Qatar: Die Rückführung gestrandeter Passagiere hat höchste Priorität

Johannes Falck ist der neue Country Manager von Qatar Airways in Wien. Martin Dichler hat mit ihm ein Interview geführt.

Airbus A350-900 von Qatar Airways (Foto: Thomas Ramgraber).

Seit Ausbruch der Covid-19 Pandemie vor einigen Wochen heben vom Flughafen Wien nur noch wenige Passagierflüge ab. Neben Lufthansa, Eurowings und KLM - sowie seit letzter Woche Wizz Air - bedient nur noch Qatar Airways als einzig verbliebene Langstreckenfluggesellschaft viermal wöchentlich die Verbindung nach Doha mit einem A350-900XWB. Seit Anfang April verantwortet Johannes Falck als neuer Country Manager die Aktivitäten der katarischen Fluglinie im DACH-Markt.

AviationNetOnline: Herr Falck, Sie haben erst im April das Amt des neuen Country Managers angetreten. Wie sieht das derzeitige Qatar Airways Angebot im DACH-Markt aus?

Johannes Falck: In dem Bestreben, so vielen Menschen wie möglich die Heimreise zu ermöglichen, hält Qatar Airways die Verbindung zu allen bedeutenden Flughäfen in der DACH-Region weiterhin aufrecht. Wir steuern Wien ebenso wie München, Frankfurt und Zürich an.

AviationNetOnline: Fast alle Fluglinien haben aufgrund der COVID-19-Pandemie die Bedienung des Flughafens Wien eingestellt. Für Qatar Airways war das nie ein Thema?

Johannes Falck: Für Qatar Airways stand von Anfang an fest: Die Rückführung gestrandeter Passagiere hat höchste Priorität. Zu einigen Destinationen wie Australien und Neuseeland, wo noch besonders viele Menschen festsitzen, haben wir den Flugbetrieb sogar ausgedehnt und Zusatzflüge mit weiteren 50.000 Plätzen eingerichtet. Um auf den erhöhten Bedarf zu reagieren, haben wir zudem Brisbane ins Streckennetz aufgenommen.

AviationNetOnline: Wie sieht der aktuelle Flugplan auf der Verbindung zwischen Wien und Doha aus?

Johannes Falck: Derzeit gibt es vier Flüge pro Woche, die Wien von Doha aus erreichen, dem Transit-Knotenpunkt unserer weltweiten Verbindungen. Geflogen werden sie mit einem Airbus A350-900.

AviationNetOnline: Nachdem zahlreiche Österreicher sich immer noch im Ausland befinden, nehme ich an, dass diese gerne auf das bestehende Angebot von Qatar Airways zurückgreifen?

Johannes Falck: Wir haben eine hervorragende Resonanz für die Rückführungsflüge nach Wien. In dieser herausfordernden Situation ist es für gestrandete Urlauber vor allem wichtig, zu erfahren, welche Optionen ihnen noch offenstehen, um nach Hause zu kommen – unabhängig davon, wo auf der Welt „zu Hause“ liegt. Deshalb stehen wir in ständigem Kontakt mit den Regierungen und helfen dabei, Urlauber über verfügbare Rückführungsflüge zu informieren.

Qatar Airways fliegt den Vienna International Airport seit vielen Jahren an (Foto: Martin Dichler).

AviationNetOnline: Qatar Airways hat zahlreiche Charterflüge für gestrandete europäische Urlauber durchgeführt, wie viele Passagiere konnten Sie seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie in ihre Heimatländer fliegen?

Johannes Falck: Seit Mitte Februar konnte Qatar Airways über eine Million Menschen erfolgreich nach Hause bringen und wieder mit ihren Familien zusammenführen. Rund 70.000 davon stammen aus der DACH-Region.

AviationNetOnline: Es gibt weltweit zahlreiche Reisebeschränkungen, wie hoch ist die Auslastung der Wien-Flüge und rechnen sich diese überhaupt noch?

Johannes Falck: Abhängig von der Destination gestaltet sich die Auslastung sehr unterschiedlich. Obwohl einige unserer Flüge mit geringer Auslastung operieren, nutzen wir diese Flüge auch zum Transport lebenswichtiger Fracht, einschließlich medizinischer Hilfsgüter.

AviationNetOnline: Zahlreiche Airlines verwenden derzeit ihre Passagierflugzeuge für reine Frachtflüge nach Wien, ich nehme an, die Luftfrachtkapazitäten auf Ihren Flügen sind derzeit gut ausgelastet?

Johannes Falck: Qatar Airways Cargo, die Frachtabteilung unserer Fluggesellschaft, liefert weiterhin lebenswichtige Rohstoffe, Lebensmittel – darunter frisches Obst und Gemüse – sowie Medikamente in alle Welt. Allein von und nach Wien wurden seit Mitte März mehr als 400 Tonnen transportiert. Wir haben auch den Frachtverkehr nach China wieder aufgenommen, um die chinesischen Mediziner und Behörden in ihrem Kampf gegen das Virus zu unterstützen. Um die Nachfrage nach Medikamenten und lebensnotwendigen Gütern zu befriedigen, hat Qatar Airways Cargo das Programm für April und Mai um eine große Anzahl von Charterflügen erweitert.

AviationNetOnline: Welche Einschränkungen gibt es in Zeiten der Covid-19 Krise im Streckennetz von Qatar Airways?

Johannes Falck: Wir halten unseren regulären Betrieb soweit wie möglich aufrecht, aber die globale Krise nötigt natürlich auch uns zu Anpassungen: So werden derzeit über Doha nur Transitflüge abgewickelt, Stopover finden aktuell nicht statt. Der Hamad International Airport als Drehkreuz sowie unsere Flotte hochmoderner Flugzeuge versetzen uns jedoch in die Lage, Flugrouten und -pläne den unterschiedlichsten Anforderungen anzugleichen, sodass wir stets flexibel reagieren können, sollte der Bedarf in einer Destination steigen.

AviationNetOnline: Qatar Airways ist nicht nur für ihren hoch prämierten 5-Sterne-Service bekannt, sondern auch für ihr weltweites Streckennetz. Wann rechnen Sie damit, dass die Nachfrage für Flüge wieder ansteigen könnte?

Johannes Falck: Darüber können wir aktuell nur spekulieren. Wir richten uns in jedem Fall nach den Empfehlungen der Regierungen sowie der WHO und anderer Gesundheitsorganisationen und gehen davon aus, dass sich die Mehrzahl der Bürger ebenso verhält. Wir ermutigen unsere Passagiere, ihre Reisepläne nicht aufzugeben, sondern nur zu verschieben, indem wir ihnen die Möglichkeit geben, bereits gebuchte Tickets gegen Reisegutscheine mit 10 Prozent Aufschlag einzutauschen.

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler war bis 2019 Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

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