vergangenheit durch Umsteiger generiert Ab Salzburg wird InterSky  mit 150 angebotenen Sitzen je Richtung und Tag starten und diese auf 210 Sitze aufstocken. InterSky wird eine Kooperation mit Swiss auf die Beine stellen, denn als Hubanbindung nach Zürich ins Streckennetz von Swiss sehe ich grosses Potential für diese Strecke. Hat schon in der Vergangenheit funktioniert und Zürich ist bei den Passagieren ein sehr beliebter Umsteigeflughafen.

AANet: Bei Cirrus Airlines hat das so gut funktioniert, dass man in die Insolvenz geflogen ist...
Hermann: Ich habe hier leider sehr unterschiedliche Informationen bekommen. Einerseits sprach man von einer Cash-Cow im Cirrus-Streckennetz mit sehr hohen Yields und andererseits war das verwendete Fluggerät auch problematisch. Die Dornier 328 ist in jedem Fall ein gutes und modernes Flugzeug, aber wirtschaftlich enorm schwierig zu betreiben. Durch die geringe Sitzplatzanzahl sind die Stückkosten, also jene Kosten pro Sitz, enorm hoch. Dazu kommt noch, dass die Dornier 328 wartungsintensiv sein soll. Cirrus Airlines hatte das Problem, dass sie pro Tag 93 Sitzplätze je Richtung angeboten haben und zu gewissen Tagen und Zeiten  war soviel Nachfrage da, dass ein Airbus noch zu klein gewesen waren. Andersherum gab es Zeiten bei denen die Dornier 328 zu groß war. Die Strecke Salzburg-Zürich hat eine langjährige Tradition. Im Jahre 1981 flogen Austrian Airlines und die damalige Swissair ohne Zusammenarbeit jeweils mit MD-80. Zu Hochzeiten hatte man über 100.000 Passagiere. Später flog Tyrolean bis zu vier mal täglich mit Swissair-Codeshare mit Fokker 70 nach Zürich. Mit der faktischen Beendigung der Zusammenarbeit zwischen Swissair, Austrian Airlines und Tyrolean Airways war die Strecke dann auch schnell weg. Man stellte diese wahrscheinlich auch deswegen ein, weil man Passagiere selbst über Wien fliegen wollte und diese nicht in eine nun fremde Allianz feedern wollte. Für die Region Salzburg ist eine Hub-Anbindung nach Zürich jedoch enorm wichtig und auch die Airlines können vom Ruf der Stadt und Region Salzburg profitieren. 

AANet: In Kürze wird Salzburg an den Hub Istanbul durch Turkish Airlines angebunden. Ist das eine Berreicherung für die Passagiere?
Hermann: Auf jeden Fall ist hier eine gute Nachfrage vorhanden, denn Turkish Airlines hat bereits vor dem ersten Abflug ein größeres Fluggerät geplant als ursprünglich angedacht. Die Airline ist ein ernsthafter Konkurrent zu Etihad, Emirates und anderen Carriern, die im Ost-Geschäft stark sind. Turkish ist Mitglied der Star Alliance, jedoch von Lufthansa vollkommen unabhängig. Die Strecke wird natürlich zu einem Teil auch durch den ethnischen Verkehr leben, jedoch ist das Umsteigeangebot in Istanbul sehr vielfältig und die Möglichkeit Star-Alliance-Meilen zu sammeln, macht es für Geschäftsreisende, die Richtung Osten, Afrika oder in die Türkei müssen, besonders attraktiv. Für den Flughafen Salzburg ist die Anbindung an den Hub Istanbul eine hervorragende Ergänzung und wird sicherlich in beide Richtungen zahlreiche Passagiere generieren. Salzburg ist dadurch im gesamten Streckennetz der Turkish Airlines buchbar und das kann sich auf auf der kulturellen Achse Europa-Istanbul nur positiv auswirken.

AANet: Wie viele Destinationen können insgesamt ab Salzburg gebucht werden?
Hermann: Rund 500 Ziele.


Salzburg Airport (Foto: Salzburger Flughafen GmbH)

AANet: Wie macht Salzburg auf sich aufmerksam?
Hermann: Einerseits profitiert die Region Salzburg natürlich davon, dass die Stadt weltbekannt ist und ganzjährig für den Tourismus attraktiv ist. Im Winter zum Schifahren und im Sommer zum Beispiel um die Salzburger Festspiele zu besuchen. Natürlich gibt es verschiedene Maßnahmen, die seitens der Wirtschaft, den Kulturausschüssen und dem Tourismusverband gesetzt werden, um noch mehr Menschen für Salzburg begeistern zu können. Als Flughafen sind wir natürlich dabei, aber primär ist es Sache der Touristik auf die Möglichkeiten, die in Salzburg geboten werden, aufmerksam zu machen.

AANet: Ihr Direktorenkollege Manfred Jung vom Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden sagte in einem Interview mit Baden TV, dass ein Flughafen keine Airline und kein Reisebüro wäre und lediglich die Infrastruktur zur Verfügung stellen würde. Nutzen müssten diese jedoch andere. Wie sehen Sie das?
Hermann: Das ist meiner Ansicht nach eine Teilwahrheit. Die Infrastruktur, die der Region zur Verfügung gestellt wird, wird natürlich im Sinne der Wirtschaft, des Tourismus und der Kultur genutzt, jedoch als Flughafenchef hat man sehr wohl eine Aufgabe, die weit über jene als reiner Infrastrukturverwalter hinausgeht. Es geht darum, dass diese kostendeckend und möglichst im Sinne der Flughafeneigentümer gewinnbringend wirtschaftlich betrieben werden kann. So hat man als Airport auch die Pflicht gegenüber der Region, dass man sich weiterentwickelt und um weitere Destinationen und Carrier wirbt. Das Umfeld ist sehr schwierig geworden, denn die finanziellen Belastungen sind in der Luftfahrt sehr stark gestiegen und gleichzeitig stehen die Fluggesellschaften in einem immer härteren Wettbewerb, so dass nicht viel Raum für große Abenteuer ist. Große Fluggesellschaften wie Air Berlin ziehen sich nach und nach aus dem Regionalfluggeschäft zurück und beschränken sich auf ertragreiche Netzwerkanbindungen wie nach Berlin-Tegel oder Düsseldorf. Natürlich entstehen dadurch auch Lücken, die Chancen für kleinere Anbieter wie InterSky eröffnen, doch das ist heute ein regelrechter High-Risk-Job. Kleine Fluglinien können sich keine Fehler mehr erlauben. Als Flughafendirektor kann ich neuen Anbietern natürlich mein Know-how über den Markt zur Verfügung stellen und ich freue mich im Sinne der Region über jede neue Strecke und jeden neuen Carrier, der bei uns in Salzburg aktiv wird.

AANet: Die österreichischen Flughäfen stehen im Kreuzfeuer der Kritik von Fluggesellschaften, dass diese durch ihre generell höheren Gebühren schlichtweg zu teuer wären, um neue Strecken anbieten zu können. Halten Sie eine Senkung der Flughafentarife für eine Möglichkeit, um die Luftfahrt in Österreich anzukurbeln?
Hermann: Wenn eine Strecke für eine Fluggesellschaft dauerhaft wirtschaftlich bedeutend ist, dann ist diese auch kostendeckend und gewinnbringend zu betreiben. Wenn nicht genug Potential vorhanden ist, so würde es nichts helfen hier mit Gebühren zu spielen, zumal dies wettbewerbsrechtlich überhaupt nicht zulässig ist. Ein wesentliches Merkmal einer gut funktionierenden Strecke ist, dass die Kosten vom Markt durch die Tickets getragen werden. Insofern: Ganz klares Nein. Eine Senkung von Gebühren würde die österreichische Flugwirtschaft nicht dauerhaft ankurbeln. Das wären allenfalls kurzzeitige Effekte. Als Flughafen sind wir an langfristigen und zuverlässigen Linienverbindungen interessiert und nicht an kurzen Gastspielen auf Strecken, bei denen von Anfang an klar ist, dass diese nicht ausreichend Passagiere generieren können. Ganz klar möchte ich hier aber Charterflüge abgrenzen, denn diese werden in der Regel von Reisebüros oder Tour Operators auf eigene Rechnung für einen bestimmten Zweck angeboten. Hier gibt es regelmäßige Charterflüge, aber auch einmalige Angebote. Ein Flughafen lebt von einer guten Mischung aus Linie, Charter, Fracht und General Aviation.

AANet: Ferda Yakar, Chef der Celebi Ground Services in Österreich, sagte in einem Interview gegenüber Austrian Aviation Net, dass man sich für die Bodenabfertigung in Salzburg interessieren würde, aber diese aufgrund der noch geringen Passagierzahlen momentan nicht machen könnte.
Hermann: Eine Fluggesellschaft hat die Möglichkeit der Selbstabfertigung. Das heißt, dass die Airline alle Aufgaben vom Check-In, über Vorfelddienste und so weiter selbst machen darf. Dieses Recht steht jeder Fluglinie zu. Die Airline kann dazu einen Subunternehmer beauftragen und ob das jetzt der Flughafen selbst, eine zum Flughafen gehörende Bodendienstetochter ist oder ein Drittanbieter, ist Sache der Fluggesellschaft. Ab zwei Millionen Passagieren pro Jahr muss es es einen zweiten Anbieter geben, wobei natürlich auch eine Fluggesellschaft andere Airlines abfertigen könnte. Warum nicht, wenn man das Personal ohnehin für eigene Flüge bezahlen müsste. Spezialanbieter wie Celebi Austria bieten ausschließlich Bodendienste an und sind hier sicherlich ein international erfahrener Spezialist. Momentan sind wir in Salzburg von der Zweimillionenmarke aber noch weit entfernt und wenn es einmal soweit ist, wird sich dann zeigen, ob Celebi oder ein anderer Anbieter seine Dienste in Salzburg anbieten möchte und wird. Luftfahrt ist ein dynamisches Gewerbe, bei dem manche Entwicklungen einfach nicht langfristig vorhersehbar sind.

AANet: Sie sind seit 30 Jahren für den Salzburger Flughafen tätig. In dieser langen Zeit haben Sie mit Sicherheit schon den ein oder anderen ungewöhnlichen Vorfall erlebt. Was ist in Salzburg “das Ereignis” Ihrer langen Berufslaufbahn gewesen, das es so sicher kein zweites Mal gab.
Hermann: In aller Früh wurde ich von meinem Betriebsleiter und Handlingchef sehr aufgeregt angerufen, dass wir ungewöhnliche Passagiere haben, die in den Urlaub fliegen wollen. Einige Jung-Stiere haben sich in das Terminal verirrt und wollten vielleicht in die weite Welt hinaus fliegen. Die Passagiere sind natürlich schon aus dem Terminal gelaufen und haben abgewartet was jetzt noch kommt, aber die Lage haben wir dann doch rasch in den Griff bekommen und aus der Urlaubsreise der Stiere wurde dann aus Sicht der Tiere leider doch nichts. Diese traten ihre Rückreise auf ihre Wiese an....

AANet: Vielen Dank für das Interview, Herr Hermann. 

Autor: Jan Gruber

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