Ryanair-Personaldirektor betrachtet BR-Wahl bei Lauda im Voraus als "null und nichtig"

Neue Kabinenmitarbeiter werden über die irische Leiharbeitsfirma Crewlink mit irischen Arbeitsverträgen beschäftigt. Einnahmen aus dem Bordverkauf werden in bar in den Lauda-Flugzeugen nach Dublin und Stansted geflogen.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Bei der österreichischen Fluggesellschaft Lauda sorgt die Ankündigung des stellvertretenden Personalchefs von Ryanair, Robert Wall, der momentan die Funktion des Personaldirektors ad-interim beim Österreich-Ableger bekleidet, dass man die für Donnerstag angesetzte Betriebsratswahl als „null und nichtig“ betrachtet, für Aufregung.

Hintergrund ist, dass der zuletzt amtierende Betriebsrat vor einigen Wochen geschlossen zurückgetreten ist und anschließend ein Wahlkomitee für die Neuwahl gebildet wurde. Am Donnerstag kandidiert eine einzige Liste, die aus 16 Lauda-Mitarbeitern besteht. Dabei handelt es sich überwiegend um Flugbegleiter, denn nach Angaben des Komitees ist nur ein einziger Kandidat Pilot. Vorsitzende des Gremiums und auch Listenerste ist ausgerechnet jene ehemalige Betriebsrätin, der Personaldirektor Robert Wall Anfang September 2019 die Kündigung aussprach.

Nach Angaben der Gewerkschaft Vida wirkt der besondere Kündigungsschutz, den Betriebsräte zur Ausübung ihrer Funktion genießen, auch noch drei Monate nach Niederlegung ihrer Funktion nach. Auch sind Komiteemitglieder und Mitarbeiter, die auf Wahllisten für Funktionen in der Arbeitnehmervertretung kandieren ebenfalls geschützt. Doch der Ryanair-Manager vertritt in einem AviationNetOnline vorliegenden Schreiben eine gänzlich andere Auffassung, denn gekündigte Mitarbeiter könnten gar nicht für den Betriebsrat kandidieren. Die betroffene Mitarbeiterin, die noch dazu Listenerste ist und sich für den Vorsitz zur Wahl stellt, befindet sich in der Kündigungsfrist und die legte rechtliche Schritte gegen die nach Ansicht der Gewerkschaft unwirksame Kündigung ein.

Während juristisch gesehen die Lage sehr eindeutig ist, denn bis zum tatsächlichen Ausscheiden aus dem Unternehmen stehen auch Mitarbeitern, die sich in der Kündigungsfrist befinden, alle Rechte und Pflichten zu, wobei der Dienstgeber auf Pflichten verzichten kann. Wall sieht das aber anders und betont in dem Anschrieben: „Weil Sie keine Laudamotion-Mitarbeiterin mehr sind, können Sie an keinerlei solcher Wahlen teilnehmen.“

Doch besonders grotesk mutet auch die Darstellung an, dass just der Personaldirektor überhaupt nichts von Wahlen zum Betriebsrat wissen will und ihm angeblich auch weder die Namen der Mitarbeiter im Komitee, noch der Kandidaten bekannt sein sollen. Er bittet glatt die Kandidatin darum, dass falls ihr ein Komiteemitglied bekannt sein solle, so soll sich dieses doch bitte bei ihm melden. Die Empfängerin ist paradoxerweise aber die Vorsitzende des Wahlkomitees und gleichzeitig auch Listenerste.

Neue Leiharbeitskonstruktion mit irischen Arbeitsverträgen über Crewlink

Doch im Abschluss des Schreibens findet sich ein Hinweis, der auf eine neue Leiharbeitskonstruktion bei Lauda hindeutet. Diese sollte es eigentlich seit Abschluss des Kollektivvertrags nicht mehr geben, denn damals versprach man, dass es nur noch Direktanstellungen gibt und jene Beschäftigte, die über Laudamotion Operations GmbH angestellt wurden, übernommen werden. Bis dato wurden noch immer nicht alle Operations-Mitarbeiter in die Laudamotion GmbH überführt und noch dazu ist man nun dazu übergegangen Neuzugänge mit irischen Verträgen, die nach Angaben von Betroffenen „1 zu 1 ident mit jenen, die auch Ryanair verwendet“ sind, auszustatten.


Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Ausbildung des Kabinenpersonals erfolgt nun nicht mehr in Eigenregie, sondern über das irische Unternehmen Crewlink, das eine Tochtergesellschaft von Ryanair ist. Während der Schulung sollen die Betroffenen über diese Firma angestellt sein, jedoch soll es später nicht mehr zu einer Festanstellung bei Lauda kommen, sondern die Anstellung verbleibt bei Crewlink. Somit wurde unter Ryanair-Regie nun eine neue Leiharbeitskonstruktion bei Lauda geschaffen. Besonders kritisch sehen Arbeitnehmervertreter, dass in den Verträgen keine fixe Base mehr enthalten ist, was bei Ryanair absolut üblich ist. Der Lauda-Kollektivvertrag sieht allerdings eine feste Station vor, doch dieser wird über die irische Leiharbeitskonstruktion nach Ansicht von Arbeitnehmervertretern umgangen. Weiters lautet ein Kritikpunkt: „In den Arbeitsverträgen mit Crewlink, die genau die gleichen sind, die Kollegen bekommen, die für Ryanair fliegen, ist festgehalten, dass in allen Belangen ausschließlich irisches Recht gilt.“ Die Vermutung eines Betroffenen: Die irische Muttergesellschaft will so österreichisches Arbeitsrecht umgehen und Fixanstellungen vermeiden.

„Personal wird nur gedroht, grundlos gekündigt, Verkaufsdruck und wirklich null Rücksicht auf Sicherheit. Neue Mitarbeiter werden in Ländern wie Spanien und Italien rekrutiert oder lauter junge Mädels ohne Ahnung vom Arbeitsleben. Diese Personen sind bereit völlig blauäugig alles zu unterschreiben ohne nachzudenken oder nachzufragen. Wer nachfragt fliegt sowieso raus“, so ein Lauda-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte.

Personalchef will nichts von einem Wahlkomitee bemerkt haben

Doch gerade diese Leiharbeiter spielen bei der Betriebsratswahl wieder eine Rolle, denn der Personaldirektor schreibt, dass dem Komitee, das er nicht kennen will, gar keine aktuelle Personalliste vorliegen würde und ohne diese könne nicht überprüft werden, ob der betroffene Mitarbeiter überhaupt bei Lauda angestellt und damit wahlberechtigt ist. Das Wahlkomitee sieht das aber gänzlich anders, denn jeder Lauda-Mitarbeiter hat eine Personalnummer und eine ID-Card, auf der seine Personalnummer und das Datum des Eintritts in das Unternehmen sichtbar sind. „Wir gehen daher nach Personalnummer vor und über die IDs können wir sicherstellen, dass nur Mitarbeiter, die vor dem 11. September 2019 eingetreten sind, teilnehmen können.  Auch unterscheiden sich die IDs von Leiharbeitern und Fixangestellten“, so das Wahlkomitee gegenüber AviationNetOnline.


Foto: Thomas Ramgraber.

Die Betriebsratswahl steht allerdings auch unter einem anderen Aspekt unter keinem guten Stern, denn für die Vertretung der am Boden beschäftigten Mitarbeiter konnte keine Liste gebildet werden. „Es fanden sich einfach nicht genug Kollegen, die bereit sind für den Betriebsrat zu kandidieren und wir vermuten, dass die Sorge besteht, dass sie gekündigt werden könnten“, so das Komitee, das am Donnerstag die Betriebsratswahlen ausschließlich für das fliegende Personal abhalten wird. In weiterer Folge bedeutet das auch, dass die am Boden tätigen Lauda-Mitarbeiter keinen Betriebsrat mehr haben werden. Bei den Fliegenden rechnet man aber mit einer hohen Wahlbeteiligung und verweist darauf, dass die Wahl auch dann gültig wäre, wenn nur ein einziger Mitarbeiter teilnimmt. Da es nur eine Liste gibt, kann nur mit „Ja“, „Nein“ und „Enthaltung“ gestimmt werden.

Einnahmen aus dem Bordverkauf werden in bar nach Dublin geflogen

Der Bordverkauf in den Flugzeugen von Lauda findet im Namen und auf Rechnung der irischen Mutter Ryanair statt. Dies geht aus vorliegenden Rechnungen und Kreditkartenabrechnungen hervor. Das bedeutet, dass die Lauda-Flugbegleiter zwar an Bord der Lauda-Maschinen Getränke, Snacks und diverse Waren verkaufen, jedoch offizieller Verkäufer ist die irische Fluggesellschaft Ryanair. An Bord gibt es regelmäßig Probleme, denn besonders Geschäftsreisende bestehen auf eine Rechnung, die gemäß der österreichischen Belegerteilungspflicht unaufgefordert ausgehändigt werden muss. Das ist jedoch den Stewardessen und Stewards nicht immer möglich, denn es soll viel zu wenige Bondrucker geben und der Abruf der Belege über die Ryanair-Homepage ist ebenfalls oft nicht möglich. „Nach der Ansage „Boarding completed“ findet immer eine regelrechte „Reise nach Jerusalem“ statt, denn die Sitzplätze werden kreuz und quer durch die Kabine getauscht. Wir müssen auf den Verkaufsgeräten die Sitzplatznummern eingeben, denn über diese ordnet das System den Umsatz dem jeweiligen Passagier zu. Stimmt diese nicht, so wird er womöglich nie seine Rechnung auf der Ryanair-Homepage finden. Ein ganz anderes Problem ist auch, dass es bei Ryanair keine Reihe 13 gibt, bei uns allerdings schon. Wenn also jemand in Reihe 13 sitzt und kein Bondrucker an Bord ist, so können wir den Umsatz überhaupt nicht zuordnen und der Passagier wird nie und nimmer an einen Beleg kommen. Ich selbst hatte schon hitzige Diskussionen an Bord warum ich keine Rechnung aushändigen kann“, so ein Lauda-Flugbegleiter gegenüber AviationNetOnline.


Der Verkaufskatalog an Bord von Lauda (Foto: Jan Gruber).

Aus dem Bordverkauf resultieren auch durchaus beachtliche Bargeldsummen, die an der jeweiligen Station in einem Tresor zu verwahren sind. „Auf Flügen Richtung Stansted und Dublin werden den Piloten zum Teil fünfstellige Bargeldbeträge aus den Tresoren mitgegeben, die dann jemand abholt. Kommt der Ryanair-Mitarbeiter allerdings nicht, geht das Geld wieder zurück und wird in den Tresor gelegt. Wir machen uns ernsthafte Sorgen mit so hohen Bargeldsummen unterwegs zu sein, denn das ist auch zollrechtlich fraglich. Das Geld gehört Ryanair und nicht uns als Privatpersonen, aber bestraft wird immer jene Person, die mit dem Bargeld angetroffen wird. Warum die Einzahlungen nicht bei den Stationen vor Ort bei einer Bank oder über eine Geldtransport-Sicherheitsfirma erfolgen, ist uns allen ein Rätsel. Manche Piloten weigern sich strikt das Bargeld überhaupt mitzunehmen und da wird auch schon Druck von oben gemacht“, so ein Lauda-Pilot.

Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber war für eine Stellungnahme zu allen in diesem Artikel geschilderten Umständen nicht erreichbar.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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