Roy Knaus: Aufgeben gibt es nicht

In St. Johann im Pongau liegt der Heliport von Heli Austria und das Headquarter eines der größten Unternehmen dieser Art in Österreich. Es steht im Alleineigentum der Familie Knaus. Michael Csoklich hat sich vor Ort umgesehen und mit Firmenchef Roy Knaus gesprochen.

Zwei Hubschrauber von Heli Austria am Stützpunkt in St. Johann im Pongau.

Nein, als wilden Hund sieht sich Roy Knaus nicht. Anders als manche Beobachter erkennt er sich darin nicht wieder. Er nennt als seine charakteristischsten Eigenschaften „Zielstrebigkeit, Handschlagqualität und nicht aufgeben“. Roy Knaus Vater hat die Knaus Helicopter GmbH betrieben, das Fliegen war Roy Knaus quasi in die Wiege gelegt, mit 18 war er der jüngste Berufspilot Österreichs. 1997 kommt sein Vater bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben, Roy Knaus übernimmt Knaus Helicopter mit fünf Mitarbeitern und zwei Hubschraubern als Alleineigentümer. Und er startet eine große Expansion.

Seit 2008 heißt die Firma Heli Austria, die Holding ist zu 100 Prozent in Familienbesitz. 2020 besteht sie aus 40 Hubschraubern und 150 Mitarbeitern, darunter etwa 45 Piloten sowie 120 Notärzten. Pilotinnen gibt es übrigens keine. Geflogen werden Transportflüge aller Art. Vom Lastentransport über Lawinensprengungen bis zum Kameraflug. Bis zu 130 Meter lang sind die Seile, an denen Lasten transportiert werden. Zweites Standbein sind Rettungsflüge unter der Marke „Martin“. Personentransporte werden auch durchgeführt, von VIPs bis zu normalen Taxiflügen. Operiert wird in praktisch allen Bundesländern, dazu gibt es Tochtergesellschaften in der Schweiz und in Südtirol. Im Einsatz sind Hubschrauber zeitweise aber auch in Griechenland und in Island.

In das heiß umkämpfte Geschäft mit Rettungsflügen ist das Unternehmen schon im Jahr 2000 eingestiegen, als am Heliport St. Johann im Pongau ständig ein Notarzt-Helikopter stationiert worden ist. Dieses Geschäft wird laufend ausgeweitet, heute werden in allen Bundesländern, mit Ausnahme von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, sowie in der Schweiz und in Südtirol Rettungsflüge durchgeführt. Ziel von Roy Knaus ist es, in allen Bundesländern vertreten zu sein, die Verhandlungen laufen. 4.500 solcher Einsätze sind es im Jahr, durchgeführt von acht Stützpunkten.

Firmenchef Roy Knaus.

Das Engagement von Knaus im lukrativen Rettungsfluggeschäft war einigen ein Dorn im Auge, vor allem dem Platzhirschen ÖAMTC. Mit drohender Überkapazität wurde da ebenso argumentiert wie mit technischen Unzulänglichkeiten auf Seiten des neuen Konkurrenten. 2010 verlor Knaus kurzfristig die Betriebserlaubnis, nachdem die gesetzlichen Anforderungen für Rettungshubschrauber geändert wurden und einige seiner Maschinen diese angeblich nicht erfüllten. Knaus klagte die Republik auf Schadenersatz - und hat Recht bekommen. Die juristischen wie medialen Scharmützel zwischen Knaus und dem ÖAMTC dauern bis heute an, auch weil die Expansionspläne von Knaus ja noch nicht abgeschlossen sind. Für Rettungsflüge benötigen Piloten wie Notärzte eine spezielle Ausbildung, damit sie für alle Arten von Notfall gerüstet sind, sei es eine Seilbergung oder Einsätze unter starkem Wind.

Allen Differenzen zum Trotz - zu einem Einsatz gerufen wird der Hubschrauber, der am nächsten beim Patienten ist, sagt Knaus. Der Flugrettung in Österreich attestiert er „ein sehr hohes Niveau“. Österreichisch kompliziert scheint das System der Flugrettung allemal. So sind Vertragspartner von Knaus in Vorarlberg die Bergrettung, in Tirol die Sozialpartner und in Salzburg das Rote Kreuz. Mit ihnen ist der Einsatz für einen Rettungsflug vertraglich geregelt, bezahlt wird jede Flugminute. Der jeweilige Vertragspartner rechnet mit den Sozialversicherungen oder Versicherungen ab. Für Sport- und Freizeitunfälle müssen die Patienten oder deren private Versicherung aufkommen, andere Notfälle übernimmt die Pflichtversicherung. 6.000 Euro und mehr kann so ein Einsatz kosten.

Die Schattenseite in der Erfolgsgeschichte von Heli Austria sind eine Reihe von Unfällen, zum Teil mit tödlichem Ausgang. Der schlimmste liegt 15 Jahre zurück, als in Sölden ein Hubschrauber einen Betonkübel verloren und dieser eine Seilbahn getroffen hatte. Neun Menschen starben. Es war nicht verboten, aber ein Fehler, über eine Seilbahn zu fliegen, sagt Roy Knaus heute. Seither gibt es einige Vorfälle, bei denen Hubschrauber von Heli-Austria Lasten verloren haben, aber niemand zu Schaden gekommen ist. Zuletzt im vergangenen September.

 

Wartung an einem Hubschrauber.

Um derartige Fehler zu verhindern, sind bei Heli Austria alle wichtigen Funktionen in allen Hubschraubern vereinheitlicht, versichert Knaus. Wie zum Beispiel der Knopf fürs Auslösen und Öffnen von Lasten. Und es wurde ein eigener Safety Manager installiert. Was laut Knaus in Europa fehlt, ist der ebenso verpflichtende wie automatische Austausch von Vorfällen und Problemen mit Hubschraubern. Aus Datenschutzgründen sei das nicht möglich, sagt Knaus. Und es fehlten einheitliche Vorschriften und verpflichtende Standards für die Hersteller. So laufe man Gefahr, dass sich Fehler wiederholten. Ein System, das auf Ebene der Zivilluftfahrt längst erfolgreich besteht. Knaus stellt auch klar, dass er keinen Mitarbeiter einem Risiko aussetze. Und nichts verlange, was riskant sein könnte. „So wichtig kann ein Geschäft nie sein.“

90 Prozent der Wartungsarbeiten führt Heli Austria selbst durch. Ersatzteile im Wert von vier Millionen Euro liegen in den Lagern. Das sei günstiger und deutlich schneller, als die Arbeiten von Fremdfirmen erledigen zu lassen. Die Ausbildungskosten eines Technikers beziffert Knaus mit bis zu 30.000 Euro. Die eines Piloten mit etwa 100.000 Euro. Und weil die Anforderungen an Piloten laufend steigen, bietet Knaus jetzt auch eine eigene Pilotenausbildung an. Dazu hat er eine Flugschule in Bad Vöslau gekauft, mit einer Dependance in Salzburg, um den Bedarf in Westösterreich und Süddeutschland abdecken zu können.

30 Millionen Euro Umsatz macht Heli Austria mit der Firmenzentrale in St. Johann im Pongau, und einen Gewinn von 1,5 Millionen Euro. Finanziert werden die Investitionen über Bankkredite und Leasing, wobei es bei den Hubschraubern einen Eigenanteil von etwa 40 Prozent gebe, erklärt Knaus. Er investiert nicht nur in Hubschrauber, sondern auch in Mitarbeiter und Umwelt. „Wir wollen die besten Mitarbeiter, und dass sie lange bei uns bleiben. Deshalb müssen wir ein attraktiver Arbeitgeber sein und ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen.“ Bis Mitte 2020 soll Heli Austria, auch im Flugbetrieb, Klima-positiv sein. Die Firmenflotte scheint es schon zu sein, es gibt 50 Elektrofahrzeuge und 20 Ladestationen. „Chancen erkennen und nutzen, Kräfte und know how bündeln“, lautet das Credo von Roy Knaus.

Die Firmenzentrale von Heli Austria liegt in St. Johann im Pongau.

Dieses Kräfte bündeln „praktiziert“ er auch privat. Seine Frau Saskia, sie kam 2006 als Prokuristin ins Unternehmen, arbeitet mit ihm Schreibtisch an Schreibtisch. Während die Eltern arbeiten, funktionieren die beiden Kinder die weitläufigen Flächen der Zentrale zum Kinderspielplatz um und haben dabei sichtlichen Spaß.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf AviationNetOnline insbesondere über Spezialthemen, seit 2019 gibt er den Podcast "Flightcast" - eine Initiative von Austrian Airlines, FACC, Flughafen Wien und Frequentis - heraus.

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