Swiss: Bernhard Wodl im Gespräch

Der Swiss-Chef für Österreich sowie Zentral-Osteuropa im Interview mit Austrian Aviation Net.

Fotos: Martin Metzenbauer, Austrian Aviation Net

Der Österreicher Bernhard Wodl betreut bei Swiss als "Head of Austria and Central Eastern Europe" ein großes Vertriebsgebiet von insgesamt 16 Märkten. Im Interview mit Austrian Aviation Net spricht Wodl unter anderem darüber, hohe Qualität zu konkurrenzfähigen Preisen zu bieten, warum eine Kooperation mit InterSky nicht einfach ist und warum es in der Schweiz keine Emirates-Panik gibt.

Austrian Aviation Net: Swiss gilt als Qualitätsairline. Bei vielen Carriern hat man aber das Gefühl, dass der Preis wichtiger als die Qualität an Bord ist. Wie sehen Sie das?

Bernhard Wodl: Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Kunden. Den einen ist der Preis wichtiger und die Qualität zweitranging, bei den anderen ist es umgekehrt. Swiss möchte beide Segmente ansprechen. Wir bieten - entsprechend unserem hochwertigen Produkt - durchausattraktive Preise. Grundsätzlich orientieren wir uns aber an den bekannten Schweizer Werten – daher lautet unser Slogan auch „our sign is a promise“. Werte wie Qualität, Verlässlichkeit und Pünktlichkeit stehen dabei ganz oben.

Austrian Aviation Net: Sie bringen auf Ihren Flügen das Thema „Schweiz“ auch immer wieder unter.

Bernhard Wodl: Ja, beispielsweise durch „Swiss Taste of Switzerland“. Dabei wird viermal im Jahr eine Schweizer Region kulinarisch vorgestellt. Derzeit geniessen die Gäste der First- und Business Class beispielsweise Spezialitäten aus Graubünden.

Austrian Aviation Net: Trauen Sie sich zu sagen, was Sie in Blick auf Ihr Bordprodukt von den Schwesterfluglinien abhebt?

Bernhard Wodl: Wir haben sicher den Vorteil, dass wir bezüglich Grösse eine überschaubare Fluglinie sind. So versuchen wir beispielsweise, zu unseren Vielflieger-Kunden eine persönliche Beziehung aufzubauen, die sich unter anderem durch gelegentliche kleine Aufmerksamkeiten zeigt. Aber auch unsere Flight Attendants werden trainiert, den persönlichen Touch zu zeigen. So gibt es beispielsweise keine vorgegebene Ansage in den Fliegern.

Austrian Aviation Net: Swiss setzt auf interkontinentalen Flügen – im Gegensatz zu anderen Fluglinien – ohne Ausnahme auf die First Class. Was ist das Besondere an der ersten Klasse bei der Schweizer Gesellschaft?

Bernhard Wodl: In der Tat sind wir die einzige Fluglinie in Europa, die auf allen ihren Langstreckenfliegern eine First Class anbietet. Als Qualitätsairline wollen wir auch ein „volles“ Produkt bieten. Abgesehen davon wäre es bei unserer Flotte von lediglich 30 Langstreckenflugzeugen auch schwierig, unterschiedliche Konfigurationen einzusetzen.
Besonderheiten gibt es in unserer First Class viele.

So sind die Tische in Echtholz ausgeführt. Die Farbgebung in der Kabine nimmt Bezug auf Erde und Himmel. Kulinarisch gibt es nicht nur Haute cuisine, sondern auch beliebte Schweizer Schmankerl wie beispielsweise die Kalbsbratwurst. Aber auch der Käse hat einen hohen Stellenwert. Auf Wunsch können sich Fluggäste beispielsweise während dem Essen auch gegenüber sitzen.

In Zürich bieten wir für unsere Top-Kunden vor dem Abflug eine First Class Lounge an, wo man bereits vor dem Boarding exquisit speisen kann. Nach der Ankunft steht in Zürich seit rund einem Jahr eine Arrival Lounge zur Verfügung.

Bernhard Wodl (rechts) im Gespräch mit Austrian Aviation Net Herausgeber Martin Metzenbauer.

Austrian Aviation Net: Kommen wir geografisch etwas näher, nämlich nach Österreich. Die Strecke Wien-Zürich ist ja eine der ältesten Verbindungen ab Schwechat und wird derzeit im AUA-Swiss-Codeshare bis zu achtmal täglich geflogen. Früher war Swissair aber auch auf manchen Bundesländer-Flughäfen zuhause. Wie sieht es in näherer Zukunft mit Verbindungen von den Regionalairports aus?

Bernhard Wodl: Auf den Bundesländerflughäfen sehe ich einiges an Potential – nur fehlt es uns am geeigneten Fluggerät.

Austrian Aviation Net: Da könnten doch Airlines wie InterSky, die von Graz und Salzburg nach Zürich fliegt, einspringen?

Bernhard Wodl: Das ist richtig. Wir prüfen auch eine mögliche Zusammenarbeit mit InterSky, nur scheitert das derzeit an technischen Details. Dabei geht es in erster Linie um die Schnittstellenproblematik zwischen den einzelnen Computersystemen. Abgesehen davon müssen wir aber auch sichergehen, dass den SWISS-Passagieren auch SWISS-äquivalentes Service geboten wird. Was passiert beispielsweise, wenn ein Flieger ausfällt?  Prinzipiell sind wir aber interessiert und schauen, ob wir die Probleme lösen können. Mit einer Entscheidung rechne ich aber erst im Juni.

Austrian Aviation Net: Denken Sie, dass nach dem Rückzug der AUA aus der Bodenseeregion vermehrt Passagiere aus Vorarlberg über Zürich fliegen?

Bernhard Wodl: Nein, das glaube ich eigentlich nicht. Ich denke, dass man hier eher auf München umsteigen wird – unter anderem aufgrund des ungünstigen Wechselkurses zwischen Euro und Franken.

Austrian Aviation Net: Wie setzt sich eigentlich das Swiss-Klientel ab Wien zusammen?

Bernhard Wodl: Das sind etwa jeweils ein Drittel Punkt-zu-Punkt-Fluggäste, Umsteiger nach Europa und Transferpassagiere zu Fernzielen. Wir forcieren auch gemeinsam mit Schweiz Tourismus den Incomingverkehr in die Schweiz.

Austrian Aviation Net: In die Schweiz kann man mit Swiss auch in der Business Class recht günstig kommen?

Bernhard Wodl: Es gibt die Möglichkeit, ein Business-Class-Upgrade von jedem Economy-Tarif zu buchen – und zwar um 130 Euro nach Zürich und um 150 Euro zu europäischen Destinationen.

Austrian Aviation Net: Das Kontingent dafür dürfte aber wohl überschaubar sein...

Bernhard Wodl: Nein, wir haben hier meistens genug Kapazität für diese Upgrades.

Austrian Aviation Net: Was sind die liebsten Umsteigeverbindungen der Österreicher in Zürich?

Bernhard Wodl: Das sind beispielsweise die nordamerikanischen Ziele wie Los Angeles, San Franciso, Miami oder New York. Wir fliegen ja einmal täglich nach Newark und zweimal pro Tag zum JFK. Dort haben wir den Vorteil, dass wir in einem kleineren Terminal als Lufthansa und AUA abgefertigt werden – mit deutlich kürzeren Wartezeiten bei der Immigration.

Austrian Aviation Net: Welche anderen Regionen werden ab Österreich gerne gebucht?

Bernhard Wodl: Zum Beispiel asiatische Ziele wie Shanghai aber auch afrikanische Destinationen wie Dar-es-Salam oder Nairobi.

Austrian Aviation Net: Sie haben ja Ihr Büro im Headquarter von Austrian Airlines. Wie sieht die Zusammenarbeit mit der AUA aus?

Bernhard Wodl: Hier gibt es eine klare Aufteilung. Wir geben für das Produkt SWISS die Strategie vor, die AUA kümmert sich in ihren Märkten um die Umsetzung. Dabei unterstützen wir die Kollegen natürlich auch und kümmern uns um Promotion.

Arrival Lounge von Swiss in Zürich.

Austrian Aviation Net: Wo und wie werben Sie eigentlich in Österreich?

Bernhard Wodl: Hier sind wir in erster Linie im Online-Bereich und bei Einzelaktionen tätig. Print ist für uns nur von untergeordneter Bedeutung.

Austrian Aviation Net: Neben Österreich sind Sie für 15 weitere Märkte in Osteuropa zuständig. Welche sind hier besonders wichtig und interessant?

Bernhard Wodl: Besonders wichtig sind sicherlich Polen und Tschechien. Aber auch Ungarn ist nach der Malév-Pleite interessant.

Austrian Aviation Net: Ihr Team in Wien muss ja bei dieser Zahl an betreuten Regionen riesig sein.

Bernhard Wodl: Ganz im Gegenteil. Ich habe hier nur sechs Mitarbeiter. Vor Ort sind aber die jeweiligen Mitarbeiter von AUA oder Lufthansa.

Austrian Aviation Net: Ein ganz anderes Thema: In Wien scheint man besonders große Angst vor Golfcarriern zu haben. Erst kürzlich wurden Emirates ein zusätzlicher wöchentlicher Flug nach Dubai, Codeshare mit Qantas und der Einsatz des A380 in Österreich verwehrt. Ist man in der Schweiz in diese Hinsicht auch so panisch?

Bernhard Wodl: Nein, sicher nicht. Erstens bringt Emirates viele Touristen in die Schweiz und zweitens sind unsere eigenen Flüge nach Dubai exzellent gebucht.

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CARGOLUX / LX-NCL
Maleth Aero / 9H-VOX
ANTONOV AIRLINES / UR-09307
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Antonov Airlines / UR-82007

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