Schleppende Erholung – teures Fliegen?

Die Erholung der Luftfahrt wird langsamer kommen als bisher gedacht und sie wird über Inlandsflüge wieder in Schwung kommen. Das hat die internationale Luftfahrtorganisation IATA in einem Conference Call mitgeteilt.

Foto: Pixabay.

Die langsamere Erholung stützt die IATA auf zwei Fakten. Zum einen die weltweite wirtschaftliche Rezession. Zum anderen auf eine von ihr beauftragte Umfrage unter Reisenden in 11 Ländern, von den USA bis Australien von Anfang April. 60% der befragten geben an, relativ rasch wieder Reisen zu wollen, sobald das Virus im Griff sei. 40% aber gaben an, 6 Monate und länger warten zu wollen, bis sie wieder Reisen. Und für 69% aller Befragten könnte sich Reisen solange verzögern, bis sich ihre finanzielle Situation wieder stabilisiert hat.

Bis wieder, vermehrt, geflogen werden kann und darf, wird es noch dauern. Die IATA geht davon aus, dass wegen der internationalen Reisebeschränkungen zuerst die Inlandsflüge wieder hochgefahren werden können. Weltweit 58% aller Passagiere sind Inlandspassagiere, durch Corona ist dieser Markt um 70% eingebrochen. Die dominierenden Märkte sind die USA und China mit 27 bzw. 24% aller Inlandspassagiere, gefolgt von Indien (6), Japan (4), Indonesien (4) und Brasilien (3).

Der US-Inlandsmarkt hat sich auf niedrigem Niveau bei etwa 20% des Vorkrisenniveaus stabilisiert. Der Verkehr innerhalb Chinas beginnt sich zu erholen. Die Beschäftigten in der Industrie kehren zur Arbeit zurück, der Dienstleistungssektor ist deutlich verhaltener. Die Zahl der Flüge liegt derzeit bei etwa 40% des vor Corona-Niveaus, die Nachfrage kann allerdings mit dem Angebot an Sitzen nicht Schritt halten, die Zahl der Passagiere liegt bei 30% des Vorjahrsniveaus, berichtet die IATA.

Gedämpft werden alle Hoffnungen auf einen raschen Neustart von der sich abzeichnenden schweren Rezession. Deshalb sei „es das Wichtigste, das Vertrauen wieder herzustellen, um die Wirtschaft und Reisen wieder in Gang zu bringen“, sagt IATA Generaldirektor Alexandre de Juniac. Er kritisiert auch das Fehlen konkreter Vorschriften von Schutzmaßnahmen in den Flugzeugen und auf den Flughäfen. Von Maskenpflicht für alle Besatzungen und Passagiere bis zum freigelassen Mittelsitz zur Abstandswahrung geistern viele Vorschläge durch die Medien. Wenn wirklich ein Drittel der Sitze freigelassen werden muss, dann führt das zu höheren Ticketpreisen, warnt De Juniac. Günstiges Reisen wäre dann vorbei, so der IATA-Generaldirektor.

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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