Special: Boeing 747SP "SOFIA" in Stuttgart zu Gast

Weltweit einzigartiges fliegendes Infrarot-Observatorium.

Boeing 747SP "SOFIA" (Fotos: Thomas Ramgraber).

In den frühen Morgenstunden traf am Montag auf dem Flughafen Stuttgart mit der N747NA ein außergewöhnlicher Special-Visitor ein. Es handelt sich dabei um ein einzigartiges Fluggerät, denn diese Boeing 747SP ist das weltweit einzige fliegende Infrarot-Observatorium und ein Gemeinschaftsprojekt der NASA und des DLR. Die Maschine steht noch bis Freitag, 20. September 2019 auf dem Flughafen Stuttgart vor dem Terminal 1 und kann beispielsweise von der kostenlosen Besucherterrasse aus bestaunt werden.

SOFIA ist die Abkürzung für „Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie“. Der Vierstrahler beherbergt ein rund 17 Tonnen schweres Teleskop an Bord, mit dem Wissenschaftler regelmäßig Weltraumbeobachtungen durchführen. Die Finanzierung des Projekts erfolgt zu 80 Prozent mit Mitteln der NASA und zu 20 Prozent mit jenen des DLR. Analog sind auch die Nutzungsberechtigungen aufgeteilt.

Anlass für den Besuch von SOFIA in Stuttgart ist die Konferenz „Mission to the Universe – From Earth to Planets, Stars & Galaxies“ der Astronomischen Gesellschaft, die das DSI der Universität Stuttgart organisiert. Rund 250 Forscherinnen und Forscher aus aller Welt tagen vom 16. bis 20. September auf dem Campus Vaihingen der Universität Stuttgart. Die Astronomische Gesellschaft ist eine der ältesten astronomische Vereinigungen Europas. Sie wurde 1863 gegründet. Die Boeing 747SP ist in den Vereinigten Staaten von Amerika registriert und stand vormals unter anderem in Diensten der Pan American.

Erster Forschungsflug über Europa

Am 18. September hebt die fliegende Sternwarte kurz nach Sonnenuntergang (gegen 19:40 Uhr) vom Flughafen Stuttgart zu ihrem ersten wissenschaftlichen Beobachtungsflug über Europa ab. Während der rund zehn Stunden andauernden Mission führt die Crew mehrere astronomische Beobachtungen durch. Das derzeit am Teleskop montierte US-amerikanische Instrument HAWC+ kann kosmische Magnetfelder im Ferninfrarotlicht vermessen. So wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Beispiel die Umgebung des supermassiven schwarzen Lochs der Galaxie Markarian 231 im Sternbild Großer Bär untersuchen. Dabei erhoffen sie sich neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen den Magnetfeldern in der Scheibenstruktur um das schwarze Loch und den Radiojets – den stark gebündelten und beschleunigten Gasausströmungen senkrecht zu diesen Scheiben, die unter anderem intensive Radiostrahlung aussenden. Diese Beobachtung ist nur mit SOFIA möglich, denn kein anderes Observatorium kann Magnetfelder in diesem Wellenlängenbereich vermessen.

Ein Vorteil an einem Flug über Europa ist, dass sich SOFIA nördlicher als in ihrer südkalifornischen Heimat befindet. Je näher an den Polen die Infrarotsternwarte fliegt, desto weniger Wasserdampf ist in der Atmosphäre über ihr vorhanden – und desto besser sind die Beobachtungsbedingungen. Für die Rückkehr am Donnerstagmorgen um circa 5:30 Uhr, also kurz vor dem eigentlichen Betriebsstart des Stuttgarter Flughafens um 6:00 Uhr, hat das SOFIA-Team eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums Stuttgart von der geltenden Nachtflugbeschränkung bekommen.

Die Boeing 747SP soll noch für mindestens zehn Jahre im Einsatz bleiben, denn um die Ersatzteilversorgung sicherstellen zu können, erwarb man zwei weitere Boeing 747SP, die als Ersatzteilspender dienen werden. Ein SOFIA-Vertreter erklärte dazu: „Die Maschinen des Typs 747SP haben keinen Marktwert mehr. Niemand will die noch kommerziell einsetzen und daher war die Gelegenheit günstig, um zwei weitere 747SP als Ersatzteilspender zu übernehmen. Für den Einsatz als Forschungsflugzeug ist die 747SP für uns das optimale Fluggerät.“

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Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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