Steiniger Weg in eine saubere Zukunft

Großer Umweltdruck auf die Luftfahrt.

A319 (www.airteamimages.com).

Der Druck auf die Luftfahrtindustrie ist groß, ihren CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Fridays for Future, die Klimaziele, die Politik sowie die eigenen Kosten zwingen zum Handeln. Im Rahmen des World Media Day in Genf widmete die Weltluftfahrtorganisation IATA dem Thema Umwelt einen Schwerpunkt.

Wenn es um Fliegen und Umwelt geht, geht es nicht nur um CO2. Beim CO2 ist viel zu tun, obwohl schon viel erreicht worden ist. Der CO2-Ausstoß pro Passagier hat sich seit 1990 halbiert, hauptsächlich durch neue Flugzeuge und Triebwerke, in die rund 1000 Milliarden Euro investiert worden sind. Weil sich die Zahl der Passagiere weltweit seit 1990 von 1,1 auf 4,6 Milliarden vervierfacht hat, hat der CO2-Ausstoß trotzdem zugenommen.

Um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen, nämlich den CO2-Ausstoß bis 2050 gegenüber 2005 zu halbieren und ab kommenden Jahr CO2-neutral zu wachsen, sind gewaltige Anstrengungen nötig. Da setzt die Industrie auf zwei Säulen.  Zum einen auf weitere neue, effizientere Flugzeuge, auf den Einsatz von nachhaltigen Treibstoffen und auf die Optimierung des Luftraums, wie kürzere Wege zwischen A und B. Zum anderen sollen Kompensationen und die Entwicklung völlig neuer Technologien helfen, die Ziele zu erreichen.

Airbus zum Beispiel will bis 2035 das erste CO2-freie Flugzeug auf den Markt bringen, mit 100 Sitzen und regional einsetzbar. Die Triebwerkshersteller arbeiten an elektrischen Triebwerken und an Hybridantrieben. Die aus heutiger Sicht notwendige Größe und das Gewicht der Batterien setzt da aber klare Grenzen. Bei Langstreckenflügen gibt es für die Gasturbine bis heute keine sinnvolle Alternative.

Alternative Treibstoffe wären tatsächlich ein „CO2-Killer“. Es gibt sie bereits, mit 220.000 Testflügen von 14 Fluglinien kann man das System als erprobt bezeichnen. Bis zu 50 Prozent Beimischung ist heute schon möglich. Das Problem: obwohl die Produktion stark ansteigt, werden bis 2025 erst zwei Prozent des Bedarfs erzeugt werden. Dazu sind alternative Treibstoffe derzeit drei Mal so teuer wie fossile Brennstoffe. Fluglinien wie KLM oder British Airways sind in die Produktion eingestiegen, BA zum Beispiel stellt aus 500.000 Tonnen Hausmüll 40.000 Tonnen Biosprit her. Einer der Vorreiter bei alternativen Treibstoffen für die Luftfahrt ist übrigens Kalifornien.

Grafik: IATA.

Ein seit Jahrzehnten ungelöstes Problem ist, in Europa, der einheitliche Luftraum. Er alleine würde 10 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. Mit kürzeren Wegen und weniger Verspätungen.

Kompensation ist eine sinnvolle Sache, erfordert aber Vertrauen gegenüber den Konsumenten. Und einen einfachen, verständlichen Zugang. Langfristiges Denken und Handeln ist auch notwendig, speichert ein Baum selbst unter idealen Bedingungen doch erst nach zehn Jahren CO2. In Summe gibt es also deutlich Verbesserungsbedarf, will man die freiwillige Kompensation von CO2 von derzeit nur rund einem Prozent steigern. Easyjet hat da eine Vorreiterrolle eingenommen, als die Fluglinie kürzlich angekündigt hat, die CO2 Kompensation selbst in die Hand zu nehmen und 25 Millionen Euro zu investieren.

Gerne übersehen wird beim Thema Fliegen und Umwelt das unterschätzte Problem Abfall und Plastik an Bord. Jeder Passagier produziert im Schnitt pro Flug 1,43 Kilogramm Abfall, macht mehr als sechs Millionen Tonnen Abfall. 20% Prozent davon sind unbenutztes Essen und Getränke im Wert von 4,5 Millionen U. S.-Dollar, die so vernichtet werden (müssen). Einen hohen Anteil am Abfall hat Plastik. Wie das alles und wodurch das alles ersetzt werden kann, ist derzeit noch ungelöst. Denn zum einen gibt es da jede Menge gesetzliche Vorschriften als Ursache für den Müll, wodurch 80 Prozent des Mülls verloren gehen statt verwertet werden zu können. Zum anderen sind Alternativen nicht immer umweltfreundlicher. Einzelne Aktionen wie die der AUA sind ein guter Schritt, aber keine weltweite Lösung. Die AUA sammelt alles Plastikbecher ein, die OMV macht daraus Sprit für die Flugzeuge.

Grafik: IATA.

Fazit des Umwelttages der IATA in Genf: Einigkeit besteht darin, dass der Weg in die CO2-freie Zukunft sehr viel, wirklich viel Geld kosten wird und die Ziele nur durch die enge Zusammenarbeit der Branche sowie die Abstimmung mit der Politik erreicht werden können. Ebenso einheitlich lehnt die Industrie neue Steuern ab. Deswegen würden kaum weniger Menschen fliegen, die Profitabilität der Fluglinien würde sinken und ihnen so den Spielraum für CO2-sparende Innovationen nehmen. Die Diskussion aber - die ist eröffnet und wird heftig geführt.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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