Stichprobe: Verkauf von Extras ist für Billigflieger essentiell wichtig

Auch wenn sämtliche Zusatzleistungen dazu genommen werden, können Lowcoster wie Wizzair und Lauda dennoch deutlich billiger sein als Austrian Airlines, denn auch die Lufthansa-Tochter kassiert für diverse "Extras" kräftig. Das Verhältnis Ticketpreis / Extraleistungen ist allerdings bei der AUA so, dass es offensichtlich "Extras" sind, während bei Wizzair und Lauda Zusatzleistungen unterm Strich ein Vielfaches des Nur-Flug-mit-Minihandgepäck-Preises ausmachen können.

Flughafen Wien (Foto: Martin Metzenbauer).

Der Verkauf von optionalen Extras ist insbesondere für Billigfluggesellschaften wie Lauda und Wizzair ein äußerst wichtiger Bestandteil der Einnahmen. Verschmäht werden Lowcoster in Österreich durchaus mit dem Spruch, „wenn man dann einen Koffer dazu nimmt, dann kostet’s auch so viel wie bei der AUA“, doch diese „Bauernregel“ trifft nicht zu, denn auch die Lufthansa-Tochter bittet kräftig zusätzlich zur Kasse.

In einer nicht repräsentativen Stichprobe wurden die Flugpreise und insbesondere die Kosten für optionale Zusatzleistungen auf zwei fiktiven Return-Reisen verglichen. Mit Lauda und Austrian Airlines von Wien nach Stuttgart und zurück sowie mit Wizzair und Austrian Airlines von Wien nach Varna und wieder zurück. Jeweils wurden die gleichen Flugtage mit ähnlichen Flugzeiten ausgewählt und dabei sämtliche verfügbaren Extras – sofern diese für die Reise sinnvoll erscheinen – dazu gewählt. Um eine Vergleichbarkeit gewährleisten zu können, wurden auch die Buy-on-Bord-Menüs von Wizzair und Lauda berücksichtigt.

Wien-Stuttgart-Wien: AUA wäre um 271,97 Euro teurer als Lauda gewesen

Bemerkenswert ist dabei, dass Austrian Airlines auf der Strecke Wien-Stuttgart lediglich drei zusätzliche Optionen anbietet: Die Mitnahme eines Koffers (23 Kilogramm) für 25 Euro pro Strecke, eine Sitzplatzreservierung für 12 Euro und ein Bordmenü für 15 Euro. Weitere Extras wurden während dem Buchungsvorgang nicht vorgeschlagen. Anders die Situation bei Lauda, denn gleich eine ganze Reihe von Extras, darunter Sitzplatzreservierung (4 Euro), Gepäckstück mit 20 Kilogramm (25 Euro), Priority Boarding inklusive zweitem Handgepäckstück (9 Euro) und so weiter stehen zur Auswahl.

Unter der Annahme, dass sämtliche in der Tabelle ersichtlichen Extras bei Austrian Airlines und Lauda dazu gekauft werden, so werden bei der AUA 104 Euro fällig und bei Lauda 100,25 Euro. Betrachtet man jedoch die reinen Flugpreise für das jeweilige Return-Ticket, zeigt sich sehr rasch, dass Zusatzleistungen bei Lauda eine essentiell wichtige Einnahmequelle sind, während diese bei der AUA eher „Beiwerk“ sind. Die Ryanair-Tochter bot die Flüge zum Zeitpunkt der Stichprobe für 19,98 Euro (return) an, während bei der Lufthansa-Tochter 288,20 Euro fällig geworden wären. Es ist darauf hinzuweisen, dass Austrian Airlines im direkten Vergleich mit Lauda ein größeres Handgepäckstück ohne Aufpreis gestattet und an Bord ein Getränk und ein Snack bereits inkludiert sind, während bei Lauda beispielsweise für einen Becher Wasser extra zu bezahlen ist.

Die Preisdifferenz zwischen den beiden Anbietern ist allerdings auch ohne Zubuchung von Extras enorm, denn während bei Lauda weniger als 20 Euro fällig werden, müsste man bei der AUA fast 290 Euro auf den Tisch legen. Ob ein größeres Handgepäckstück sowie Snack und Getränk an Bord eine dermaßen krasse Preisdifferenz wert sind, müssen Konsumenten selbst entscheiden.

Unter Berücksichtigung aller verfügbarer Extras sind bei Austrian Airlines 392,20 Euro fällig, während Lauda lediglich 120,23 Euro verlangt. Die jeweiligen „Gesamtpakete“ sind ungefähr vergleichbar, wobei bei Lauda zwei Handgepäckstücke, Priority Boarding und in Stuttgart die Security-Fastlane dabei wären und bei der AUA drei Kilogramm mehr Check-In-Gepäck sowie eine warme Mahlzeit aus dem Hause Do & Co. Es ist weder bei Austrian Airlines noch bei Lauda notwendig irgendeines der angebotenen Extras zu erwerben, um befördert zu werden. Allerdings sollten dann die jeweiligen Handgepäckbestimmungen genau eingehalten werden und bei Lauda auch auf den Web-Check-In nicht vergessen werden, denn Verstöße gegen die Bestimmungen der Airlines können unter Umständen zu hohen Zusatzkosten direkt am Flughafen führen.

Stichprobe 1: Wien-Stuttgart-Wien auf einen Blick

 

Extras auf Wien-Varna-Wien bei Wizzair teurer als bei Austrian Airlines 

Beim nicht repräsentativen Preisvergleich für eine Return-Flugreise von Wien nach Varna (Bulgarien) und zurück, zeigte sich ein ähnliches Bild wie auf der Stuttgart-Strecke. Mit einem Return-Preis von 29,98 Euro bietet Wizzair einen im direkten Vergleich mit Austrian Airlines (178,44 Euro) erheblich billigeren „Grundpreis“ an. Während Austrian Airlines die Mitnahme eines Handgepäck-Stücks im IATA-Standardformat gestattet sowie ein Snack und ein Getränk an Bord frei sind, kassiert der ungarische Mitbewerber hierfür extra.

Betrachtet man die angebotenen Zusatzleistungen, so fällt eine Option bei Wizzair sofort auf: Für 10 Euro pro Flug kann der Schalter-Check-In dazu gekauft werden. Diese simple und für die Reise möglicherweise notwendige Tätigkeit kassiert Austrian Airlines nichts extra. Im Gegensatz zu Lauda bietet der ungarische Carrier zum Zeitpunkt der Buchung an, dass der Check-In am Schalter dazu gekauft werden kann, denn auch Wizzair kassiert kräftig extra, wenn man ohne diese Option ohne Bordkarte am Handy oder auf Papier ausgedruckt am Airport erscheint. Bei Austrian Airlines lauert hier – im Gegensatz zu Wizzair und Lauda – keine Kostenfalle.

Die billigsten Sitzplatzreservierungen waren in den fiktiven Testbuchungen in diesem Fall bei Wizzair mit 8,50 Euro günstiger als bei Austrian Airlines mit 12 Euro. Das zweite Handgepäckstück würde bei der ungarischen Billigfluggesellschaft allerdings mit 15 Euro zu Buche schlagen und kostet damit fast halb so viel wie ein 20-Kilogramm-Check-In-Koffer. Ein 23-Kilogramm-Gepäckstück ist bei der AUA mit 25 Euro ein bisschen günstiger. Do&Co-Menüs wurden seitens Austrian Airlines auf dieser Strecke nicht angeboten. An Bord sind ein Getränk und ein kleiner Snack kostenfrei. Bei Wizzair muss für ein Brötchen, ein Getränk und eine kleine Süßigkeit die Geldbörse gezückt werden, denn hierfür wären 6,50 Euro fällig.

Beim Kauf sämtlicher in der Tabelle ersichtlichen Extras würde Austrian Airlines 74 Euro extra verdienen, während Wizzair mit 138 Euro fast doppelt so viel einnehmen würde. Allerdings wären bei den Ungarn auch Priority Boarding und zwei Handgepäckstücke mit jeweils unterschiedlichem Maximalmaß dabei, während bei der AUA drei Kilogramm mehr Check-In-Gepäck aufgegeben werden dürfen.

Betrachtet man den Gesamtpreis, so ist Wizzair mit 167,98 Euro deutlich günstiger als Austrian Airlines mit 252,44 Euro. Es ist auch hier darauf hinzuweisen, dass der Zukauf von Extras für die Beförderung nicht notwendig ist, sofern die Bestimmungen – bei Wizzair auch hinsichtlich des Online-Check-Ins – für das Handgepäck eingehalten werden. Bei Missachtung können bei beiden Anbietern hohe Extrakosten am Flughafen entstehen.

Stichprobe 2: Wien-Varna-Wien auf einen Blick

 

Fazit: Wizzair und Lauda sind auf Verkauf von Extras angewiesen

Diese Stichprobe ist nicht repräsentativ und erhebt auch nicht den Anspruch repräsentativ zu sein, denn die Flugpreise bei Lauda, Wizzair und Austrian Airlines sind dynamisch. Flüge, die im einen Moment noch 9,99 Euro gekostet haben, können im nächsten Augenblick erheblich teurer oder aber noch billiger sein. Das macht es auch für Konsumenten kompliziert, denn eine einfach verständliche Logik für die Preisgestaltung gibt es nicht, da diese sich an unglaublich vielen Faktoren orientiert. Diese Stichprobe sollte lediglich vergleichen wie hoch der Anteil der möglichen Erlöse aus Zusatzverkäufen bei Wizzair und Lauda im direkten Vergleich mit Austrian Airlines sein kann. Diese machen – sofern sämtliche in den Tabellen ersichtlichen Extras dazu gekauft werden – ein Vielfaches des reinen Flugpreises aus, was auch klar und deutlich zeigt, dass der Verkauf von Zusatzleistungen ein essentieller Bestandteil des jeweiligen Geschäftsmodells ist.

Da die am jeweiligen Flugtag auf der jeweiligen Strecke billigsten Tickets bei allen drei Anbietern ausgewählt wurden, ist zumindest vergleichbar wie stark ausgeprägt der Verkauf von Extra-Leistungen bei Lauda, Wizzair und Austrian Airlines ist. Dabei zeigte sich auch, dass ein höherer AUA-Flugpreis keinesfalls garantiert, dass beispielsweise die Mitnahme eines Koffers oder eine Sitzplatzreservierung günstiger sein muss als bei den beiden Konkurrenten. Hierbei ist auch deutlich darauf hinzuweisen, dass Austrian Airlines überwiegend mit fixen Preisen für diese Extras arbeitet, während bei Lauda und Wizzair die Preise je nach Route und Nachfrage abweichen können. Genau aus diesem Grund sind Preisvergleiche also nur zum Zeitpunkt der Buchung möglich und es kann daher durchaus sein, dass andere Termine ein völlig differenziertes Bild liefern können.

Zu den beiden willkürlich ausgewählten Reiseterminen wären sowohl bei der Buchung von „Flug ohne Extras“ als auch beim Zukauf sämtlicher verfügbarer und sinnvoller Zusatzleistungen die Billigflieger gegenüber Austrian Airlines billiger gewesen. Während bei der Varna-Buchung die Preisdifferenz mit etwa 84,46 Euro nicht ganz so extrem ist, zeigt Stuttgart ein gänzlich anderes Bild: Stolze 271,97 Euro wäre Lauda gegenüber Austrian Airlines zum Zeitpunkt der Datenerhebung billiger gewesen. Bei einer solch heftigen Preisdifferenz bei fast identischen Leistungen stellt sich natürlich die Frage welcher Mehrwert eigentlich geboten werden soll, jedoch muss dies jeder Konsument in der freien Marktwirtschaft für sich selbst entscheiden.

Was aber auch zu berücksichtigen ist: Wenn der jeweilige Passagier sich brav an alle Bestimmungen hält und kein einziges Extra dazu kauft, so würde Lauda auf Wien-Stuttgart-Wien mit einem Return-Preis von 19,98 Euro rein gar nichts verdienen. Wizzair mit 29,98 Euro auf Wien-Varna-Wien ebenfalls nicht. Beide Billigflieger würden kräftig draufzahlen und damit Verluste machen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass beide Anbieter darauf spekulieren, dass möglichst viele Extras dazu gekauft werden, so dass unter dem Strich die Beförderungsleistung wirtschaftlich wird. Bei beiden Musterbeispielen würde dies allerdings auch beim Zukauf sämtlicher angebotener Zusatzleistungen äußerst schwierig werden, da der jeweilige Oneway-Gesamtpreis dennoch deutlich unter 100 Euro pro Oneway liegt.

Jene Preise, die Austrian Airlines zum Zeitpunkt der Datenabfrage auf den beiden Routen angeboten hat, können ohne den Zukauf von Zusatzleistungen möglicherweise knapp ermöglichen, dass zumindest eine schwarze Null geschrieben werden kann. Nach Varna erscheint dies dennoch sehr schwierig, da auch hier der Oneway-Flugpreis erheblich unter 100 Euro liegt. Beim Zukauf sämtlicher Extras könnte die AUA nach Varna zumindest ein kleines bisschen Geld verdienen. Nach Stuttgart dürfte in diesem Fall deutlich profitabel geflogen werden.

Die Mutmaßungen bezüglich der Profitabilität der Flüge inklusive und exklusive der angebotenen Zusatzleistungen setzen voraus, dass die jeweiligen Maschinen am jeweiligen Abflugtag üblich ausgelastet sind, denn Airlines verdienen nur dann Geld, wenn sie ihre Flugzeuge vollbekommen und unterm Strich einen möglichst hohen durchschnittlichen Verdienst pro Sitzplatz erzielen können. Ein nicht verkaufter Sitzplatz bringt keine Einnahmen und drückt die Profitabilität nach unten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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