Reaktion auf Wizzair: Ryanair vor großer Expansion in Wien

Falls Lauda keinen neuen KV abschließen kann, werden auch diese Strecken übernommen.

Foto: Thomas Ramgraber.

Die Fluggesellschaft Ryanair wird in den nächsten Wochen eine große Expansion ab Wien-Schwechat ankündigen. Die Strecken werden mit Boeing 737-800, die von Malta Air, Buzz und Ryanair DAC betrieben werden, bedient. Dabei handelt es sich um Fluggerät, das nicht in Wien gebased ist, sondern von anderen Stützpunkten aus hereinfliegen wird. Diese Informationen gehen aus einer internen Mitarbeiterinformation, die AviationNetOnline vorliegt, hervor.

Konkret wird die Ryanair Group auf die Ankündigungen des Mitbewerbers Wizzair reagieren. Angeführt wird in dem Anschreiben an die Belegschaft auch, dass der ungarische Carrier einen Angriff auf zahlreichen Routen, die von Lauda bedient werden, startet. Darauf werde Ryanair mit einer „major expansion of routes to/from Vienna to be operated on Ryanair aircraft based outside Vienna” reagieren.

Darüber hinaus werde die angekündigte Ryanair-Expansion in Wien den A320-Routen, die bislang von Lauda bedient werden, ersetzen, sofern es bis zum 21. Mai 2020 zu keinem Abschluss eines neuen Kollektivvertrags kommt. Sollte dieser unterschrieben werden, so verzichtet man auf die Schließung der Airbus-Basis Wien. Konkret stehen etwa 560 fliegende Jobs bei der Fluggesellschaft Lauda auf der Kippe.

Die Gewerkschaft Vida soll wiederholt nicht auf Einladungen zu Gesprächen über den Abschluss eines neuen Kollektivvertrags reagiert haben. Roman Hebenstreit, Chef der Vida, richtete über den Kurier aus, dass er sich von den „ausländischen Fluggesellschaften“ Austrian Airlines und Lauda nicht erpressen lasse und auch nicht mit diesen verhandeln werde, AviationNetOnline berichtete.

Bezüglich der von der Lauda-Geschäftsleitung eingeforderten Zustimmung zu den neuen Konditionen schrieb man, dass binnen weniger Tage etwa 25 Prozent der Kapitäne, 50 Prozent der Ersten Offiziere, jedoch nur etwa 10 Prozent der Flugbegleiter ihr Einverständnis übermittelt haben. Man appelliert an die Belegschaft, dass diese zum Erhalt ihrer Jobs weiterhin ihre Zustimmungen übermitteln sollen, da man davon ausgeht, dass wenn diese nicht mit überwiegender Mehrheit erteilt werden, dass die Gewerkschaft Vida dann die Zustimmung zum neuen Kollektivvertrag verweigern wird. In diesem Fall werde am 22. Mai 2020 die vorzeitige Beendigung der Kurzarbeit beantragt und die Airbus-Basis Wien mit Monatsende geschlossen. Das fliegende Personal soll nach Ablauf des Kündigungsschutzes, der sich durch die Kurzarbeit ergibt, ordentlich unter Einhaltung der Fristen gekündigt werden.

Auch wird angeführt, dass es ein Meeting mit Piloten gegeben habe und man deren Inputs in die Kollektivvertragsverhandlungen einfließen lassen werde. Allerdings hätten die Flugbegleiter an einem vergleichbaren Staff Meeting nicht teilgenommen. Kritik richtet die Lauda-Geschäftsleitung, wenig überraschend, mal wieder in Richtung der Vorsitzenden des Betriebsrats. Der Darstellung nach habe diese um ein Gespräch über einen Sozialplan für den Worstcase gebeten, jedoch habe man auf Terminvorschläge keine Antwort erhalten. Dies ist insofern verwunderlich, da die Lauda-Geschäftsleitung den Betriebsrat und insbesondere dessen Vorsitzende eigentlich nicht anerkennt und bislang jegliches Gespräch verweigerte. Der Wahrheitsgehalt der Darstellung im Mitarbeiterrundschreiben wird wohl irgendwo auf der Mitte liegen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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