So gestaltet UFO den Neuanfang

Kurz vor der diesjährigen Mitgliederversammlung zeigt sich, dass die Flugbegleitergewerkschaft UFO geordneter ist, als es der Streit mit Lufthansa vermuten lässt.

Foto: UFO.

Die UFO-Mitgliederversammlung im September 2018 hatte das Potenzial zu nicht weniger als zum Showdown zwischen dem damaligen Gewerkschaftsführer Alexander Behrens und dessen Vorgänger Nicoley Baublies zu werden. Denn der Unmut über den Ex-Chef schien groß: Zu vertrackt sei die von ihm 2016 ausgehandelte Tarifeinigung für die Lufthansa-Kabine. Vertraute des einst gefeierten Funktionärs sprachen hingegen immer noch von einem großen Coup, den er in etwa 30 einzelnen Tarifverträgen festgezurrt hatte. 

Doch der große Knall blieb aus. Während der damalige Vorstand um Behrens anstrebte, Baublies aus der Gewerkschaft zu werfen, kamen aus dem Umfeld Baublies’ reflexartig Abwahlanträge gegen Behrens und Co. auf, die nur im Notfall auf der Versammlung durchgeboxt werden sollten. Doch dieser Fall blieb aus - die Anti-Baublies-Koalition registrierte laut Teilnehmern auf der Versammlung, in Unterzahl zu sein und blies ihr Vorhaben ab. Die beiden verfeindeten Lager blieben vollzählig Teil der UFO. Eine zutiefst gespaltene Gewerkschaft bemühte sich anschließend, Einigkeit zu präsentieren.

Bereits Anfang Dezember wurde die fragile Einheit der UFO auf eine harte Probe gestellt: Der Lufthansa-Konzern erhob Untreue-Vorwürfe gegen Baublies, Behrens, den heutigen stellvertretenden Vorsitzenden Daniel Flohr und die ganze UFO. Knapp 800.000 Euro forderte der Kranich an angeblich zu viel geleisteten Gehaltszahlungen zurück. Es folgten staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, Hausdurchsuchungen bei der Gewerkschaft und schließlich ein Vergleich mit Baublies. Doch eine Einigung über die Forderung gegen UFO selbst blieb aus - und ist wohl auch erst einmal nicht zu erwarten. 

Denn die Forderung von Ende 2018 war nur die erste Episode des langen Gesprächsembargos von Lufthansa gegen UFO. Der Konzern spricht nicht mehr mit seinem 2002 anerkannten Sozialpartner. Und mehr noch: Er stellt den Gewerkschaftsstatus der UFO infrage, lässt ihn gar gerichtlich prüfen

Dabei gibt es viel Redebedarf. UFO hatte mehrere Tarifverträge aufgekündigt - unter anderem den für Teilzeitkräfte und für Neueinstellungen. Lufthansa erkennt die Kündigungen nicht an, weil der jetzige UFO-Vorstand um die Baublies-Vertrauten Sylvia de la Cruz und Flohr nicht ordnungsgemäß gewählt worden sei. Doch das Arbeitsgericht Frankfurt stellte klar, dass die Kündigung der Kontrakte rechtens ist. Aus der Sicht UFOs dürfte Lufthansa also seit Februar keine neuen Flugbegleiter mehr einstellen. 

Doch die Auseinandersetzung betrifft nicht nur die Mutter-Airline. Alle Kranich-Carrier sind von dem Gesprächsembargo betroffen. So wurde bei Eurowings die finale Ausgestaltung des Schlichterspruchs von Matthias Platzeck 2016 gestoppt; bei Germanwings die Gespräche um ein Teilzeit-Modell abgebrochen und dass die SunExpress-Deutschland-Flugbegleiter so schnell einen UFO-Tarifvertrag bekommen, ist höchst fraglich. 

Dabei läuft sich die Konkurrenz schon warm. Der DGB-Gewerkschaft Verdi ist es schon seit langem ein Dorn im Auge, dass sie in der Luftfahrt gegen die Spartengewerkschaften UFO und Vereinigung Cockpit (VC) nicht ankommt und lediglich das Bodenpersonal vertreten darf. Nach Tarifabschlüssen für die Flugbegleiter von Ryanair und LGW sowie Piloten bei Eurowings drängt sie nun auch in die Lufthansa-Kabine. Erste Gespräche hat es bereits gegeben. 

Und dann ist da noch die IGL. 2015 von Baublies selbst als Idee einer Dachgewerkschaft für UFO, VC und Co. ins Leben gerufen, ist sie heute Sammelstelle einer seiner ärgsten Konkurrenten. So ist beispielsweise sein langjähriger Kontrahent Thomas Klappert seit dem Sommer Geschäftsführer der IGL. 

Die IGL kündigte vor kurzem ebenfalls eine Untergruppe für Flugbegleiter-Tarifverhandlungen an. Mitte November soll diese CabinUnit@IGL genannte Abteilung offiziell an den Start gehen. Doch hat sie einen großen Makel: “Die CU ist nicht tariffähig”, heißt es. Denn laut Statuten ist die IGL keine eigenständige Gewerkschaft, sondern nur die Summe ihrer Mitgliedsvereine. Und da sie aus der Feder der UFO stammt, ist die Nähe schon qua Satzung gegeben.

Genau diese Nähe nagt nun an der Einigkeit von UFO. Auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung stehen auch Abwahlanträge gegen de la Cruz und Flohr sowie die Berufung eines Notvorstands. “Das bedeutet Handlungsunfähigkeit”, beklagt ein Gewerkschafter und verortet die Anträge in der Anti-Baublies-Koalition, deren Anhänger nach ihrer Kündigung formal noch bis zum Jahresende UFO-Mitglieder sind.

Als Reaktion auf die tiefen Risse in der Kabine hatte UFO vor einem Jahr eine Grundsatzkommission einberufen, die unabhängig der tagesaktuellen Gewerkschaftsarbeit eine neue Wahlordnung ausarbeiten sollte. Damit soll unter anderem der nächste Urnengang für den UFO-Vorstand (Februar 2020) anders gestaltet werden. Nun legt die Gruppe erste Ideen vor. Unter anderem soll künftig die in anderen Vereinen übliche Teamwahl durch die Personenwahl ersetzt werden. Sprich der Vorstand wird nicht mehr als komplette Mannschaft gewählt, sondern aus einzelnen Wahlsiegern zusammengesetzt. 

Gleichzeitig soll die Liste potenzieller Kandidaten anwachsen: Bislang ist die zweijährige UFO-Mitgliedschaft Voraussetzung. Zukünftig soll auch das Engagement bei anderen Vereinen wie etwa den Jusos, Amnesty International oder Greenpeace berücksichtigt werden. “Diese Schritte würden stabilisieren”, heißt es aus dem Umfeld der Kommission.

UFO will nach außen ein geschlossenes Bild abgeben und Handlungsfähigkeit betonen. "Wir stehen zusammen", sagt ein Funktionär. Wie gesagt: UFO ist um Geschlossenheit bemüht.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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