Reisefreiheit in Zeiten von Corona?

Ein Gastkommentar von Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech.

Foto: Martin Dichler für Austrian Airlines

Die Urlaubszeit hat Viele nachdenklich gemacht, auch mich, musste ich doch meinen eigenen Urlaub vor wenigen Wochen wegen kurzfristig erlassener Reisebeschränkungen umplanen. Das ist gar nicht so einfach mit einer siebenköpfigen Familie…

Das Coronavirus hat unser Leben so plötzlich und so stark verändert, wie kein einzelnes Ereignis mehr seit dem zweiten Weltkrieg. Und in besonderer Härte hat es Branchen getroffen, die Menschen verbinden. Sei es durch Reisen, Unterkunft, durch Gastronomie, Veranstaltungen oder Kultur, also genau die Bereiche, die ganz wesentlich zu dem guten menschlichen Miteinander und zu dem Wohlstand beitragen, dessen wir uns in unserem Land und auf der ganzen Welt inzwischen weitgehend erfreuen dürfen. Reisen ist ein Grundbedürfnis und Reisefreiheit (Freizügigkeit) ein Grundrecht!

Natürlich war es richtig, zur kurzfristigen Bekämpfung der Pandemie eine gewisse Distanz in das menschliche Miteinander zu bringen. Und so manches, was wir in der Not erlernt haben, wird sicherlich auch unseren künftigen Alltag prägen. Ob es Videokonferenzen, Homeoffice oder das deutlich gestärkte Hygienebewusstsein ist, all das wird uns vermutlich als positives Erbe dieser Zeit erhalten bleiben.

Das Virus wird uns aber vermutlich noch einige Zeit begleiten. Trotzdem ist es wichtig, dass Menschen wieder reisen können. Sei es um Verwandte zu treffen, Geschäfte zu betreiben oder auch nur die Füße in den Meeresstrand zu stecken. Daher arbeitet die Reisebranche auch hart daran, wieder verlässliches und sicheres Reisen zu ermöglichen.

Mittlerweile ein gewohnter Anblick: Bordleben mit Maske (Foto: Peter Thier / Austrian Airlines).

Viele wissen zum Beispiel nicht, dass die Luft an Bord aufgrund der speziellen Filter und des schnellen Luftaustausches so rein ist wie in einem OP-Saal! Alle drei Minuten wird die Luft im Flugzeug komplett durch Frischluft ersetzt. Und die Luftströmung geht vertikal von oben nach unten. So können kaum gefährliche Konzentrationen von ansteckenden Viren/Aerosolen entstehen. Flugreisende sind in Kombination mit dem Mund-Nasen Schutz also auch ohne "Babyelefant"  - so umschreiben die Österreicher charmant wie sie halt sind den empfohlenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern - vor Ansteckung sehr gut geschützt.

Und dann wäre noch das Problem mit den ständig wechselnden Einreisebestimmungen der verschiedenen Länder. Ich finde das echt verwirrend und höre auch aus meinem Bekanntenkreis, dass vor Urlaubsantritt zunächst eine Unzahl an Webseiten konsultiert werden muss. Austrian Airlines und ihre Schwestergesellschaften in der Lufthansa Gruppe Lufthansa haben in diesem Zusammenhang übrigens diese Informations- und Linksammlung angelegt. Vielleicht hilft sie dem einen oder anderen bei der Reiseplanung: https://austrian.lhg-infohub.com/.

Wie schaffen wir es also, Reisen und Pandemie unter einen Hut zu bringen? Langfristige pauschale Reiseverbote können in unserer global so vernetzten Welt nicht die Lösung sein. Meine Antwort darauf: Das Ziel muss sein, Reisefreiheit und Gesundheitsschutz zu vereinen und Einreiseverbote sowie Quarantäne-Verpflichtung durch geeignete Coronatests bzw. Testsequenzen zu ersetzen, das Motto muss lauten „Testen statt verbieten“! In keinem Verkehrsmittel lassen sich solche Testprogramme so wirkungsvoll umsetzen, wie im Flugverkehr. Wer gesund und nicht ansteckend ist, der soll auch fliegen dürfen, selbst aus einem „Risikoland“!

Gastkommentare geben die Meinung der jeweiligen Autoren und nicht unbedingt jene der AviationNetOnline-Redaktion wieder.

Autor: Alexis von Hoensbroech
Alexis von Hoensbroech wurde am 3. Oktober 1970 in Köln geboren. Er studierte Physik an der Universität Bonn und promovierte anschließend in einem Thema aus der Astrophysik am Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Von 1999 bis 2005 war er bei der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group in München und Tokio tätig, zuletzt als Projektleiter. Im Jahr 2005 wechselte von Hoensbroech zur Deutschen Lufthansa AG und bekleidete dort diverse Führungspositionen. Seit 1. August 2018 gehört Alexis von Hoensbroech als Chief Executive Officer (CEO) dem Vorstand von Austrian Airlines an. Foto: Austrian Airlines / Michèle Pauty

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