Shalom, Ramon!

Seit März 2019 hat der zweite internationale Airport Israels geöffnet - nun startet er in seine erste Wintersaison mit einer Reihe von Flügen europäischer Airlines. AviationNetOnline unterhielt sich mit Avi Chover, Chief of Operations des Ilan & Asaf Ramon International Airport.

Airside-Ansicht des Terminals (Fotos wenn nicht anders angegeben: Martin Metzenbauer).

Die Situation für den zivilen Luftverkehr im Süden Israels war bis vor wenigen Monaten alles andere als zufriedenstellend: Für Inlandsflüge gab es den Stadtflughafen, der seinem Namen durch die Lage mitten in der Stadt Eilat mehr als gerecht wurde. Zum anderen wurde der Militärflughafen Ovda über ein kleines ziviles Terminal für internationale Verbindungen genützt. Letzteres platzte zuletzt aufgrund des stark zunehmenden Israel-Tourismus bereits aus allen Nähten und konnte hinsichtlich Passagierkomfort nicht wirklich Punkte machen.

Das Vorfeld bietet neun Parkpositionen für große Jets und einige weitere für kleinere Flugzeuge.

Abhilfe schafft seit März 2019 der neue "Ilan & Asaf Ramon Airport" - kurz Ramon bzw. ETM im Drei-Letter-Code. Neben einer 3.600 Meter langen Runway (der Stadtflughafen brachte es gerade einmal auf 1.900 Meter) ist es vor allem das neue und moderne Terminal, das Fluggäste erfreuen wird. Der israelische Architekt Amir Mann gestaltete hier ein zeitgemäßes und äußerst attraktives Abfertigungsgebäude, das Anleihen an der umgebenden Negev-Wüste nimmt: So sind die Säulen des Flughafens den weit verbreiteten Akazienbäumen nachempfunden. Die vielen Zugvögel, die durch die Arava-Senke ihren Weg finden, erhalten eine Reminiszenz in Form von stilisierten Vogel-Lampen an der Decke des Airports.

Große Glasfronten bringen viel Tageslicht in den neuen Flughafen.

Aber nicht nur Architektur und Serviceangebote am Airport stehen vergleichbaren Flughäfen um nichts mehr nach - auch die Abläufe in Ramon wurden deutlich verbessert, wie sich AviationNetOnline vorort überzeugen konnte. Insbesondere, wenn man die teils chaotischen Zustände am viel zu kleinen Flughafen Ovda erleben durfte. So gehen die in Israel üblichen intensiven Security-Checks sehr gut organisiert über die Bühne - genauso wie die Passkontrollen bei Ein- und Ausreise. Absperrungen, Leitbänder und vor allem kompetentes und freundliches Personal wirken hier Wunder.

Der Check-In-Bereich mit 32 Schaltern.

Der neue Airport soll neben seiner wichtigen Funktion für Inlandsflüge (vor allem nach Tel Aviv, wohin man sonst nur in einer stundenlangen Fahrt mit dem Auto gelangt) auch für den geplanten weiteren Ausbau des Tourismus im Süden Israels dienen. Die Regierung des Staates hat neben neuen Hotelprojekten in der Küstenstadt Eilat vor allem die Negev-Wüste im Auge, die Reisenden noch schmackhafter gemacht werden sollen. Luft nach oben gibt es dafür: Derzeit verfügt Ramon eine Kapazität von rund zwei Millionen Passagieren pro Jahr - heuer wird mit rund 1,4 Millionen Fluggästen gerechnet (wobei die ersten Wochen des Jahres, die Zahlen der beiden bisherigen Flughäfen hineingerechnet sind). Allerdings wurde der Airport auf der grünen Wiese (bzw. angesichts der Wüste auf braunem Stein) geplant und gebaut - mit viel Platz rundherum für einen möglichen späteren Ausbau.

Arkia bietet vor allem Flüge nach Tel Aviv an.

In eine Richtung wird der Flughafen allerdings so schnell nicht expandieren - nämlich nach Osten. Wenige Meter neben der Landebahn fängt nämlich bereits das Nachbarland Jordanien an. Zwar gibt es mit dem Königreich einen relativ entspannten Umgang - die Liebe geht derzeit allerdings nicht so weit, dass hier an eine Zusammenarbeit (welcher Art auch immer) zu denken ist. Die Lufträume der beiden Staaten sind auch ganz strikt getrennt - Flugzeuge die den in Sichtweite liegenden Flughafen Aqaba anfliegen und Maschinen die Ramon ansteuern bleiben penibelst in den jeweiligen Ländersektoren, was beispielsweise beim israelischen Airport dazu führt, dass vom Süden kommende Flugzeuge (das ist aufgrund der häufigen Nordwinde) relativ enge Kurven für den Endanflug absolvieren müssen. Neben der Runway befindet sich übrigens ein mächtiger Zaun - dieser ist 26 Meter hoch und 4,5 Kilometer lang und soll etwaig anfliegende Raketen abwehren.

Diese betagte DC-3 wurde vom alten Stadtflughafen nach Ramon transportiert.

Neben den beiden genannten hat Ramon aber noch eine weitere Aufgabe: Der Flughafen dient als Ausweichflughafen für den Ben Gurion Airport Tel Aviv, wovon auch das derzeit noch überdimensioniert wirkende Vorfeld Zeugnis ablegt. Sollte Tel Aviv also beispielsweise aufgrund von Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen geschlossen werden müssen, so kann Ramon "einspringen" - die Raketen der Hamas besitzen nicht die Reichweite, um den Süden Israels erreichen zu können.

Der neue Tower bietet deutlich bessere Arbeitsbedingungen als der winzige Kontrollturm am Stadtflughafen.

Der neue Flughafen von Eilat übernimmt also als zweiter internationaler israelischer Airport eine ganze Reihe wichtiger Aufgaben für Infrastruktur, Wirtschaft und Tourismus des Landes. AviationNetOnline führte anlässlich des Starts des neuen Winterflugplans ein Interview mit Avi Chover, Chief of Operations des Ilan & Asaf Ramon International Airport.

Avi Chover kümmert sich am Ramon Airport um die betrieblichen Abläufe.

AviationNetOnline: Der neue Flughafen Ramon wurde im März 2019 für Inlandsflüge und im April 2019 für internationale Flüge geöffnet. Haben die Abläufe am Airport so funktioniert wie erwartet?

Avi Chover: Ja. Alles hat perfekt geklappt.

AviationNetOnline: Nachdem nun der Winterflugplan begonnen hat, wird es wahrscheinlich mit dem Start vieler internationaler Verbindungen ein paar operationelle Herausforderungen geben?

Avi Chover: Wir haben diesen Winter 48 internationale Flüge pro Woche - was viel für uns ist. Es gibt Fluglinien wie Wizzair, Ryanair, Transavia und ASL aus Frankreich genauso wie russische Carrier.

Auch die General Aviation findet ausreichend Platz.

AviationNetOnline: Hat sich seit dem letzten Winter, als die Flüge noch von und nach Oda geführt wurden, diesbezüglich etwas geändert?

Avi Chover: Diesen Winter haben wir die gleichen Airlines und Destinationen wie letztes Jahr - und fast die gleiche Anzahl an internationalen Flügen pro Woche. Auch Lufthansa führt ihre letzten Winter begonnene Verbindung nach Frankfurt weiter. Dieser Flug ist deswegen besonders interessant, da er eine Vielzahl von Umsteigeverbindungen via Frankfurt ermöglicht.

AviationNetOnline: Wie viele Passagiere erwarten Sie für 2019?

Avi Chover: Wir erwarten rund 400.000 internationale Fluggäste und und eine Million Inlandspassagiere. Das entspricht ungefähr den Vorjahreszahlen von Ovda und dem alten Flughafen von Eilat zusammen.

Arkia setzt auch den neuen Airbus A321neo in der LR-Version zum Ilan & Asif Ramon Airport ein.

AviationNetOnline: Gibt es noch immer Incentives für ausländische Airlines?

Avi Chover: Ja. Sie erhalten 60 Euro pro Passagier, den sie hierher bringen. Es gibt außerdem keine Landegebühren für die Fluglinien.

AviationNetOnline: Haben die Passagiere aus Eilat den neuen Flughafen akzeptiert, da er ja weiter entfernt von der Stadt ist - im Vergleich zum alten Airport, der ja genau im Zentrum gelegen ist?

Avi Chover: Sie mögen den neuen Flughafen aber sie schätzen es nicht unbedingt, dass er rund 20 Kilometer außerhalb liegt. Aber sie werden sich daran gewöhnen.

Der neue Flughafen verfügt auch über eine moderne Gepäcksortieranlage.

AviationNetOnline: Was geschieht mit dem alten Flughafen?

Avi Chover: Wir haben ihn der Stadt gegeben. Dort sollen Straßen, Häusern und Hotels gebaut werden.

AviationNetOnline: Das Wahrzeichen des Stadtflughafens - die alte DC-3 von Arkia - wurde auch zum neuen Airport gebracht. Wie haben Sie sie dorthin transportiert?

Avi Chover: Das war eine große Operation. Wir haben die Flügel abmontiert und den Rumpf auf einen Truck geladen. Der Transport fand während der Nacht statt und wir mussten die Straße von Eilat zum Flughafen schließen.

Die alte DC-3 wurde mittels Tieflader zum neuen Flughafen transportiert (Foto: Avi Chover).

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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