Politik diskutiert Gutschein-Lösung

Lufthansa stoppt Erstattungen

(Foto: Lufthansa)

Die beispiellose Krise der globalen Luftfahrt führt zu kreativen Vorschlägen in der Politik. "Die Airlines sollten die Möglichkeit bekommen, Gutscheine für Kunden auszustellen - diese könnten sie dann einlösen, wenn der Flugbetrieb wieder hochgefahren wird oder später auch auszahlen lassen", sagte der Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), der Deutschen Presse-Agentur. "Dies würde die Airlines und am Ende die Steuerzahler finanziell deutlich entlasten.“

Denn am Mittwoch hatte der Bundestag den Weg freigemacht, dass der Staat sich in der jetzigen Krise notfalls auch an Unternehmen beteiligen darf. In Italien ist Alitalia schon verstaatlicht worden. Ein ähnliches Szenario halten viele in der Branche auch für Lufthansa denkbar.

"Natürlich nicht komplett, doch vorübergehend einen Teil des Konzerns in Staatsbesitz zu übergeben, könnte ein Weg sein", beschreibt es ein Beobachter. So hält der deutsche Staat seit der Finanz- und Bankenkrise 2009/10 einen Anteil von 15 Prozent an der Commerzbank. Lufthansa hat wegen Corona die Kapazitäten um 95 Prozent gestutzt.

Lufthansa setzt Rückerstattung aus
Airlineübergreifend geht der Branchenverband DRV von einer enormen Summe durch Rückerstattungen für ausgefallene Reisen aus: 4,8 Milliarden Euro bis Ende April. DRV-Präsident Norbert Fiebig plädiert daher für eine staatliche Garantie für Kundengelder.

Indes wird deutlich, wie sehr speziell Lufthansa wegen der Stornierungen unter Druck steht. So zitiert "Travel Inside" aus einem Schreiben an Reisebüros, dass der Konzern "die Erstattungsfunktionalität für Tickets" vorübergehend "in allen Reservierungssystemen sowie auf den Webseiten der Airlines und auf lhgroup-agent.com deaktiviert" hat. Bereits eingereichte Refunds "werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet".

Reiserechtsexperten kritisieren das Vorgehen scharf: "Kann die Fluggesellschaft aus objektiven Gründen den Transport nicht durchführen, zum Beispiel wegen staatlicher Einreiseverbote, so fällt der Transportvertrag dahin. Gemäß Art. 119 OR und nach herrschender Lehre ist dann der gesamte bezahlte Preis zurückzubezahlen – in bar oder per Banküberweisung, Gutschrift auf verwendeter Kreditkarte." Gutscheine hingegen müsse der Kunde nicht akzeptieren.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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