Sozialdumping: Verdi kritisiert Ryanair heftig

EU-Kommission würde die Augen verschließen.

Boeing 737-800 (Foto: Thomas Ramgraber).

Schwere Vorwürfe erhebt die deutsche Gewerkschaft Verdi gegen Ryanair, Lauda und Malta Air. Den Darstellungen der Arbeitnehmer nach soll der Konzern derzeit versuchen bestehende Tarifverträge zu unterlaufen, Beschäftigte abzubauen, um sie anschließend zu „Dumping-Konditionen wiedereinzustellen“.

Laut Verdi ist Ryanair in Deutschland primär mit dem Tochterunternehmen Malta Air vertreten. Dieses betreibt zahlreiche Boeing 737-800, die in der Bundesrepublik stationiert sind, im Auftrag der Iren. Geflogen wird im Rahmen von Wetlease-Abkommen unter FR-Flugnummern. Lediglich auf der Route zwischen Wien und Dortmund gibt es derzeit den AL-Code von Malta Air. Offiziell wurde diese Strecke bislang als „Lauda-Strecke“ vermarktet.

"Das ist ein Angriff auf die Errungenschaften, die die Mitarbeiter mit viel Mut und internationaler Solidarität erkämpft haben. Wir werden nicht akzeptieren, dass ein Unternehmen mit liquiden Mitteln von 4 Milliarden Euro von den Beschäftigten Einkommensverzicht fordert und diese damit Gefahr laufen, an die Armutsgrenze zu geraten. Das Unternehmen will rund 1.200 Stellen streichen und über einen Zeitraum von fünf Jahren die Gehälter des Bestandspersonals um 10 Prozent in der Kabine und 20 Prozent im Cockpit - sowie bei neueingestelltem Personal generell um 20 Prozent - kürzen. Auch unbefristete Arbeitsverträge soll es nicht mehr geben. Dies alles zeige, wie respektlos das Unternehmen sich gegenüber langjährigen Mitarbeitern und ihren Familien verhalte. "Wir fordern volle Transparenz und einen echten und ehrlichen Dialog, die Sicherung der Beschäftigung und die Beibehaltung der derzeitigen Gehälter", so Susana Pereira-Ventura, Gewerkschaftssekretärin für die Low-Cost-Carrier in der Verdi-Bundesverwaltung.

Kritik richten die Arbeitnehmervertreter insbesondere auch in Richtung der EU-Kommission, denn diese würde regelrecht wegsehen: Europaweit würden die Regierungen mit milliardenschweren Hilfspaketen ihren Carriern unter die Arme greifen, doch Sozialstandards werden zugleich abgebaut. Verdi geht auch davon aus, dass der „der Verdrängungswettbewerb und Preiskampf durch solche Methoden ins Unermessliche gefördert“ würden.

Bei Lauda soll es derzeit noch keine „Paycuts“ geben, jedoch steht das Unternehmen aufgrund der abgelehnten Kurzarbeit mit dem Rücken zur Wand. Wie AviationNetOnline berichtete sind die Mai-Gehälter in akuter Gefahr. Auch die Einstellung des Betriebs in Düsseldorf und Stuttgart ist nicht mehr ausgeschlossen. Verdi blickt zudem mit großer Sorge auf die Ereignisse in Wien.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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