So große Konkurrenten sind Condor und Lufthansa

Anteil der Kranich-Monopolrouten würde bei Übernahme deutlich steigen.

A320 von Condor: Große Überschneidungen mit Lufthansa. (Foto: Michael Penner)

Mit der Abnabelung vom pleitegegangenen Touristikkonzerns Thomas Cook ist die Zukunft von Condor unsicher. Noch zehren die rund 5000 Mitarbeiter von einem staatlichen Millionenkredit. Und danach? Ein Investor muss her. Dabei beginnt die Suche nicht bei null, weil Condor im Paket mit anderen Thomas-Cook-Airlines schon im Februar zum Verkauf gestellt wurde. Als Interessent für den Ferienflieger meldete sich damals auch Lufthansa - doch wie hoch sind die Chancen eines Konzerns, dem nachgesagt wird, er beherrsche ohnehin schon den deutschen Markt?

Bei Condor und Eurowings kommt es im Winter zu Überschneidungen bei mehr als einem Viertel des Programms. Auf insgesamt 40 Routen ab deutschen Airports fliegen die beiden Airlines während der Hochzeit touristischer Langstrecken in direkter Konkurrenz. Insgesamt bietet Condor im Winter 138 Routen ab acht Flughäfen in Deutschland an.

Rechnerisch ergibt sich damit eine Kapazitätsgröße von gut 1,2 Millionen Sitzplätze bei Condor - 28,8 Prozent davon stehen in direkter Konkurrenz zu Eurowings. Und mehr noch: Der Lufthansa-Low-Coster bietet auf den Strecken mit Condor-Konkurrenz mehr Kapazitäten an, als es der deutsche Ferienflieger tut: 12,8 Prozent bzw. fast 45.300 Sitze mehr.

Erweitert man den Vergleich auf alle Airlines, die vollständig zum Lufthansa-Konzern gehören, ist die Konkurrenz nahezu erdrückend: Auf fast der Hälfte aller Routen ab Deutschland (46,4 Prozent) fliegt Condor im direkten Wettbewerb mit einer Kranich-Gesellschaft. In Kapazitäten gerechnet stehen somit sogar über die Hälfte des Condor-Angebots (52,3 Prozent bzw. 641.032 Sitzplätze) in Konkurrenz zum Lufthansa-Konzern. Insgesamt ist der Kranich im Wettbewerb haushoch überlegen: So bieten die Lufthansa-Airlines auf den Routen gut 32 Prozent mehr Kapazitäten an als Condor.

Wettbewerbssituation in Routen gerechnet
Stellt sich die Fragen, auf wie vielen Routen LHG aktuell Monopolist ist und auf wie vielen nach einer möglichen Übernahme. 1480 Routen bieten Airlines ab Deutschland im Winter an. Auf 693 von ihnen (46,8 Prozent) fliegen die Group-Carrier - auf 374 Routen (25,3 Prozent) sogar ohne Konkurrenz. Hinzu kommen dutzende Codeshares mit etlichen Fluggesellschaften.

Durch eine Übernahme der Condor würde das Angebot des Kranichs auf vielen Routen nicht nur stark wachsen, auch würden dann insgesamt 432 Verbindungen ab Deutschland exklusiv von Lufthansa angeboten. Der Marktanteil an Kranich-Monopol-Routen würde um knapp vier Punkte auf 29,2 Prozent wachsen. Und das nur im Winter. Experten schätzen dass die marktbeherrschende Stellung des Konzerns im Sommer noch extremer ausfällt.

Anmerkung: An den Flughäfen Berlin-Schönefeld, Erfurt-Weimar, Hahn und Weeze bieten weder Condor noch die Lufthansa-Airlines im Winter 2019/20 Linienflüge an.

Am größten ist das Plus an Monopolstrecken durch eine Condor-Übernahme in Frankfurt. Am passagierstärksten deutschen Flughafen fliegen die Konzern-Airlines auf immerhin 198 aller 275 Strecken - allerdings sind sie auf gerade einmal 90 Routen ohne Konkurrenz unterwegs. Durch eine Übernahme der Condor wären es 124 Routen ohne andere Airlines. Der Monopol-Anteil in Frankfurt würde also von 34,5 auf 45,1 Prozent ansteigen.

Größer ist das prozentuale Plus nur auf Sylt (+14,3) und in Leipzig/Halle (+18,9). Allerdings bieten Lufthansa und Condor hier auch insgesamt deutlich weniger Routen an (GWT: LHG 5, DE 1; LEJ: LHG 14, DE 11). Am zweiten deutschen Lufthansa-Hub ist die Konkurrenzsituation auf vielen Strecken hart, weswegen das Plus an Monopol-Strecken hier auch sehr gemäßigt ausfiele. Auch hier kommen die Konzern-Airlines allein auf 90 Routen ohne Konkurrenz - ein Anteil von 44,3 Prozent am Münchner Gesamtangebot. Mit Condor zusammen wären es 48,8 Prozent.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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