Standortgarantien nicht nur für Wien gefordert

Als aktueller Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz fordert der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer die Ausweitung der geforderten Standortgarantie im Zuge der AUA-Staatshilfe auch auf die Regionalflughäfen.

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (Foto: Land Oberösterreich / Joachim Haslinger).

In den letzten Tagen der Verhandlungen um die Staatshilfen über 767 Mio. Euro für Austrian lässt Thomas Stelzer mit der Forderung aufhorchen, dass nicht nur die Absicherung der Drehkreuzes in Wien eine Bedingung seitens der Republik Österreich sein müssten, sondern auch die weitere Anbindung der Bundesländerflughäfen an das Netzwerk der Lufthansa-Gruppe ein Teil dieses Verhandlungspaket sein müsste.

Neben Flügen ins OS-Drehkreuz Wien ab Graz, Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg waren bislang die Frankfurt-Verbindungen ab Graz, Innsbruck, Linz und Salzburg ein wichtiger Bestandteil der regionalen Fluganbindungen. Darüber hinaus wurden ab Graz zudem Düsseldorf, München, Stuttgart und Zürich, ab Linz auch Düsseldorf angeboten. Diese Verbindungen sollten im Rahmen der Staatshilfe abgesichert werden, so der Landeshauptmann Oberösterreichs, der wie seine Kollegen aus Salzburg, Tirol und Vorarlberg zu bedenken gab, dass in den westlichen Bundesländern die Drehkreuze Frankfurt, Zürich und München wichtiger seien als jenes in Wien. Sollten Einschnitte bei den regionalen Fluganbindungen der Lufthansa-Gruppe trotz getätigter Staatshilfen gemacht werden, gäbe es alternative Überlegungen, immerhin würden zur Belebung der stark exportorientierten Wirtschaft in Westösterreich nach der Covid-19-Krise Anbindung an internationale Flugnetze essentiell für die Regionen und deren Unternehmen sein.

Aktuell unterhält nur der Flughafen Salzburg Flugverbindungen nach Düsseldorf an drei Tagen pro Woche – mit sehr überschaubaren Passagierzahlen. Auf allen anderen Bundesländerflughäfen ist der reguläre Linienpassagierverkehr ausnahmslos eingestellt und dürfte auch nach weiteren Lockerungen der Reisebeschränkungen noch länger nicht in vollen Umfang wiederaufgenommen werden. Auch bei den Urlauberflügen gibt es noch viele Fragezeichen, so rücken die Erstflüge der geplanten Sommersonnenketten aktuell immer weiter nach hinten. Lediglich am Flughafen Linz gibt es momentan regelmäßige Flüge von Frachtfluggesellschaften. Wie sehr die aktuelle Lage auch auf die wirtschaftliche Situation drückt, zeigen etwa Beispiele aus Salzburg. Dort ist der geplante Neubau des Terminal 1 abgesagt und um weitere sechs bis acht Jahre verschoben, auch die geplante Sanierung von Rollwegen und Entwässerungssysteme am Flughafengelände müssen noch einige Zeit warten. Finanzreferent Christian Stöckl beschreibt bei ORF Salzburg die Lage sehr deutlich:“ In vollem Umfang werden wir den Flughafen in den nächsten Jahren nicht aufrechterhalten können. Mit Einsparungen alleine wäre es nicht getan. So ehrlich muss man sein“. Auch aus Innsbruck sind Verschiebungen bei bislang geplanten Großprojekten zu hören. So könnte die Pistensanierung je nach weiterer wirtschaftlicher Entwicklung auf 2022 verschoben werden. Indes wurde am Klagenfurter Flughafen der Abriss des ältesten Hangars vollzogen und in Linz geht der nächste Schritt der begonnen Sanierung des Terminals in die finale Phase.

Kritisch hat sich der erst kürzlich für den derzeitigen Gesundheitsminister Anschober ins Amt des oberösterreichischen Umweltlandeslandesrat gewählte Stefan Kaineder (Grüne) in einer Aussendung dazu geäußert. „Die Politik könne nicht auf klimaschädliche Kurzstreckenflüge beharren, wo doch die Zukunft eindeutig nur mehr in der Langstrecke liegt“, so Kaineder. Für ihn wären Staatshilfen für eine AUA, welche die Klimakrise mit Flügen zwischen einer und eineinhalb Flugstunden noch weiter verschärft, unvorstellbar. Diesbezüglich verweist Kaineder auf die Verknüpfung französischer Rettungspakten für Fluglinien mit Klimaschutzzielen, wie der weitere Verlagerung von innerfranzösischen Flugverbindungen auf das TGV-Bahnnetz. Bereits vor mehreren Jahren wurde bereits in Österreich die Kurzstrecken Linz-Wien konsequenterweise auf die Bahn mit Direktverbindung zum Flughafen Wien verlagert. Trotz zahlreicher Ausbauvorhaben in Österreich werden weitere schnelle Bahnverbindungen zum Flughafen Wien anderer Regionen bzw. Großstädte wie Graz, Klagenfurt, Salzburg oder Innsbruck jedoch noch mehrere Jahre auf sich warten lassen.

Autor: Michael David
Michael beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Themen Luftverkehr in Österreich, insbesondere der Regionalflughäfen, ist leidenschaftlicher Spotter und in der Szene der Flughafenfreunde aktiv. Seit März 2020 ist Michael David Teil des AviationNetOnline-Teams.

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