Schaumgebremste Emirates

Wie alle anderen Fluglinien wurde auch Emirates von der Corona-Krise schwer getroffen. Tendenziell vielleicht noch schwerer, hat doch Emirates ausschließlich auf die Langstrecke und auf Großraumflugzeuge gesetzt.

Foto: Thomas Ramgraber

Schaumgebremst und bemüht – so könnte man das Agieren der Fluglinien derzeit wohl treffend beschreiben. Alle wollen, aber können nicht wie sie wollen. Und dort wo sie können, fehlen meist die Passagiere. Emirates aus dem Emirat Dubai geht es da nicht anders. 

154 Destinationen hat Emirates vor der Krise bedient, derzeit sind es 86, ab Oktober 92. Mit deutlich weniger Frequenzen. Und von den 257 Flugzeugen fliegen nur etwas mehr als 100. Sehr viele der über 100 Stück A380 sind nach wie vor gegroundet. Im Gegensatz zu anderen Fluglinien will Emirates die A380 Flotte aber weiter betreiben. Wien bedient Emirates derzeit viermal die Woche, jeweils mit einer Boeing 777. Vor Corona waren es 14 Flüge wöchentlich.

Die vielen unterschiedlichen und sich ständig ändernden Reisewarnungen und Reisebestimmungen verunsichern Passagiere wie Fluglinien gleichermaßen, sagt Martin Gross, Österreich-Chef von Emirates und auch zuständig für die Slowakei, Ungarn und zahlreiche Balkanstaaten. Manchmal fliegen wir mit 20 Passagieren, ein anderes Mal mit 200. Gut und wichtig, dass wenigstens die Nachfrage nach Fracht immer noch hoch ist, auch wenn die Preise langsam sinken. Bis zu 30 Tonnen Fracht pro Flug machen die Flüge erst rentabel, so Gross. Konkurrenz gibt es im Frachtbereich auf der Langstrecke wenig, laut Emirates sei man nach FedEx derzeit der zweitgrößte Carrier im Frachtsegment.

Wie fast alle Fluglinien weltweit hat auch Emirates vom Eigentümer, der Regierung von Dubai, Hilfe bekommen. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht von rund 1,7 Milliarden Euro. Gross will keine Zahl nennen oder bestätigen. Ohne diese Hilfe könnte wohl keine Fluglinie derzeit überleben. Bei der Frage, wann es mit der Luftfahrt wieder bergauf gehen wird, regiert das Prinzip Hoffnung. Auch bei Emirates. Denn wissen tut das niemand.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf AviationNetOnline insbesondere über Spezialthemen, seit 2019 gibt er den Podcast "Flightcast" - eine Initiative von Austrian Airlines, FACC, Flughafen Wien und Frequentis - heraus.

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