Roadmap 2050 – Future Talk

Alljährlich lädt die Industrie Plattform „Roadmap 2050“ am Flughafen Wien zu einer interessanten Diskussionsveranstaltung über verschiedene Themen der Luftfahrt. Hatte man im vergangenen Jahr noch mit hochkarätigen Gästen über die Bewältigung des boomenden Luftverkehres und die Auswirkungen auf das Weltklima diskutiert, so waren heuer die Covid-19-Pandemie und mögliche Szenarien aus der Krise die beherrschenden Themen.

Foto: Martin Dichler

Wie die Zukunft der Luftfahrt aussehen könnte, bekamen die anwesenden Gäste vorab bereits zu sehen. Um den Passagieren wieder das Vertrauen in die Luftfahrt zu geben, haben die Flughafen Wien AG und Austrian Airlines erst vor kurzem angekündigt, in einer ersten Testphase auf ausgewählten Europaflügen kostenlose Covid-19-Schnelltests für alle Passagiere anzubieten. 

Dass die Umsetzung dieser Schnelltests gelingen kann, bewies der Airport sehr eindrucksvoll an diesem Abend, als alle Besucher des Events zum Testen gebeten wurden. Nach Abgabe einer Speichelprobe, erhielten die Probanden innerhalb von nur 15 Minuten ihren (negativen) Covid-19-Test und so konnte „Roadmap 2050- Future Talk“ Moderator Nikolaus Pelinka seine Gäste zur ersten „physischen“ Luftfahrtveranstaltung des Jahres 2020 im Office Park 4 begrüßen.

Unter den Diskussionsteilnehmern zum Thema: „Nach der Krise - Die Flugindustrie auf dem Weg in die Zukunft“, befanden sich Magnus Brunner (Staatsekretär BMK), Jens Ritter (CCO Austrian Airlines), Julian Jäger (CEO Flughafen Wien) und Peter Glaser (Präsident FACC Engineering). 

Begrüßt wurden die Teilnehmer des Luftfahrtevents von Hausherrn Günther Ofner, der sich in seiner Eröffnungsrede trotz anhaltender Krise sehr optimistisch gab. "Den Mutigen gehört die Zukunft. Ich bin mir sicher, dass wir in drei bis vier Jahren wieder an die letzten Verkehrszahlen anschließen werden können. Das Bedürfnis zu Reisen und neue Länder und Kulturen kennen zu lernen, wird weiter bestehen", so Flughafendirektor Ofner. 

Welche immensen Schäden die Pandemie innerhalb der Industrie verursacht hat, fasste Staatsekretär Magnus Brunner gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion zusammen. So werden derzeit Schäden in der Höhe von 140 Milliarden Euro für die Luftfahrt prognostiziert. Viele Flugzeuge befinden sich derzeit auf Halde, doch die Pandemie bietet laut Brunner auch neue Chancen. Ökonomische Innovationen haben stattgefunden und viele Staaten haben ihre finanzielle Unterstützung an Umweltstandards geknüpft. Das Reisen hat sich bereits nach 9/11 drastisch geändert, ein ähnliches Phänomen wird in der Nach-Corona Zeit stattfinden. Fluglinien werden sich ändern müssen und viele haben die Chance bereits wahrgenommen, so Brunner. 

Für Flughafen Wien Vorstand Julian Jäger kann für die Zukunft nur eine gemeinsame Luftfahrtstrategie das Ziel sein: "Nach den Anschlägen vom 9/11 hat man weltweit gemeinsame Maßnahmen zu mehr Sicherheit beim Fliegen beschlossen. Gemeinsame Maßnahmen, wie eine EU-Strategie zum freien Reisen sind deshalb dringend gefordert. Die Lehre aus den letzten Monaten für uns ist, dass das Corona-Virus nicht so schnell weg geht, da wird auch eine Impfung nichts so schnell daran ändern", so Jäger.

Angeregte Diskussionen bei der Live-Veranstaltung (Foto: Martin Dichler).

Covid-19-Schnelltestungen sind deshalb nicht nur für den Flughafenmanager, sondern auch für Austrian Vorstand Jens Ritter die Zukunft der Industrie. In einem sehr emotionellen Statement wandte sich der Austrian-Manager an das Publikum: "Wir erleben gerade eine Überreaktion des Nationalismus beim Thema Corona. Unterschiedliche und manchmal auch sehr fragwürdige Corona-Regelungen machen keinen Sinn! Europa muss zusammenwachsen und Regeln finden, wie man wieder das Reisen ermöglichen kann. Die Luftfahrt bietet sich als sicheres Transportmittel an. Wir haben die Daten der Passagiere, wir wissen wohin Sie reisen und wir können Sie testen."

Die Globalisierung der Industrie geht laut Ritter auch während der Corona Pandemie ungehindert weiter. Eine sinnvolle Konsolidierung der Luftfahrtindustrie wird jedoch durch den Virus etwas beschleunigt. 

Für Flughafenmanager Julian Jäger ist ein Wechsel vom Krisen- zum Management-Modus nötiger denn je: "Die Luftfahrt ist das sicherste öffentliche Transportmittel, Fliegen ist nicht das Risiko, auch nicht das Land wohin man fliegt, wichtiger ist viel eher wie man sich vor Ort verhält." Laut Jäger wäre es daher viel wichtiger auf die Einhaltung der Maßnahmen zu pochen, anstatt ständig neue und noch schärfere Regeln festzulegen. 

Der gemeinsame Appell an die Politik lautete an diesen Abend deshalb, dass freies Reisen innerhalb der EU rasch wieder ermöglicht werden muss. Für Staatsekretär Magnus Brunner ist diese Forderung ein Balanceakt zwischen "Reisefreiheit und Gesundheit". 

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler war bis 2019 Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

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